Bidirektionales Laden

E-Auto als Einnahmequelle: Für eine Gruppe könnte sich die Netzeinspeisung auszahlen

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Ein E-Auto kauft man sich aus vielen Gründen. Die Möglichkeit, mit dem Fahrzeug Geld zu verdienen spielt dabei kaum eine Rolle. Doch zumindest ein paar Euro pro Monat dürften künftig drin sein.

  • Beim sogenannten bidirektionalen Laden kann ein E-Auto Strom zurück ins Netz einspeisen
  • Künftig sollen sich Elektroautobesitzer damit etwas dazuverdienen können
  • Richtig lohnen wird sich die Technik aber wohl nur für eine ganz bestimmte Gruppe von Nutzern

München – Elektroautos müssen den in ihren Akkus gespeicherten Strom nicht selbst nutzen, sie können ihn auch an andere verkaufen. Künftig werden sich Elektro-Mobilisten so ein paar Euro dazuverdienen. Doch noch ist unklar, wann – und auch wie lange – das klappt.

Auf bis zu 1.000 Euro pro Jahr schätzen Experten die künftig möglichen Nebenverdienste von E-Auto-Haltern. Gezahlt werden sie – so die Idee – entweder von der Stromkonzernen, die die Batterien der geparkten Mobile als Regelleistungs-Puffer für die Netzstabilität nutzen. Oder sie ergeben sich aus Kursgewinnen an der Strombörse. Wer dort günstig tankt und später zu einem höheren Preis zurückspeist, darf sich über die Differenz freuen („Intraday-Handel“). Soweit die Theorie.

Der Honde e gehört zu den wenigen E-Autos, die bidirektionales Laden beherrschen.

Geld verdienen mit dem E-Auto: noch gibt es technische Hürden

Praktisch existiert zunächst einmal eine technische Hürde: Denn das Auto muss in der Lage sein, Strom nicht nur aufzunehmen, sondern ihn auch wieder abzugeben. „Bidirektionales Laden“ lautet der entsprechende Fachausdruck. Dieses allerdings beherrschen bislang die wenigsten E-Autos, darunter vor allem japanische Modelle wie der Nissan Leaf, der Mitsubishi Outlander oder der Honda e (Honda e: Marktstart, Preis, Reichweite – Das ist das neue Elektrofahrzeug aus Japan). In deren immer wieder von Naturkatastrophen betroffenen Heimat ist die autonome Stromversorgung aus dem Auto-Akku heraus vor allem für Privathaushalte interessant.

In Westeuropa hingegen ist das Stromnetz vergleichsweise stabil, weshalb die Autohersteller hierzulande bislang weitgehend auf die Technik verzichten. Zudem dürften sie zunächst Bedenken wegen der Batterie-Haltbarkeit gehabt haben. Denn ständiges Laden und Entladen tut dem Stromspeicher nicht gut. Die geringen Leistungen beim bidirektionalen Laden sind aber wohl nur wenig belastend.

Wallboxen haben viele Hersteller im Angebot – doch nur sehr teure Varianten beherrschen das bidirektionale Laden.

E-Auto: Um Strom ins Netz einzuspeisen ist ein bidirektionales Ladegerät nötig

Das passende Auto allein reicht für bidirektionales Laden allerdings nicht. Um Strom ins Netz zurück zu speisen, benötigt man auch ein geeignetes Ladegerät – eine konventionelle Wallbox für ein paar Hundert Euro reicht da nicht aus. Bidirektionale Lader kosten aktuell eher 5.000 bis 10.000 Euro. Eine Investition, die sich allein über den Verkauf von Strom beziehungsweise Regelleistung nicht rechnet.

Die Ladetechnik dürfte wie jede neue Massentechnologie mit Hochfahren der Produktion günstiger werden. Und auch die Fähigkeit zu bidirektionalem Laden ist keine Raketenwissenschaft – bei neuen E-Autotypen dürfte sie sich ohne größere Probleme installieren lassen. Dass das noch nicht passiert ist, hat wohl nicht zuletzt regulatorische Gründe.

Das Laden mittels Ladekarten ist oft umständlich –künftig soll die Ladesäule das Fahrzeug automatisch erkennen.

Geld verdienen mit dem E-Auto: Unklarheiten bei der Abrechnung von Netzeinspeisungen

Geregelt und normiert wird die V2G-Technik unter anderem durch die ISO 15118, die bislang aber weder von der Energie- noch von der Autobranche konsequent umgesetzt wird. Das hat diverse Gründe – viele davon hängen damit zusammen, dass die Norm auch die sogenannte „Plug-and-Charge“-Technik regelt, bei der die Ladesäule das angeschlossene E-Auto automatisch erkennt, so dass die heute so übliche wie umständliche Tankkarten- und App-Authentifizierung nicht mehr nötig ist (So kompliziert ist das Strom-Tanken für E-Autofahrer).

Doch nicht nur auf technischer Ebene fehlen Regelungen. Auch rechtlich und finanziell ist bislang nicht klar, wie Stromtransfers von Privatpersonen ins Netz abgerechnet, abgesichert und abgegolten werden. Entsprechende Modelle dürften sich erst entwickeln, wenn einerseits die technischen Möglichkeiten auf Fahrzeug- und Infrastrukturseite flächendeckend vorhanden sind. Und andererseits der Ausbau der erneuerbaren Energien voranschreitet. Denn vor allem die schwankende Sonnen- und Windkraftausbeute verlangt nach genau der Regelleistung, die die geparkten E-Autos erbringen könnten.

Geld verdienen mit dem E-Auto: In diesem Fall könnte sich die Stromeinspeisung lohnen

Doch ein Siegeszug der Elektromobile (Chang Li Freeman: So fährt das billigste Elektroauto der Welt) würde dieses Geschäftsmodell mittelfristig wieder bedrohen. Denn in ihrem Fahrwasser würde eine attraktive Alternative zum „rollenden Zwischenspeicher“ mitschwimmen: die Gebrauchtbatterie. Sind stationäre Stromspeicher heute noch sehr teuer, dürften sie mit einer steigenden Zahl ausgemusterter E-Auto-Akkus deutlich günstiger werden. Und so vielleicht zur ersten Wahl bei Pufferspeichern.

Unterm Strich ist die Möglichkeit zum Geldverdienen mit dem E-Auto (Tesla verkauft jetzt rote Shorts: Das steckt hinter dem kuriosen Preis der kurzen Hosen) bislang nur eine theoretische. Die Kaufentscheidung für ein entsprechendes Fahrzeug dürfte sie daher nur am Rande beeinflussen. Doch wer ein Eigenheim mit Lademöglichkeit hat, vielleicht mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, der darf durchaus auf ein künftiges Taschengeld hoffen. Interessanter ist die V2G-Technik aber für Anwender im großen Stil. Vor allem Unternehmen mit großen Dienstwagenflotten könnte das bidirektionale Laden ganz neue Einnahmequellen und Geschäftsmodelle erschließen (Holger Holzer / SP-X)

Rubriklistenbild: © Honda

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