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„Völlig willkürlich“: Doppelter Strompreis an Ladestationen für E-Autos

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Von: Ulrike Hagen

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Ladestation-Anbieter schlagen bis zu 140 Prozent auf den Strom-Normalpreis drauf. Durch Monopolstellung und Tarifchaos zocken sie E-Auto-Fahrer öffentlich ab.

Hamburg – E-Auto-Fahrer werden bei der Benutzung von Ladesäulen für E-Autos regelrecht abgezockt. Und das liegt nicht nur an drastisch steigenden Strompreisen und einem regelrechten Tarifchaos an Ladestationen für E-Autos oder der Tatsache, dass an Ladesäulen für Elektroautos wird oft zu viel abgerechnet wird, weil sie nicht richtig geeicht sind. Offenbar langen die Betreiber öffentlich verfügbarer Ladestationen beim Strompreis nahezu willkürlich hin. Das geht aus dem aktuellen Ladesäulencheck des Öko-Energieversorgungsunternehmens LichtBlick hervor. Das Fazit der Erhebung: Strom tanken ist für E-Auto-Fahrer „draußen“ oftmals mehr als doppelt so teuer, wie es mit eigenem Haushaltsstrom wäre.

Unternehmen:LichtBlick
Hauptsitz:Hamburg
Gründung:Dezember 1998, Hamburg
Mitarbeiter:500
Umsatz:1.114 Millionen Euro

Abzocke an öffentlichen Ladestationen: So werden E-Auto-Fahrer über den Tisch gezogen

Steigende Spritkosten, sowie die Gesetzesänderung, die es möglich macht, mit dem eigenen E-Auto Geld zu verdienen, bewegen immer mehr Autofahrer, auf Elektromobilität umzusteigen. Auch in Niedersachsen gibt es trotz mieser Infrastruktur immer mehr E-Autos. Und das, obwohl der Zugang zu den rund 50.000 öffentlichen Zapfsäulen in Deutschland häufig kompliziert ist und stundenlanges Warten an den Ladesäulen für E-Autos nicht wirklich ein attraktives Mobilitätsangebot darstellt. Noch unattraktiver aber ist der Strompreis, den E-Auto-Fahrer an öffentlichen Ladestationen abdrücken müssen. Denn der liegt meist weit über dem Preis für Haushaltsstrom – und das hat gleich mehrere Gründe.

In Düsseldorf: Stromtankstelle, Ladestation für Elektro-Autos
Abzocke an der Ladesäule: Der Tarifmarkt für E-Autos ist unübersichtlich, das Laden oft sehr viel teurer als zu Hause. (Symbolbild) © Michael Gstettenbauer/imago

Strom an Ladestationen bis zu 140 Prozent teurer – Kostenfalle vor allem bei spontanem Laden ohne Vertrag

Nach Studien, die belegen, dass Reparatur und Wartung für das E-Auto viel teurer als für den Verbrenner ist, nun also auch noch diese Nachricht: Das Laden an öffentlichen Strom-Zapfsäulen gerät für Verbraucher zum Vabanquespiel für den Geldbeutel. Der aktuelle Ladesäulencheck, für den das Unternehmen LichtBlick mit Hauptsitz in Hamburg gemeinsam mit dem Datendienstleister Statista die Marktpreise der 13 großen Ladesäulenbetreiber und zweier Roaminganbieter analysierte, ergab Erschreckendes: Stromtanken an der öffentlichen Schnell-Ladestation ist bis zu horrenden 140 Prozent teuer, an der normalen Ladesäule immer noch bis zu 48 Prozent teurer als zu Hause.

Zugrunde gelegt wurde die Batterieladung eines ID3 von Volkswagen bei einer Ladung von 14 kWh Strom für 100 Kilometer Reichweite, ohne Vertragsbindung. Die Ladesäulenbetreiber verlangten dafür Preise zwischen 4,77 und 6,68 Euro (Standard-Ladung) bzw. 4,77 und 10,77 Euro (Schnell-Ladung), während die gleiche Menge Haushaltsstrom 4,48 Euro kostet.

Die völlig willkürliche Preistreiberei der Ladesäulenbetreiber gegenüber Wettbewerbern verstößt gegen das Kartellrecht.

Ralph Kampwirth, Unternehmenssprecher LichtBlick

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Grund für hohe Strompreise an Ladestationen ist Monopolstellung der Betreiber: „willkürliche Preistreiberei“

„Die Daten dokumentieren einen klaren Fall von Marktversagen. Regionale Monopole behindern die Verkehrswende. Die Strompreise für E-Mobilistinnen sind oft intransparent und überhöht. Noch drastischer fallen die Aufschläge für konkurrierende Fahrstrom-Anbieter wie LichtBlick aus. Die völlig willkürliche Preistreiberei der Ladesäulenbetreiber gegenüber Wettbewerbern verstößt gegen das Kartellrecht. Die Situation erinnert an die ersten Jahre im liberalisierten Strommarkt, als Stadtwerke und Konzerne neue Anbieter systematisch diskriminiert haben“, erklärt Ralph Kampwirth, LichtBlick-Unternehmenssprecher.

BP und Shell planen zehntausende Ladestationen: Kraftstoff-Hersteller drängen ins profitable Geschäft mit E-Autos

Dass das Strom-Geschäft inzwischen ein durchaus lukrativer Markt ist, belegt auch die Offensive des Mineralölunternehmens BP, das jüngst verkündete, bis zum Jahr 2030 insgesamt 70.000 Ladestationen für Fahrzeuge zu installieren. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Shell verspricht bis 2025 weltweit sogar 500.000 neue Lademöglichkeiten. Schenkt man den Unternehmen Glauben, sind Schnellladestationen für E-Fahrzeuge in Zukunft weit profitabler als die Zapfsäulen an Tankstellen. 

E-Auto zu Hause laden setzt Investitionskosten voraus – Förderungen für Wallbox ist ausgelaufen

Angesichts der Abzocke an den Ladestationen, der meist noch geringen Reichweite von E-Autos und der Ankündigung von Ikea, Aldi und Co., keinen Gratis-Strom mehr für E-Autos anzubieten, wird die Option der eigenen Ladestation zu Hause, einer sogenannten „Wallbox“, immer attraktiver. Doch leider: Die Förderung für Ladestationen durch die KfW-Bank ist ausgelaufen – jedenfalls für Privatpersonen. Immerhin sicherte Klimaschutzminister Robert Habeck zu, dass die Innovationsprämie rund um Elektroautos verlängert wird. Ein durchaus sinnvoller Schritt als Reaktion auf die Warnungen von Habeck, dass die Klimaziele auch 2030 verfehlt werden.

Wenn auch die E-Mobilität bald erfolgreich zum Erreichen dieser beitragen soll, wäre allerdings eine Neu-Förderung privater Lademöglichkeiten durchaus angebracht. Sonst werden sicher viele potenzielle E-Auto-Käuferangesichts horrender öffentlicher Abzocke der Ladestadion-Anbieter beim guten alten Verbrenner bleiben, solange es nur geht. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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