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Elektroautos: Sofort wieder volle Akkus – Konzept aus China kommt nach Europa

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Von: Marcus Efler

Der chinesische Hersteller Nio startet in Europa mit einem Konzept, das Wartezeiten beim Laden von Auto-Akkus eliminiert. Deutsche Hersteller sehen das Ganze skeptisch.

Oslo (Norwegen) – Reichweiten-Angst: Dieses schöne deutsche Wort setzt sich auch in anderen Sprachen so langsam durch. Denn die Furcht, ohne Saft liegenzubleiben oder mit seinem Elektroauto stundenlang an Ladesäulen parken zu müssen, ist ein internationales Problem. Zwar schaffen mittlerweile viele Akku-Modelle eine Reichweite von 400 oder mehr Kilometern – trotzdem schreckt es die meisten Autofahrer ab, dass sie für längere Touren und dann den Rückweg eine unkalkulierbar lange Ladezeit einplanen müssen. (Supercharger für alle: Niederländer wollen Lade-Chaos bei E-Autos in Deutschland beenden)

E-Autos: Sofort wieder volle Akkus – China-Konzept kommt nach Europa

Auch in China hat man diese Sorge als Bremsklotz für den Absatz von Elektroautos erkannt. Der Hersteller Nio, der gerade in Europa startet, arbeitet schon seit Längerem an einer praktikablen Lösung für das Problem. Kurz gesagt lautet sie so: tauschen statt laden. In seinen „Battery Swap Stations“ (dt.: Akku-Tausch-Stationen) tut Nio genau das. Schon seit 2017 betreibt der Elektroauto-Hersteller entsprechende Relais-Stationen in China, 190 von ihnen gibt es dort bereits. (E-Autos: Mit welchen Überraschungen Sie bei der ersten Fahrt rechnen müssen)

Akku-Tausch-Station von Nio
Battery Swap Station: In wenigen Minuten will Nio hier die Akkus seiner E-Autos tauschen. © Nio

E-Autos: Sofort wieder volle Akkus – das Konzept erinnert an Postkutschen

Das Konzept erinnert ein bisschen an das Postkutschen-Netz, mit dem im 19. Jahrhundert in Europa und den USA große Distanzen schneller überbrückt wurden: Statt abzuwarten, bis die Pferde gefressen hatten und wieder bei Kräften waren, wurden sie einfach gegen ausgeruhte Tiere ausgetauscht. Das funktioniert natürlich auch mit Auto-Akkus: In nur wenigen Minuten wird der leere Stromspeicher aus dem Unterbau der Elektroautos entnommen und durch einen voll aufgeladenen ersetzt. (Herbert Diess nach Urlaubsfahrt mit VW ID.3: Netz spottet – „abschnittsweise in den Bentley?“)

E-Autos: Sofort wieder volle Akkus – neueste Generation für Europa

Gerade hat Nio seine neue Power Swap Station 2.0 eingeführt, die bis zu 312 Tauschvorgänge pro Tag ermöglicht. Fünf davon sind nun zum Europastart auf dem Weg nach Norwegen: Bis Ende des Jahres sollen sie in Oslo und vier weiteren Städten installiert werden. Parallel dazu wird in dem skandinavischen Vorzeige-Land für Elektroautos auch ein Netz von schnellen Superchargern aufgebaut. Offenbar haben sich die Chinesen hier von Tesla inspirieren lassen: Der Erfolg der Kalifornier hängt stark damit zusammen, dass sie eine (fast) sorgenfreie Infrastruktur konsequent von Anfang mitgeplant haben. (Nio ES6: Ausgerechnet DIESE Technik könnte beim Deutschland-Start fehlen)

Ein Nio ES8
Mit dem Elektro-SUV ES8 will der chinesische Autobauer Nio nun auch in Europa durchstarten – zunächst einmal in Norwegen. © press-inform

E-Autos: Sofort wieder volle Akkus – darum wollen Audi & Co. keine Tausch-Akkus

Mit dem Tausch-Konzept hat Nio dem US-Anbieter nun sogar etwas voraus. Es soll jetzt in Norwegen und etwas später auch in Deutschland, parallel zur Einführung des SUV-Modells ES8, aufgebaut werden. Später folgt mit dem ET7 ein Hightech-Konkurrent für das Tesla Model S, Porsche Taycan und Audi e-tron GT. Doch vor allem in dieser Preisklasse sehen die deutschen Hersteller, die sich ebenfalls mit der Tausch-Idee beschäftigt haben, auch deren größten Probleme: „Wer ein neues Elektroauto für viel Geld kauft“, vermutet ein Audi-Manager, „der will nicht auf der ersten längeren Tour seinen schönen frischen Akku gegen irgendein altes Teil tauschen“.

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