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Vor 30 Jahren kam der letzte Mazda RX-7

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Schlafaugen und Wankelmotor
Schlafaugen und Wankelmotor: 1991 debütiere der Mazda RX-7 FD3S. Ab 1992 gab es ihn auch in Deutschland zu kaufen. © Mazda/dpa-tmn

Den Mazda MX-5 kennen viele, die ausgesprochen erfolgreichen japanischen Sportwagen mit Wankelmotor kennen schon weniger. Einer der bekanntesten davon feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag.

Augsburg/Leverkusen/Tokio - Das Geräusch ist einzigartig und mit ihm die Laufruhe und die Drehzahlentwicklung: Wer zum ersten Mal in den Mazda RX-7 steigt, traut kaum seinen Ohren.

Denn während andere Sportwagen-Hersteller ihre vier, sechs oder acht Zylinder in Reihe sortiert haben, setzt Mazda bei dem Coupé mit den charakteristischen Schlafaugen auf ein anderes Motorenprinzip. Der Wankel-Motor war schon beim Deutschland-Debüt des letzten RX-7 FD3S vor ziemlich genau 30 Jahren konkurrenzlos.

In Deutschland erfunden, haben erst NSU und später Audi Motoren mit kreisendem Kolben gebaut. Auch Mercedes hat immer wieder damit experimentiert. Doch nach dem NSU Ro80 (1967 - Mitte 1970er Jahre) hat es in Deutschland nur noch für Prototypen und Versuchsfahrzeuge gereicht.

Seitdem hat nur Mazda dem wegen seiner hohen Laufruhe und seines geringen Gewichts geschätzten, aber für seinen labilen Ölhaushalts und seines hohen Verbrauchs gefürchteten Prinzip der kreisenden statt stampfenden Kolben die Treue gehalten.

Entfernter Erbe eines erfolgreichen Rennwagens

Und die Japaner waren damit gut beraten, sagt Joachim Frey. Er betreibt mit seinem Vater und seinem Bruder in Augsburg das größte Museum der Marke diesseits der Sammlung am Stammsitz in Hiroshima. Schließlich hat Mazda ein Jahr vor dem Debüt des RX-7 FD3S als erster Hersteller aus Japan das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen - und zwar zum ersten und bislang einzigen Mal mit einem Wankel-Motor.

Sieg in Le Mans
Der Rennwagen Mazda 787B war 1991 das erste Wankel-Fahrzeug, das in Le Mans den Sieg einfuhr. Für den RX-7 FD3S ist er aber höchstens ein Vorfahr im Geiste. © Mazda/dpa-tmn

Zwar gibt es keine technischen Gemeinsamkeiten zwischen dem erfolgreichen 787B und dem letzten RX-7. Doch zumindest die Gene des Siegers stecken in dem Serienauto. Schließlich leitet die Entwicklung kein geringerer als Takaharu Kobayakawa. Er koordinierte zuvor den Einsatz in Le Mans.

Kobayakawa drehte bei dem von 1991 bis 2002 gebauten RX-7 das damals gängige Prinzip der Automobilentwicklung um. Maßgebliches Bauteil wurde der Motor, zitiert Pressesprecher Jochen Münzinger aus den Mazda-Archiven: „Genau wie der Le Mans-Rennwagen wurde auch der Mazda RX-7 um ein neues kompaktes und leichtgewichtiges Kreiskolben-Triebwerk herum entwickelt.“

Vom sportlichen Auto zum Sportwagen

Das führte zu einer dramatischen Verschiebung der Ansprüche: Die ersten Generationen des RX-7, gebaut ab 1978, waren noch Coupés für den Breitensport. Sie kamen mit vergleichsweise günstigen Preisen auf konkurrenzlos hohe Zulassungszahlen. Laut Jochen Münzinger wurden sie so als erstes Wankel-Auto über 750.000 Mal produziert.

Der neue RX-7 reifte mit dem internen Kürzel FD (Premiere war 1991) zum Supersportwagen heran - und wurde entsprechend teuer: Stolze 85.000 DM verlangten die Händler beim Deutschlandstart 1992.

Gemessen an den Zwölfzylinder-Sportwagen aus Süddeutschland und England, mit denen die Fachmedien den RX-7 damals verglichen, war das fast schon lächerlich. „Aber dennoch begrenzte dieser Preis natürlich die Zahl potenzieller Käufer“, sagt Jochen Münzinger.

Der RX-7 FD3S bot Werte, die man bei der - der Roadster MX-5 ist eine Ausnahme - ansonsten eher biederen Marke Mazda kaum kannte: Aus zwei Kammern mit jeweils 654 Kubikzentimetern zauberte der Zweischeiben-Wankel mit der Hilfe zweier Turbo-Lader für Europa 176 kW/240 PS. Im Rest der Welt später sogar 206 kW/280 PS.

Und weil die Entwickler genau wie im Le Mans-Rennwagen eine eiserne Diät gehalten haben, wiegt der Wagen nur 1240 Kilo. Von 0 auf 100 km/h braucht der RX-7 FD3S nur 5,3 Sekunden und Schluss ist erst bei 250 km/h.

Nicht der erste Wankel, aber fast der letzte

Zwar führt Mazda den FD zurecht als dritten RX-7, doch reicht die Geschichte der schnittigen Coupés mit Wankelmotor streng genommen zurück bis zum Cosmo Sport von 1967. Den zählen viele heute neben dem aus James Bonds Abenteuer „Man lebt nur zweimal“ bekannten Toyota 2000 GT zu den schönsten und berühmtesten Sportwagen aus Japan.

Ungewohnt kostspielig
Schnittig, leicht und für einen Mazda damals ungewohnt kostspielig. Der RX-7 FD3S ging ab 85.000 D-Mark über die Autohaus-Schwelle. © Mazda/dpa-tmn

Klar hat 007 der Konkurrenz geholfen. Doch muss Mazda nicht neidisch sein. Denn auch der RX-7 hat in Hollywood Karriere gemacht, sagt Mazda-Sammler Joachim Frey und erinnert an die Actionserie „The Fast and the Furious“. Hier spielte das japanische Coupé 2006 im „Tokyo Drift“ eine Hauptrolle. „Das hat dem Renommee natürlich gut getan und die Beleibtheit gesteigert, aber auch die Gebrauchtwagen-Preise nach oben getrieben.“

Kreiskolbenmotor
Flottes Coupé mit seltenem Antrieb. Der Mazda RX-7 verfügt über einen Kreiskolbenmotor. © Mazda/dpa-tmn

Zwar hat der RX-7 eine lange Ahnenreihe. Doch viele Erben hat er nicht mehr: Toyota baut weiter tapfer Sportwagen, genau wie Nissan, Honda und mittlerweile sogar Subaru. Bei Mazda gab es noch 2003 bis 2012 den RX-8. Mit seinen eigenwilligen Portaltüren und einem bis zu 170 kW/231 PS starken Wankelmotor war Mazdas Abschied aus dem Segment der Sportcoupés. Und der Abschied vom Wankel-Motor.

Doch beide Ideen sind deshalb noch lange nicht vom Tisch. Das Prinzip der kreisenden Kolben wollen die Japaner noch in diesem Jahr mit einem Range-Extender für ihr Elektroauto MX-30 wiederbeleben. Und ob man bei den europäischen Designern in Bad Homburg, bei den Amerikanern in Irvine/Kalifornien oder am Stammsitz in Hiroshima nachfragt: Jeder von ihnen hat noch eine Schublade oder Festplatte voller Skizzen, wie ein neuer Wankelsportler aussehen könnte. dpa

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