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Maschinenbauprofessor: Wenn der „Verbrenner verboten ist, wird gegen das Elektroauto gehetzt“ 

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Von: Julian Baumann

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Ein Maschinenbauprofessor aus Karlsruhe ist sich sicher, dass der Verbrenner noch lange gebraucht wird. Statt reinem Fokus auf E-Autos, pocht er auf den Einsatz klimaneutraler Kraftstoffe.

Vor wenigen Monaten sind die Mitgliedsstaaten der EU zur Übereinkunft gekommen, ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen zu erlauben. Auf dem Papier müssen die Autohersteller bei ihren neuen Fabrikaten demnach beweisen, dass die Modelle der Umwelt nicht schaden, de facto bedeutet der Entschluss aber nahezu das Verbot herkömmlicher Verbrennungsmotoren. Die großen deutschen Autokonzerne haben sich ohnehin bereits für ein Ende der Verbrenner-Produktion entschieden. Mercedes-Benz will ab 2030 ausschließlich E-Autos bauen und VW hat dieses Ziel für 2033 festgelegt.

Trotz der Entscheidung der EU und dem Fokus der Industrie auf die Produktion von E-Autos sehen nicht alle die Verbrenner als Auslaufmodell. Bosch-Chef Stefan Hartung machte bereits deutlich, dass es Autos mit Verbrenner weiterhin geben werde. Dieser Meinung ist auch Thomas Koch, Motorenexperte und Maschinenbauprofessor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wie bw24.de berichtet. Statt sich nur auf die Produktion von E-Autos zu konzentrieren, sollten auch Verbrenner, die mit klimaneutralen Kraftstoffen betrieben werden, weiterhin eingesetzt werden, sagte er im Gespräch mit Daniel Gräber vom Cicero Wirtschaft Podcast.

E-Autos und synthetische Kraftstoffe: Technologieoffenheit für einen CO₂-neutralen Verkehr

Die Debatte, ob in Zukunft nur noch elektrische Modelle erlaubt sein werden, oder auch solche, die mit synthetischen Kraftstoffen – sogenannten E-Fuels – angetrieben werden, dauert bereits lange an. Mercedes-Betriebsratschef Ergun Lümali forderte von der Politik endlich eine klare Ansage zum Antrieb der Zukunft.

Maschinenbauprofessor Thomas Koch sprach sich im Cicero Podcast dagegen weiterhin für eine Technologieoffenheit aus, da E-Autos allein nicht die Lösung seien. Für das große Ziel eines CO₂-neutralen Straßenverkehrs seien Verbrennungsmotoren mit klimaneutralen Kraftstoffen zusätzlich zur E-Mobilität der beste Weg.

Zwei Modelle des vollelektrischen Taycan laden vor dem Porsche-Zentrum am Pragsattel an Schnellladestationen.
Die Zukunft von Porsche ist elektrisch. Die Kunden interessieren sich aber auch für synthetische Kraftstoffe. © Julian Baumann/BW24

Dass die EU mit ihrer Entscheidung neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 de facto verbieten will, kritisierte der Ingenieur aus Karlsruhe deutlich. Umweltschutzorganisationen hätten durch Lobbyarbeit Einfluss auf die Entscheidung zu Ungunsten der E-Fuels ausgeübt. „Das ist nicht nur technologiefeindlich, es ist aktive Klimaschutzverhinderungspolitik“, sagte Thomas Koch. Er geht im Podcast sogar so weit, den Lobbyorganisationen das Ziel einer vollkommenen Abschaffung des Autos vorzuwerfen. „An dem Tag, an dem der Verbrenner verboten ist, wird auch gegen das Elektroauto gehetzt werden“, machte er deutlich. „Denn wir haben nicht ansatzweise genügend Grünstrom. Das wird auch im Jahr 2035 noch so sein.“

Karlsruher Maschinenbauprofessor kritisiert Politik: Entscheidung „gegen Mehrheit der Menschen“

Laut dem Karlsruher Maschinenbauprofessor geht es den Lobbyisten und Umweltschützern offenbar nicht darum, einen optimalen CO₂-minimierten Weg in die Zukunft zu beschreiten. Er ist jedoch der Meinung, dass synthetische und biologische Kraftstoffe den Autoverkehr CO₂-neutral gestalten könnten. Bei der Entscheidung über den Antrieb der Zukunft hatten sich jedoch nicht alle gegen synthetische Kraftstoffe ausgesprochen. Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn warnte davor, beim E-Auto den gleichen Fehler zu machen wie beim Gas und sprach sich ebenfalls für eine Technologieoffenheit aus.

Auch in der deutschen Politik gab es im Rahmen der Entscheidung Befürworter für eine Sonderregelung für Verbrennungsmotoren, die mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden. Finanzminister Christian Lindner (FDP) sagte: „Der Markt soll über die Zukunft des Verbrenners entscheiden.“ In diesem Zuge geriert zudem auch Porsche- und VW-Chef Oliver Blume in die Kritik. Er soll Einfluss auf die Entscheidung zugunsten der E-Fuels genommen haben, da Porsche seit langem an den synthetischen Kraftstoffen forscht. Der Finanzminister und der Porsche-Chef wiesen diese Anschuldigungen allerdings von sich.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Maschinenbauprofessor Thomas Koch kritisierte die deutsche und europäische Politik im Cicero Podcast aber deshalb, weil diese das Interesse der Normalverdiener durch das Verbrenner-Verbot nicht mehr im Blick habe. Es sei eine Entscheidung „gegen die Mehrheit der Menschen, gegen die Menschen mit einem moderaten, kleinen Einkommen, die das Land über Wasser halten“. Damit spricht der Karlsruher Ingenieur einen Punkt an, der auch bereits vom ADAC kritisiert wurde. E-Autos würden immer größer und teurer werden und seien deshalb ein „Nischenprodukt für Gutverdienende“, schrieb der Automobilclub.

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