Schreckgespenst „Idiotentest“

Wird die MPU bald abgeschafft? Das fordern jetzt Experten

  • Jasmin Pospiech
    vonJasmin Pospiech
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Immer wieder steht der MPU-Test in der Kritik. Experten fordern, dass er transparenter werden soll. Was eine Reform laut dem ADAC bewirken kann. 

  • Experten kritisieren seit Jahren die MPU als nicht nachvollziehbar.
  • Sie fordern dringend Verbesserungen im psychologischen Gespräch.
  • Beschwerden gegen eine MPU können Sie schon jetzt bei der BASt einreichen.

München – Jedes Jahr müssen mehr als 100.000 deutsche Verkehrsteilnehmer einen MPU-Test (auch umgangssprachlich „Idiotentest“ genannt) absolvieren, um ihre Fahrerlaubnis zurückzuerhalten. 

MPU: Experten fordern schon lange Reformen

Statistisch gesehen ist noch immer das Fahren unter Alkoholeinfluss in Deutschland der häufigste Grund für ein Fahrverbot bzw. für den Entzug des Führerscheins. Zudem war übermäßiger Alkoholkonsum auch die häufigste Ursache für die Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU).

Viele haben allerdings Angst davor, diesen nicht zu bestehen. Aus diesem Grund hagelt es seit längerem immer wieder Kritik, dass die MPU nicht transparent genug sei.

Das kritisieren ADAC-Experten an der MPU

Zwar habe sie sich als Mittel der Wahl bewährt, um die Fahrtauglichkeit von Betroffenen zu überprüfen, dennoch gebe es auch einige Schwächen, so der ADAC (mit Sitz in München). Diese seien laut Juristen folgende: 

  • zu späte Information der Betroffenen
  • fehlende Tonband-Dokumentation
  • mangelnde Rechtsmittel gegen die Anordnung der MPU

So bemängeln die ADAC-Juristen, dass die meisten MPU-Teilnehmer viel zu spät erfahren würden, wann diese stattfindet. Wenn der Führerschein entzogen wird, zum Beispiel wegen Alkohol- oder Drogenmissbrauch, beginnt erst eine Sperrfrist, die von ein paar Monaten bis zu fünf Jahre dauern kann. 

Allerdings erfahren die Betroffenen meist erst drei Monate vor Ablauf der Frist, dass die MPU ansteht, wenn Sie eine Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beantragen. Das sei laut dem ADAC (geführt von August Markl (72)) aber für viele „ein Debakel“, da sie dadurch „wertvolle Zeit verloren“ haben.

Schließlich könnten sie sich am Ende nicht gut vorbereiten, fast die Hälfte aller Teilnehmer fallen Statistiken zufolge regelmäßig beim MPU-Test durch. Doch das kann teuer werden, die MPU kostet schließlich bis zu 750 Euro.

Die MPU besteht aus drei Teilen:

  • einem medizinischen Check
  • einem Leistungstest am Computer
  • einem psychologischen Gespräch

Letzteres dauert etwa eine Stunde und wird vom Gutachter schriftlich festgehalten. Doch das reiche laut den ADAC-Experten nicht aus, weshalb sie auf Tonband- und/oder Videoaufnahmen beharren. „Eine Dokumentation hätte nur Vorteile für den Betroffenen, da das Gespräch nachprüfbar belegt wird und für den Psychologen, der nicht mehr mitschreiben muss und sich besser auf das Gespräch konzentrieren kann.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Betroffene zwar gegen ein (negatives) Ergebnis beim MPU-Gutachten klagen können, aber keine großen Erfolgschancen bestehen. Deshalb fordern Experten, dass die Anordnung gerichtlich überprüfbar ist. Bis dato lassen sich nur die Entziehung oder die Verweigerung der Fahrerlaubnis anfechten.

MPU: Beschwerde einlegen bei der BASt 

Allerdings gibt es die Möglichkeit, bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) mit Sitz in Bergisch-Gladbach eine Beschwerde einzureichen. Haben Sie eine MPU absolviert und möchten sind mit dem Ergebnis oder Ihrer Begutachtungsstelle nicht zufrieden, können Sie sich dorthin wenden.

Auf der BASt-Homepage finden Sie ein Kontaktformular, das Sie zuerst herunterladen und ausfüllen müssen.

Wird die MPU bald in Deutschland abgeschafft?

Es gibt auch immer wieder Stimmen, die eine Abschaffung der MPU fordern, da sie als zu ungerecht empfunden wird. Dennoch glauben Befürworter, dass die MPU ihre Berechtigung hat.

Zwar sei sie teuer, allerdings schütze sie Verkehrssünder in Deutschland vor noch viel teureren und harten Sanktionen. Abschließend gehen sie davon aus, dass, wenn die MPU abgeschafft werde, hierzulande auch der Bußgeldkatalog überarbeitet und härtere Strafen eingeführt würden.

Rubriklistenbild: © ACE

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