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VW-„Bulli“ wird mit ID.Buzz elektrisch

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Der ID.Buzz soll das Erbe des „Bullis“ in der Elektrowelt fortführen. Er soll mittelfristig der Serienauftakt bei autonomen Fahrfunktionen werden. © Julian Stratenschulte/dpa

Der ID.Buzz steht in den Startlöchern. Als vollelektrischer Vertreter der leichten Nutzfahrzeuge im VW-Konzern soll der „Bulli“-Nachkomme demnächst auch erste Serienfunktionen zum autonomen Fahren erhalten. Für Volkswagen steht der wohl wichtigste Modellanlauf des Jahres an.

Hannover - Fast exakt 72 Jahre ist es her, dass VW die ersten Ausgaben des späteren Flower-Power-Autos in Hannover zusammenbaute - jetzt soll der ID.Buzz das Erbe des „Bullis“ in der Elektrowelt fortführen. Für Konzern und Marke steht dabei einiges auf dem Spiel.

Der E-Bus ist der erste Beitrag der leichten Nutzfahrzeuge (VWN) zur neuen ID-Reihe, und er soll mittelfristig eine Art Serienauftakt bei autonomen Fahrfunktionen machen. Dazu kommen hohe Kundenerwartungen - nicht nur Nostalgiker aus der T1-Epoche dürften genau hinsehen.

Die Antriebstechnologie auf Basis des Elektro-Baukastens MEB ist schon aus anderen ID-Ablegern bekannt. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der ID.Buzz, weil es auch um eine vertiefte Vernetzung geht. Zur Automesse IAA im September stellte VW eine autonome Prototypen-Version vor.

Tests mit dem US-Partner Argo AI laufen, ehe ab 2025 dann ein Serienbetrieb angepeilt wird. Selbstfahrende Bullis sollen zum Beispiel bei Robotertaxi-Diensten eingesetzt werden. Auch der Shuttle-Service Moia - derzeit besonders auf Hamburg ausgerichtet - wird künftig in das Modell einbezogen. Später sollen private Kunden und Logistiker die Technik ebenso nutzen können.

Ab 2030 Flottenbetriebe und erste Privat-Pkw

Ein Hauptziel: Unfälle verringern und idealerweise verhindern. Über Argo kooperiert VW auch mit dem US-Autoriesen Ford. Gemeinsame Modelle auf der Grundlage der E-Plattformen sind geplant. Konzernchef Herbert Diess sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir rechnen bis 2030 damit, dass wir Flottenbetriebe sehen werden und auch Privat-Pkw, die streckenweise autonom fahren. Es kann ein bisschen früher sein, es kann ein bisschen später sein.“ Ein für Ende dieses Jahres angestoßenes Projekt zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar mit 35 selbstfahrenden E-Shuttles wurde jedoch vorerst gestoppt.

WW-Konzern will Öko-Anstrengungen zeigen

Der ID.Buzz soll neben seiner Bestimmung als „wichtige Säule in der Elektro-Offensive“ (Diess) ein Schrittmacher für das autonome Fahren werden. Außerdem will der Konzern mit ihm seine Öko-Anstrengungen ins Schaufenster heben. „Treiber dieser Entwicklung sind nicht nur strengere Emissionsvorgaben, sondern auch das wachsende Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit“, hieß es vor der Vorstellung allgemein.

Das kommt - abgesehen vom rein batterieelektrischen Antrieb - in der Nutzung recycelter Materialien etwa aus Plastikflaschen zum Tragen. Die CO2-Bilanz lasse sich so um mehr als 30 Prozent verbessern. VWN verzichtet im ID.Buzz zudem auf Tierstoffe wie Leder. Stattdessen kommen für Sitzbezüge und Innenausstattung Kunststoffe zum Einsatz.

Nach dem Beschluss des „Green Deals“ der EU passte der Konzern seine Klimaziele an. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts soll bei der Kernmarke VW Pkw beispielsweise der durchschnittliche CO2-Ausstoß in Europa um 40 Prozent abnehmen. Der Gesamtkonzern strebt bis 2030 - ebenfalls bezogen auf das Basisjahr 2018 - eine Senkung um 30 Prozent an. Umweltschützer kritisieren allerdings, dass Volkswagen keine fest definierten Daten zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor nennt, so wie manche andere Hersteller und Länder dies formuliert haben.

Lieferwagen-Version des ID.Buzz

Auch eine Lieferwagen-Version des ID.Buzz bietet VWN an. Dies könnte zum einen hausinterne Konkurrenz zum klassischen T-Transporter schaffen. Andererseits spielte bereits der alte Bulli als Handwerkerfahrzeug eine wichtige Rolle dabei, das Auto zum Brot-und-Butter-Modell für die Hannoveraner zu machen - für manch einen vergleichbar mit dem Käfer oder dem Golf der Kernmarke.

Der Markt ist umkämpft, vor allem Franzosen und Japaner mischen mit ihren Kastenwagen im weltweiten Boom der Paket- und Lieferdienste kräftig mit. Entsprechend will VWN wohl auch die Geschäftskunden mit einem Interieur ködern, „das Stilelemente aus der T1-Generation aufnimmt und in die heutige Ära der Elektromobilität transferiert“.

Die Investitionen von Europas größter Autogruppe über die kommenden fünf Jahre sind beträchtlich. Allein in die Themen Elektrifizierung und Digitalisierung fließt konzernweit eine hohe zweistellige Milliardensumme. In Hannover sollen außer den neuen VWN-Fahrzeugen bald verschiedene Varianten eines Oberklasse-SUV mit eigener Software hinzukommen - ein Gemeinschaftsvorhaben von Audi, Porsche und Bentley, das speziell dem US-Rivalen Tesla Marktanteile abjagen soll.

Produktion und Arbeitswelt verändern sich

Modelle wie der ID.Buzz verändern auch die Produktion und Arbeitswelt der Beschäftigten: Der VWN-Stammsitz Hannover wird, wie Zwickau und Emden sowie Teile des US-Werks Chattanooga und Fabriken in China, komplett auf die Fertigung von E-Autos umgestellt. „Es ist ein Riesensprung für die Kollegen, aber eben auch ein Rationalisierungsschub, der bisher seinesgleichen sucht“, sagte Produktionsvorstand Josef Baumert im Herbst. Die neue Autowelt zeigt sich nicht zuletzt in den Qualifikationsprofilen für die Belegschaft. Es geht längst nicht mehr nur um das Zusammenbauen von Hardware - gefragt sind vor allem Datenanalyse, Software und höhere Mechatronik. dpa

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