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E-Autos verlieren rasant an Wert: Leasing besser als Kauf?

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Von: Marcus Efler

Wegen ihres hohen Wertverlustes erscheint Leasing bei Elektroautos als clevere Alternative zum Kauf. Doch dabei gilt es so einiges zu beachten.

München – Es ist ein Geben und Nehmen: Autofahrer kauft Neuwagen, bringt ihn nach ein paar Jahren zurück zum Händler, bekommt einen guten Preis, der auf seinen nächsten Neuwagen angerechnet wird. Der Händler verkauft den Gebrauchten zum guten Preis. Alle sind happy, Autoland Deutschland boomt und brummt. Jedenfalls war es bislang so. Aber nun bringt etwas diese Balance aus dem Gleichgewicht: der Umweltbonus. (Tesla Model 2: Wie günstig wird die geplante elektrische Kompaktklasse?)

E-Autos verlieren rasant an Wert: Leasing besser als Kauf?

Damit subventionieren Staat und Hersteller den Kauf eines neuen Elektroautos oder Plug-in-Hybrid. Die logische Folge: Statt eines Gebrauchten zum guten Preis kaufen die Leute lieber gleich einen Neuwagen mit Stecker, was sie unterm Strich kaum teurer kommt. Sowohl private als auch gewerbliche Verkäufer bekommen gebrauchte Autos mit E-Kennzeichen kaum noch los – oder nur mit schmerzhaftem Verlust, was beispielsweise Daimler unter Druck setzt, wie BW24* berichtet. Laut dem Marktbeobachter Deutsche Automobil Treuhand (DAT) sagten 52 Prozent der im Juni befragten deutschen Autohändler, sie könnten gebrauchte Elektroautos „nur mit starken Nachlässen“ vom Hof bekommen. (Elektroautos und kein Zurück: Verbietet die EU Verbrenner jetzt ganz?)

VW ID.4 in einem Showroom in der Autostadt Wolfsburg (Symbolbild)
Besser als ein Gebrauchter: ein neues Elektroauto, hier der VW ID.4 (Symbolbild) © Peter Steffen/dpa

E-Autos verlieren rasant an Wert – heftiger Verlust beim Wiederverkauf

Dazu schlägt das Misstrauen in die Haltbarkeit schon genutzter Akkus auf den Second-Hand-Preis. Alle Autofahrer, die – ebenfalls durch die Umweltprämie angelockt – sich nun ins Abenteuer der Elektromobilität stürzen wollen, müssen also beim Wiederverkauf nach einigen Jahren mit heftigem Wertverlust rechnen. Auch wenn die Prämie dann ausgelaufen sein sollte, denn bis dahin werden neue Elektroautos generell deutlich preiswerter sein als heute. Darüber hinaus besteht natürlich das Risiko, dass ein E-Neuling mit einem Akku-Auto doch nicht glücklich wird und es schnell wieder verkaufen möchte. (ADAC testet Akkus von E-Autos: So nimmt die Batterie-Kapazität ab)

Elektroautos verlieren rasant an Wert – die Lösung: Elektroauto leasen

Die Lösung: Elektroauto leasen. Das monatliche Nutzungs-Entgelt, bisher schon unter Freiberuflern Mittel der Wahl, befreit auch Privatleute von der Last des Wiederkaufs. Vor allem Kleinstwagen wie der Smart Fortwo oder der neue elektrische Fiat 500, aber auch größere Modelle wie der Hyundai Kona oder Peugeot 2008 tauchen aktuell immer wieder zu Kampfpreisen bei den großen Online-Plattformen auf. Und selbst für Kompaktmodelle wie den VW ID.3 finden sich öfter Konditionen deutlich unterhalb von 200 Euro. Natürlich meist mit Basis-Ausstattung und kleinster Batterie-Option – doch wer ein paar Euro mehr investiert, bekommt auch besser bestückte Modelle mit größerer Reichweite. Günstig für den Autokäufer ist dabei, dass die Hersteller unter CO2-Druck stehen: Übersteigt der Durchschnitts-Ausstoß der in Europa verkauften Neuwagen den vorgegebenen Flottenverbrauch, setzt es hohe Strafen. In vielen Fällen ist es für die Unternehmen daher günstiger, Elektroautos mit Verlust in den Markt zu drücken, um ihre Emissionsstatistik zu verbessern. (Eine Million Elektroautos: Regierung jubelt – aber verschweigt wichtiges Detail)

Elektroautos verlieren rasant an Wert – wer least, bindet sich für zwei Jahre

Die E-Auto-Prämie wird meistens als Leasing-Sonderzahlung verrechnet, die der Kunde erst zahlen muss, dann aber nach Zulassung von der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) zurückerhält. Allerdings sind beim Leasing einige Voraussetzungen an die Umweltbonus-Berechtigung gekoppelt: Die volle Prämie gibt es erst ab einer Laufzeit des Leasing-Vertrags von 23 Monaten, bei geringerer Vertragsdauer wird sie nur anteilig ausgezahlt. Darüber hinaus muss die Haltedauer des Fahrzeugs für die volle Förderung mindestens 24 Monate betragen. Außerdem gelten auch beim Leasing eines E-Autos die prinzipiellen Nachteile dieser Finanzierungsform: Das Auto gehört einem nie. Wer dagegen ein gekauftes Auto abbezahlt hat, kann es zu relativ geringen Kosten fahren, bis es auseinanderfällt. Langfristig ist das billiger als das Leasing. Allerdings enthalten viele Verträge auch eine Klausel, die den anschließenden Kauf des geleasten Autos zu einem vorher festgesetzten Betrag ermöglicht. In einigen Fällen kann das durchaus attraktiv sein. (Opel Manta-e geht in Serie – aber komplett anders als erwartet)

Elektroautos verlieren rasant an Wert – nicht jeder Händler ist geeignet

Ein paar für E-Autos spezifische Punkte sind beim Leasing darüber hinaus noch zu bedenken. Bei der Ausstattung beispielsweise empfiehlt es sich, das meist optionale Typ-2-Ladekabel für einen kleinen Aufschlag mitzubestellen. Wer im eigenen Haus wohnt, sollte parallel zum Neuwagen-Leasing über Kauf und Installation einer Wallbox nachdenken, auch wenn deren staatlicher Fördertopf gerade leer ist. Und wer sein Auto über einen Internetvermittler bei einem weit entfernten Händler least, muss zudem darauf achten, ob die Reichweite des Fahrzeugs die nötige Überführungsfahrt in die heimische Garage hergibt. Gerade Kleinwagen kommen oft nicht weiter als rund 200 Kilometer pro Akkufüllung. Da bei ihnen die Schnellladefähigkeit oft eingeschränkt ist, kann die Fahrt nach Hause logistisch schwierig werden. Viele Händler bieten zwar eine Überführung per Hänger an, die kostet dann aber extra. Elektroautos bleiben also vorerst ein Abenteuer – egal, ob gekauft oder geleast. (Mit Material von SP-X) *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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