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Ausländischer Führerschein: Anerkennung, Umschreibung, Übersetzung – das gilt es zu beachten

Ein tschechischer Führerschein wird in die Kamera gehalten
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Ausländischer Führerschein: Anerkennung, Umschreibung, Übersetzung – das gilt es zu beachten.
  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Ein ausländischer Führerschein unterscheidet sich hinsichtlich der Gültigkeit und Anerkennung von einer deutschen Fahrerlaubnis.

  • Vorschriften zur Anerkennung und Gültigkeit eines ausländischen Führerscheins in Deutschland, die es zu beachten gilt
  • Die Vorgehensweise bei der Umschreibung einer ausländischen Fahrerlaubnis
  • Wissenswertes zur Übersetzung eines ausländischen Führerscheins

Flensburg – Besitzer eines ausländischen Führerscheins, die von ihrer Fahrerlaubnis in Deutschland dauerhaft Gebrauch machen möchten, müssen einige Regelungen beachten.

Anerkennung und Gültigkeit eines ausländischen Führerscheins in Deutschland

Deutschland ist nicht nur ein beliebtes Ziel für Touristen. Auch aufgrund der florierenden Wirtschaft ist der Staat im Ausland hoch angesehen. Viele ausländische Personen sind deshalb gerne bereit, eine Stelle auf dem deutschen Arbeitsmarkt anzunehmen. Dafür verlagern sie ihren Wohnsitz und Lebensmittelpunkt nach Deutschland. Um sich einschränkungslos fortbewegen zu können, ist es jedoch wichtig, dass ihr ausländischer Führerschein Anerkennung erfährt. Andernfalls drohen Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot oder gar der Entzug der Fahrerlaubnis. Grundsätzlich ist es so, dass die Fahrerlaubnis von Bürgern aus einem Mitgliedsstaat der EU oder eines Vertragsstaat des Abkommens über den europäischen Wirtschaftsraum (EWR) problemlos in Deutschland anerkannt wird.  Die Beantragung eines deutschen Führerscheins ist somit nicht notwendig. Lediglich bei Ablauf der Gültigkeit des Führerscheins muss sich im Zuge der Verlängerung der Fahrerlaubnis an die deutschen Behörden gewandt werden. Sie sind auch der richtige Ort, wenn es um eine Umschreibung geht.

Anerkennung eines Führerscheins aus Drittstaaten und Regelungen für Fahranfänger

Bei Drittstaaten, die weder der EU noch der EWR angehören, verhält es sich jedoch anders. Ein ausländischer Führerschein muss beispielsweise verpflichtend eine Umschreibung erfahren, wenn der Besitzer ein Bürger der Schweiz ist. Diese Regelung gilt allerdings nicht für die Gültigkeit der Fahrerlaubnis von Urlaubern oder Personen, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten. Als Frist gelten in diesem Zusammenhang sechs Monate. Bei Fahranfängern, die ihren Führerschein erst seit weniger als zwei Jahren haben, setzt sich die im Ausland begonnene Probezeit in Deutschland fort. Ein Sonderfall besteht außerdem, wenn der Führerschein einen Sperrvermerk der ausländischen Behörde trägt. In einer solchen Situation muss ein Gericht entscheiden, ob eine Anerkennung der Fahrerlaubnis in Deutschland ohne eine neue Beantragung überhaupt möglich ist. Im Jahr 1954 führte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die sogenannte medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) ein. Kommt es durch Fahren unter Drogen- oder übermäßigem Alkoholeinfluss zum Verlust der Fahrerlaubnis, ist eine MPU in vielen Fällen zwingend notwendig, um den Führerschein behalten zu können. Deutschland ist europaweit das einzige Land, das die MPU in diesem Sinne praktiziert. Die Untersuchung kann jedoch durch den Neuerwerb der EU-Fahrerlaubnis in einem anderen EU-Land umgangen werden. Großer Beliebtheit erfreut sich in diesem Zusammenhang das Land Polen, da es direkt an Deutschland grenzt und durch geringe Fahrschul- und Prüfungsgebühren überzeugen kann.

Umschreibung einer ausländischen Fahrerlaubnis

Ein ausländischer Führerschein kann in Deutschland maximal sechs Monate genutzt werden, wenn der Besitzer ein Bürger aus einem Nicht-EU- oder EWR-Land ist. Anschließend muss eine Umschreibung auf einen deutschen Führerschein stattfinden. Damit besteht die Gültigkeit der Fahrererlaubnis auch weiterhin. Wie genau die Umschreibung abläuft, hängt vom Ausstellungsland des Führerscheins ab. Mit einigen Staaten hat die EU sogenannte Anerkennungsabkommen geschlossen. Diese gelten als Bestätigungen, dass die Führerscheinprüfung im jeweiligen Land den Mindestanforderungen der EU entspricht. In einem solchen Fall muss die ausländische Person zur Beantragung lediglich den alten Führerschein, gültige Ausweisdokumente (inklusive Aufenthaltstitel) und gegebenenfalls ein aktuelles biometrisches Passbild vorlegen. Wenn die EU dem Führerschein jedoch aufgrund der Prüfungsanforderungen des Ursprungslandes keine Anerkennung gewährt, dann muss der Besitzer in der Regel die theoretische und die praktische Fahrprüfung in Deutschland absolvieren. Für Fahrschul- und Prüfungsgebühren sind rund 400 bis 600 Euro fällig. Die Kosten für den Verwaltungsaufwand einer Umschreibung belaufen sich hingegen auf circa 25 Euro.

Ausländischer Führerschein: Beantragung der Übersetzung

Die Vorschriften zur Übersetzung ausländischer Führerscheine orientieren sich maßgeblich an den Vorschriften zur Umschreibung. Das bedeutet, dass Einwanderer aus einem EU- oder EWR-Land nicht verpflichtet sind, ihren Führerschein übersetzen zu lassen, da dessen Gültigkeit in Deutschland ohne weiteres Zutun bestehen bleibt. Bei Immigranten aus einem Nicht-EU- oder EWR-Land verhält sich dies anders. Besitzt die Person einen internationalen Führerschein (geregelt nach dem Übereinkommen über den Straßenverkehr vom 8. November 1968), welcher in englischer Sprache verfasst und drei Jahre gültig ist, so besteht kein Problem in Bezug auf dessen Anerkennung. Ist dies aber nicht der Fall, muss eine Beantragung der Übersetzung des Führerscheins in die deutsche Sprache erfolgen. Anerkannte Stellen, die eine beglaubigte Übersetzung ins Deutsche durchführen dürfen, sind zum Beispiel deutsche Automobilclubs (ADAC, AvD, ACE), Automobilclubs aus dem Ausstellungsland des Führerscheins und gerichtlich oder staatlich zugelassene Übersetzer. Die Kosten gestalten sich folgendermaßen:

  • Übersetzung in einen internationalen Führerschein kostet in etwa 25 Euro.
  • Übersetzung in einen landesspezifischen Führerschein kostet in etwa 50 Euro.

Von David Hain

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