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Voll besetzt in Brand geraten: Paris zieht 149 Elektro-Busse aus Verkehr

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Von: Bjarne Kommnick

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Zweimal innerhalb weniger Wochen brennen E-Busse in Paris komplett aus. Die Stadt reagiert und verzichtet vorerst auf ein Drittel ihrer Elektro-Flotte.

Paris – Zum zweiten Mal in weniger als einem Monat ist es am Freitag zu einem schweren E-Bus-Brand im Stadtgebiet von Paris gekommen. Nun reagiert die Stadt und zieht „vorsorglich“ 149 Elektrobusse aus dem Verkehr, erklärt die „Régie autonome des transports Parisiens“ (RATP), also der französische, staatliche Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Paris, am Dienstag in einer Pressemitteilung. Damit verzichtet Paris vorerst auf rund ein Drittel der gesamten Elektrobusflotte.

Hauptstadt von Frankreich:Paris
Bevölkerung:2,161 Millionen
Fläche:105,4 km²
Höhe:35 m

Voll besetzter E-Bus geht in Flammen auf: Paris zieht Drittel der E-Busflotte aus Verkehr

Bei dem betroffenen Modell handelt es sich um einen Elektrobus der französischen Marke Bolloré. „Der Busfahrer hat die Fahrgäste sofort evakuiert. Es gab keine Verletzungen“, so die Geschäftsleitung. „Da dies jedoch der zweite Brand in einem neueren Elektrobus der gleichen Bluebus 5SE-Serie in weniger als einem Monat ist, hat die RATP die Entscheidung als Vorsichtsmaßnahme in Zusammenarbeit mit Île-de-France Mobilités getroffen, die 149 Elektrobusse dieser Baureihe vorübergehend aus dem Betrieb zu nehmen“. Nicht wegen Brandgefahr, aber wegen Kälte zieht die Deutsche Post in Berchtesgaden im Winter wieder ihre E-Transporter ab.

E-Busbrand in Paris.
Auf Youtube kursieren Aufnahmen eines Elektrobus-Brandes in Paris am Freitag. © BMF TV / youtube.com

Ein Drittel der gesamten Flotte betroffen: Paris zieht 149 E-Busse aus dem Verkehr

Bereits am 4. April ist es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Zwar habe bei dem Elektrobusbrand auf dem Boulevard Saint-Germain ebenfalls keine Verletzten gegeben, jedoch habe der Bus während der Fahrt Feuer gefangen und wurde innerhalb von wenigen Sekunden zerstört, so die RATP.

Paris betreibt 500 Elektrobusse seit 2016: Zuvor „ohne größere Zwischenfälle“

Laut Angaben des Nahverkehrs-Betreibers hat die Pariser Feuerwehr bei dem Brand am Freitag 15 Einsatzfahrzeuge losgeschickt, um den Brand zu löschen. „Die Feuerwehr griff sehr schnell ein“, bestätigte die RATP, „und als Sicherheitsmaßnahme wurde die nahe gelegene Bahnstation der François-Mitterrand-Bibliothek von 9 bis 11 Uhr geschlossen“. Auch in deutschen Städten, die auf E-Löschfahrzeuge umrüsten, blieben die ersten schon im Einsatz liegen.

Ungeklärte Brandursache: Nahverkehrs-Betreiber fordert umfassendes Hersteller-Gutachten

Damit die RATP ihre Busse wieder im Betrieb einsetzen kann, fordert das Staatsunternehmen nun ein umfassendes Gutachten des Elektrobus-Herstellers. Seit 2016 seien rund 500 Elektrobusse von drei verschiedenen Herstellern in Paris im Einsatz. Vor den beiden Bränden in den vergangenen Wochen sei der Betrieb der Fahrzeuge zuvor „ohne größere Zwischenfälle“ gelaufen. Wie in Hamburg, wo der HVV 160 Millionen Euro vom Bund bekommt, unter anderem für die Umrüstung auf E-Mobilität, setzt auch die französische Hauptstadt auf den Umstieg auf E-Motoren.

Elektrobusse: Auch Hannover nahm Flotte kurzzeitig aus dem Verkehr

Auch in Deutschland wurden bereits Elektro-Busse wegen Brandgefahr aus dem Verkehr gezogen. Nach einem E-Bus-Depot-Brand mit neun zerstörten Elektro-Bussen hatte auch die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover schon vergangenes Jahr kurzfristig ihre E-Busflotte aus dem Verkehr genommen. Die Problematik der Elektrobrände liegt darin, dass bei einem Kurzschluss eine Art Kettenreaktion in den Lithium-Ionen-Batterie-Zellen entsteht.

Das bedeutet: Brennt eine Zelle, ist sie heiß genug, um auf alle umliegenden Zellen überzuschlagen – und das innerhalb von wenigen Sekunden. Immerhin sind Experten bereits auf einem guten Weg, dieses Problem zu lösen: Forscher entwickeln eine Substanz, die E-Auto-Akkus brandsicher macht.

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