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Cupra geht vor Seat: Darum schiebt VW die Traditionsmarke aufs Abstellgleis

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Von: Marcus Efler

Die VW-Marke Cupra startet elektrisch durch – und lässt Seat hinter sich: Volkswagen setzt auf einen Strategiewechsel bei der spanischen Tochter.

Martorell – Wayne Griffith, Chef der Marken Seat und Cupra, ist zufrieden: „Wir eröffnen hier heute in München bereits unseren dritten Cupra-Brandstore.“ Wie viele andere Automarken ist Cupra ebenso wenig wie Seat auf der IAA Mobility an der Isar vertreten und setzt auf andere Konzepte: Diese Woche würde noch ein weiterer Cupra-Store in Mailand öffnen, erzählt Wayne Griffith, „weitere werden folgen.“ (Neuer Cupra Formentor VZ5 im Test: So geht Spaniens wilder Stier mit 390 PS ab)

Cupra geht vor Seat: Darum schiebt VW die Traditionsmarke aufs Abstellgleis

Mit Europa allein soll es aber längst nicht getan sein: Die umtriebigen Spanier wagen im kommenden Jahr sogar den Sprung nach Australien. Seat, eigentlich die Muttermarke, scheint dagegen längst auf dem Abstellgleis zu stehen – und Cupra, einst sportlicher Modellableger von Seat-Modellen wie dem Leon, hat das Regiment übernommen. Das merkt man nicht nur an dem coolen Store, der sich eher wie ein Modeladen präsentiert, sondern auch an den Produkten.

Cupra UrbanRebel, stehend
Echter Hingucker: die Designstudie Cupra UrbanRebel © Uli Weber/Cupra

Das erste Elektromodell der Marke, einst als Seat geplant, hat ebenfalls ein Cupra-Label bekommen und rollt ab Ende des Jahres als Cupra El Born auf den Markt. Die Spanier zeigen dabei einmal mehr, dass sie eine Designmarke sind, denn der El Born ist im Vergleich zu seinem Zwillingsbruder VW ID. 3 eine wahre Schönheit. Der El Born wird mit einem Leistungsspektrum von 110 bis 170 Kilowatt und Akkupaketen von 54 bis 77 kWh angeboten. So sind maximale Reichweiten bis über 500 Kilometer ohne Nachladen drin. Das sollte einige Kunden locken. (Seat Arona FR Facelift im Test: Auf eine Antriebsart wird verzichtet)

Cupra geht vor Seat: Frischer Wind mit neuem Designer

Im vergangenen Herbst mussten Seat und Cupra einen herben Verlust verkraften, als der langjährige Chefdesigner Alejandro Mesonero-Romanos seinem CEO Luca de Meo in Richtung Renault folgte. Und dann sogar ausgerechnet zum erklärten Hauptkonkurrenten von Cupra weiterzog: Alfa Romeo. Sein Nachfolger bei den spanischen Marken, Jorge Díez, kehrte nach einem Intermezzo bei Mitsubishi nun in den Volkswagen-Konzern zurück.

Cupra El Born, stehend
Als Seat geplant, als Cupra bald unterwegs: der El Born © Cupra

So still es um Seat zu sein scheint, so groß sind die Pläne für Cupra. „Wir wollen bis 2030 elektrisch werden“, blickt Griffith nach vorn, und kündigt nach dem El Born zwei weitere Spanier mit Stecker an: das Elektro-SUV Tavascan und einen Kleinwagen. Bei der Eröffnung des Brandstore am Münchner Odeonsplatz enthüllen Wayne Griffith und Jorge Díez mit dem UrbanRebel das Konzeptfahrzeug eines elektrischen Kleinwagens im Design eines Rennwagens. Während die Studie mit gewaltigen Spoilern und einem Heckflügel über 250 kW / 340 PS und den Spurt auf Tempo 100 in 3,2 Sekunden schafft (mit Elektroboost sogar 320 kW / 435 PS), sieht das beim Serienmodell ab 2025 etwas anders aus: Hier soll bei 170 kW / 231 PS Schluss sein. (Seat Ibiza Facelift: Bessere Vernetzung für spanischen Kleinwagen)

Cupra geht vor Seat: Der Cupra lässt den elektrischen VW alt aussehen

„Das Serienmodell ist auf der elektrischen Konzern-Plattform MEB mit Frontantrieb unterwegs“, erklärt Entwicklungsvorstand Werner Tietz. Der Cupra UrbanRebel sieht mit seinem scharfen Design und gelungenen Proportionen deutlich heißer aus als sein müdes Gegenüber VW ID. Life, der auf der IAA Mobility als elektrischer City-Crossover seine Weltpremiere feiert. Und bei diesem Renner soll es nicht bleiben: Auch die günstigen elektrischen MEB-Fahrzeuge des Konzerns für Seat, Škoda und VW werden künftig in Martorell entwickelt und wohl auch hier gefertigt. (Abt Cupra Formentor im Test: Schneller, stärker – und auf Wunsch auch lauter)

Cupra Tavascan, stehend
Eindrucksvolles Elektro-SUV: der Tavascan © Xavier Bonilla/Cupra

Cupra geht vor Seat: Hat Seat überhaupt noch eine Chance?

„Es ist spannend, eine neue Marke wie Cupra aufzubauen“, erläutert Werner Tietz, „ich entwickle gerade so viele Autos wie noch nie.“ Abwarten, wie viel Platz hier in den kommenden Jahren noch für Seat ist, denn die Trendmarke Cupra scheint längst den Ton anzugeben. Das ist ein naheliegender Schritt, denn trotz einiger Imagewechsel vom Spar-VW bis zur „mediterranen“ Sportmarke konnte Seat nie, wie seine Schwestermarke Škoda, einen größeren treuen Kundenstamm aufbauen und belastet seit seiner schrittweisen Übernahme in den 1980er-Jahren die Konzernbilanzen. Da bietet der Neustart als frische, unverbrauchte Elektromarke ganz andere Chancen. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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