Autofahren mit Handicap

Führerschein mit Behinderung: Das ist möglich - aber nur mit Gutachten

  • Jasmin Pospiech
    vonJasmin Pospiech
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Den Führerschein mit Behinderung zu machen, scheint erstmal schwierig. Doch gerade für Menschen mit Handicap ist es wichtig, mit dem Auto mobil zu sein. 

Es gibt umgebaute Autos, mit denen Menschen mit Behinderung fahren können.
  • Einige Fahrschulen bieten den Führerschein mit Behinderung an
  • Menschen mit Handicap sollten beim Autofahren einen Behindertenausweis dabeihaben
  • Wollen Sie einen Führerschein mit Behinderung machen, benötigen Sie ein Gutachten

München – Auch Menschen mit Behinderung können einen Führerschein machen. Schließlich ist es gerade für sie essenziell, sich mit dem Auto von A nach B fortbewegen zu können. Wenn Sie noch keinen Führerschein besitzen, empfiehlt es sich online nach einer Fahrschule zu suchen, die auf die Fahrausbildung von Menschen mit Behinderung spezialisiert sind.

Weitere Adressen, an die Sie sich wenden können:

  • Reha-Zentren
  • Fahrlehrerverbände (der einzelnen Bundesländer)
  • Bundesvereinigung der Fahrlehrer-Verbände

Führerschein mit Behinderung - mit Gutachten vom TÜV

Um einen Führerschein mit Behinderung machen zu können, müssen Sie zuerst bei Ihrem zuständigen Landratsamt oder der Stadtverwaltung einen Antrag (Formblatt) stellen, um eine Fahrerlaubnis zu erhalten.

Auf dem Antrag vermerken Sie den Grad bzw. die Form Ihrer Behinderung (zum Beispiel bei einer Schwerbehinderung). Danach wird von der Behörde ein medizinisches und/oder ein technisches Gutachten durch einen Sachverständigen vom TÜV (wie TÜV Süd mit Sitz in München, geführt von Axel Stepken (61)) erstellt.

Schließlich ist es wichtig, dass Sie verkehrstauglich sind und nicht sich selbst oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden könnten. Falls sich beim Gutachten kleine Beschränkungen ergeben sollten, werden diese dann später in Ihren Führerschein eingetragen.

Zudem soll das Gutachten darüber Aufschluss geben, ob das Fahrzeug, das Sie als Antragsteller schließlich fahren möchten, eventuell umgebaut werden muss. Dabei wird geklärt, ob Sie zusätzlich eine Verlängerung von Lenkrad oder Schalthebel im Auto benötigen. Dadurch können allerdings auch zusätzliche Kosten entstehen.

Darüber hinaus kann die Führerscheinbehörde noch eine Fahrprobe anfordern, um die Eignung zu überprüfen oder auch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU). Auch das kann ins Geld gehen.

Bei Schwerbehinderung erhalten Sie Zuschuss beim Führerschein

Eine Führerscheinausbildung kann ebenfalls sehr teuer werden. Zwar gibt es von Bundesland zu Bundesland Unterschiede, dennoch kommt dabei meist eine Summe im vierstelligen Bereich heraus.

Fahrschüler müssen für Fahrstunden, Lehrmaterialien, Prüfungen & Co. mit etwa 1.500 bis 2.000 Euro rechnen. Dies gilt leider auch beim Führerschein mit Behinderung. Hier müssen Sie für eine Fahrerlaubnis ähnlich viel Geld hinblättern. Die Grundgebühren sind unter anderem gleich.

Weitere Kosten, die beim Führerschein der Klasse B durchschnittlich auf Sie zukommen: 

  • Sehtest: sechs Euro
  • Erste-Hilfe-Kurs: 20 bis 30 Euro
  • Anmeldegebühr an einer Fahrschule für behinderte Menschen: bis zu 200 Euro
  • Lernmaterialien für die Theorie: 20 Euro
  • Fahrstunden: 30 bis 60 Euro
  • Sonderfahrten: von Fahrschule zu Fahrschule unterschiedlich
  • Theorieprüfung: 20,83 Euro
  • Praktische Fahrprüfung: bis zu 100 Euro

Doch auch die Anzahl der benötigten Fahrstunden entscheidet darüber, wie viel Sie am Ende ausgeben. Diese richtet sich nach dem individuellen Können des Schülers.

Dennoch kann es sein, dass Sie zum Beispiel bei einer Schwerbehinderung einen Kostenzuschuss erhalten. Am besten informieren Sie sich hierfür bei Ihrer zuständigen Krankenkasse.

Außerdem müssen Menschen mit einer Schwerbehinderung weniger Steuern für Ihr Auto zahlen. Die Steuervergünstigung wird beim Zoll beantragt.

So schreiben Sie den Führerschein um wegen einer Behinderung

Doch was tun, wenn Sie einen Führerschein besitzen, aber durch einen Unfall oder eine Krankheit erst seit kurzem eine Behinderung aufweisen? Dann sollten Sie sich am besten so bald wie möglich bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde melden. Dazu sind sie sogar gesetzlich verpflichtet.

Auch in diesem Falle wird die Behörde schließlich ein Gutachten anfordern. Schließlich muss sie annehmen, dass eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr durch die neuen Begebenheiten gefährdet ist. Dazu wird Ihnen die Behörde eine Frist setzen. Kommen Sie dieser nicht nach, kann Ihnen die Behörde am Ende sogar den Führerschein entziehen.

Führerschein machen trotz Lernbehinderung – das geht

Grundsätzlich ist die Fahrausbildung eine sehr lernintensive Zeit. Schließlich werden die Fahrschüler allein in der Theorie mit vielen neuen Informationen über das Verkehrssystem geradezu überschüttet. Die müssen erst einmal verarbeitet und dann mithilfe von Lernmaterialien vertieft werden.

Das fällt Menschen, die an einer Lernbehinderung leiden, allerdings sehr schwer. Dennoch ist es für sie nicht unmöglich, einen Führerschein zu machen. So empfiehlt sich zum Beispiel eine Fahrschule für Lernschwache. Dort lernen Sie das Autofahren durch intensives Training und die Betreuung des Fahrlehrers.

Einige Fahrschulen für Lernschwache bieten nach den Theoriestunden noch eine Vertiefung des Unterrichtstoffs an, teilweise auch mithilfe von alternativen Lehrmethoden. So arbeiten diese teilweise mit Karten- und Rollenspielen sowie Reimen, Merksätzen oder Eselsbrücken, um das Erlernte zu vertiefen.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

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