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ADAC testet Akkus von E-Autos: So nimmt die Batterie-Kapazität ab

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Von: Marcus Efler

Wie viele Jahre halten Akkus von Elektroautos? Der ADAC hat überprüft, ob die Sorge vor schnell schrumpfender Batterie-Kapazität berechtigt ist.

München – Die ungewisse Haltbarkeit des Akkus gehört zu den größten Hindernissen, wenn Autofahrer den Kauf eines rein elektrischen Pkw erwägen. Zum einen misstrauen viele der Reichweite – aber auch die Frage, wie langlebig die Zellen zur Energiespeicherung überhaupt sind, beschäftigt viele E-Auto-Fahrer und so ziemlich alle, die es werden wollen. Das Problem kennt man schließlich vom Smartphone: Jeder Ladevorgang verschleißt den Lithium-Ionen-Akku ein wenig, und nach zwei, spätestens drei Jahren ist seine Kapazität so weit abgesunken, dass er nicht mal mehr einen ganzen Tag durchhält. Es hilft dann nur der Tausch des Bauteils oder gleich des ganzen Gerätes. (ADAC testet KfW-Wallboxen: Diese vier Ladestationen wurden mit „gut“ bewertet)

ADAC testet Akkus von E-Autos: So lange halten die Zellen

Genau das wäre bei einem Elektroauto extrem kostspielig: Der Akku ist nicht nur (noch vor der Karosserie) das schwerste, sondern auch das mit Abstand teuerste Teil eines Stromers. Derzeit macht der Energiespeicher im Wagenboden gut die Hälfte des kompletten Fahrzeug-Wertes aus. Ein Defekt würde also entweder die eigene Kasse belasten oder den Wiederverkaufswert ins Bodenlose stürzen lassen. Das ist auch ein Grund für die Beliebtheit des Leasings bei Elektroautos – Abo-Modelle wie früher bei Renault, das Auto zu verkaufen und die Batterien gegen monatliche Zahlung zu vermieten, konnten sich dagegen ebenso wenig durchsetzen wie die Idee von Tausch-Akkus. (Elektroauto ruckzuck laden: Diese Technik wäre der Traum aller Akku-Fahrer)

Ladestecker in Tesla Model 3 (Symbolbild)
Wie viele Jahre hält der Akku? Ein Tesla Model 3 zapft Strom. (Symbolbild) © MiS/Imago

Akkus von E-Autos: Das unterscheidet sie von Smartphone-Akkus

Auch der ADAC hat das Misstrauen in die Akkus als Problem erkannt und will Klarheit schaffen. Grundsätzlich, so beruhigt der Autoclub schon mal, hätten „Elektroautos ein intelligentes Batteriemanagement. Das misst die Temperatur und Spannungen jeder einzelnen Zelle in der Batterie. Dadurch wird sichergestellt, dass sie weder überhitzen noch zu kalt werden und damit an Leistungsfähigkeit einbüßen.“ Damit unterschieden sich Elektroautos also schon mal von Smartphones. Doch der ADAC wollte es ganz genau wissen und hat in Langstrecken-Tests die Lebensdauer der Stromspeicher überprüft. (Elektroauto gratis laden? Immer mehr Geschäfte machen Rückzieher)

Akkus von E-Autos: BMW i3 kommt nach fünf Jahren noch auf 86 Prozent

Das Ergebnis gibt Anlass zur Entwarnung. „Beispiel BMW i3, Baujahr 2014: Nach fünf Jahren und 100.000 Kilometern betrug die Energiekapazität der Batterie immerhin noch 86 Prozent“, teilt der Automobilclub mit: „Die ADAC Ingenieure gehen vorsichtig davon aus, dass die Abnahme der Kapazität auf 70 Prozent erst nach etwa 200.000 Kilometern erfolgt wäre. Das wäre hochgerechnet nach zehn Jahren.“ Der BMW i3 eignet sich derzeit natürlich perfekt als Testobjekt, weil er schon deutlich länger verkauft wird als die meisten anderen BEV („Batterie Electric Vehicle“). (Audi quattro kommt als E-Auto wieder – aber anders als erwartet)

Akkus von E-Autos: Zu langes Stehen ohne Nachladen ist gefährlich

Die genannten 70 Prozent sind mit Bedacht gewählt: Bei den meisten Autoherstellern ist das die wichtige Kapazitätsgrenze, für die sie Garantie auf den Akku gewähren – meist acht Jahre. 30 Prozent Reichweiten-Verlust müssten die meisten Käufer also nach dieser recht langen Zeit akzeptieren, bei mehr bekämen sie in der Regel einen Tausch-Akku. Voraussetzung dafür ist allerdings ein pfleglicher Umgang mit dem teuren Teil. So verweigern manche Autohersteller aufgrund „unsachgemäßer Behandlung“ die Garantie, wenn die Batterien tiefentladen wurden: Das kann passieren, wenn das Auto sehr lange ohne Nachladen steht. Auch fehlende Software-Updates können zum Problem werden. Wenn ein Käufer aber tatsächlich mal auf einem defekten Akku außerhalb der Garantie sitzen bleibt, muss er nicht zwingend einen Kredit aufnehmen: Manchmal ist nur die Regelelektronik defekt, was sich durch ein „Refurbishing“, also Überarbeitung des Akkupacks, beheben lässt. Eventuell genügt es auch, statt des kompletten Strompeichers nur ein Modul zu tauschen. Dass ein defekter Akku tatsächlich mal eben den Wert eines Elektroautos um mehrere 10.000 Euro verringert, dürfte also auch künftig eine Ausnahme bleiben.

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