1. 24auto
  2. Service
  3. E-Mobilität

Krankenwagen fährt ab sofort elektrisch – doch die Sache hat einen Haken

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jasmin Pospiech

Einsatz mit dem E-Krankenwagen: Funktioniert das? Mercedes sagt Ja und kooperiert mit einem Sonderfahrzeug-Hersteller. Doch die Sache hat einen Haken.

Schönebeck (Sachsen-Anhalt) – Elektroautos sind auch hierzulande auf dem Vormarsch. Schließlich werden diese von der Bundesregierung stark gefördert, zumal die Klimaziele weiter verschärft worden sind. Deutsche Autohersteller präsentieren längst ihre eigenen Stromer-Modelle und wollen so US-Autohersteller Tesla die Stirn bieten. Doch dabei bleibt es nicht: Mercedes will einen Schritt weiter gehen und nicht nur private E-Fahrzeuge bauen, sondern künftig auch Krankenwagen elektrisch betreiben.

Krankenwagen fährt ab sofort elektrisch – doch die Sache hat einen Haken

Für ein Projekt hat sich der schwäbische Autobauer deshalb mit einem Aufbauhersteller für Sonderfahrzeuge zusammengeschlossen, um den ersten vollelektrischen Krankenwagen auf die Straße zu bringen. Letzterer stammt aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt und gilt als größter Anbieter von Kranken- und Rettungswagen in Europa. Pro Jahr entstehen hier ca. 1.500 solcher Fahrzeuge.

Vergangenes Jahr haben sich die 3.000 Mitarbeiter an das neue Projekt gewagt und einen elektrischen Transporter vom Typ Mercedes eSprinter zu einem Krankenwagen vom Typ Valeris-e umgebaut. (Besitzer fragt seinen Mercedes, wie er Tesla findet – die Antwort ist zum Totlachen)

Der vollelektrische Krankenwagen von Mercedes
Ein Mercedes eSprinter wurde zu einem vollelektrischen Krankenwagen umgebaut. © Mercedes-Benz AG

Geschäftsführer Hans-Jürgen Schwarz erklärt: „Es ist eine Herausforderung, einen ersten vollelektrischen Krankenwagen zu bauen, und unser spezieller Anteil ist, die Versorgung und die Versorgungseinrichtung hinten autark vom Basisfahrzeug zu gestalten.“ Der besondere eSprinter hat bereits erfolgreich eine dreimonatige Probephase in Bindow bei Königs Wusterhausen (Bandenburg) bei der Johanniter-Unfall-Hilfe absolviert. (Während Kinder-Notfall: Reifen von Rettungswagen mit Metallstange zerstochen)

Dieser Krankenwagen fährt jetzt elektrisch – ein Akkupaket reicht nicht

Doch es gibt auch einen Haken: Schließlich habe sich schnell herausgestellt, dass der Akku des eSprinters nicht ausreicht, um die vielen Einsätze im Alltag zu bewältigen. Aus diesem Grund haben die notwendigen Ausstattungsgegenstände hinten im Wagen eine eigene Stromversorgung erhalten und darüber hinaus hat man das Energiepaket des Aufbaus von der des Basisfahrzeugs durch den Einbau zweier Steuergeräte getrennt. (ADAC testet Akkus von E-Autos: So nimmt die Batterie-Kapazität ab)

Dementsprechend gibt es auch zwei Stecker, an die der elektrische Krankenwagen in der Einsatzgarage angeschlossen wird. Auf der Fahrerseite wird über einen Stromanschluss das Akkupaket für die spezifische Krankenwagenausstattung versorgt. Der 55-kWh-Akku (47 kWh nutzbar) des elektrischen Sprinters, der den Motor antreibt, wird hingegen über einen Anschluss hinter dem Mercedes-Stern im Kühlergrill geladen. (Elektroauto: Mit diesem Trick vergrößern Sie die Reichweite Ihres E-Wagens)

Dieser Krankenwagen fährt jetzt elektrisch – nur für Kleinstädte geeignet?

Und da der Krankenwagen täglich viele Einsätze fahren muss, gibt es eine optionale Ladeleistung von 80 kW, mit der das Elektroauto an einer entsprechenden Schnellladestation in nur 40 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden kann. Während der Probephase soll der Elektro-Krankenwagen seinen Verbrenner-Kollegen in nichts nachgestanden haben, heißt es weiter. Im Gegenteil. (Elektroauto im Praxistest: Wie weit kommt der VW ID.4 tatsächlich?)

Dadurch, dass das elektrisch betriebene Fahrzeug kaum Geräusche von sich gibt, soll das vielen transportierten Personen, aber auch den Sanitätern selbst, positiv aufgefallen sein. Das sieht allerdings nicht jeder so, denn E-Auto-Kritiker sehen darin ein potenzielles Unfallrisiko für andere Verkehrsteilnehmer. Darüber hinaus dürfte das Projekt auch nicht ohne Weiteres in größeren Städten einsetzbar sein.

Denn der elektrische Krankenwagen schafft bisher nur eine Reichweite von etwa 120 Kilometern. „Bis die Akkus für 300 Kilometer oder mehr halten, sehe ich ein solches Fahrzeug eher für Krankentransporte auf einem großen Klinikgelände oder in einer kleinen Stadt“, schließt Vertriebsleiter Frank Lundershausen zufrieden. „Für eine Großstadt reicht das noch nicht. Aber es gibt bereits genügend Anwendungsfälle, wo es passt.“ (Mit Material von press-inform)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare