Umstrittene Entscheidung

Nach Fahrzeugbrand: Stadt will keine E-Autos mehr in Tiefgarage parken lassen – ADAC übt Kritik

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
    schließen

Nach einem Fahrzeugbrand will die Stadt Kulmbach in einer Tiefgarage keine Elektroautos und Plug-in-Hybride mehr parken lassen. Der ADAC übt scharfe Kritik.

Kulmbach – Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein heiß umstrittenes Thema: die Brandgefahr von Hybrid- und Elektroautos sowie das Löschen derselben. Erst kürzlich fing im hessischen Felsberg ein nur zwei Tage alter VW Golf GTE während der Fahrt Feuer und explodierte kurz darauf. Schweizer Forscher haben sich mit dem Thema Löschung von E-Autos intensiv auseinandergesetzt – das Problem sei weniger das Löschen an sich, sondern beispielsweise die Entsorgung des anfallenden Löschwassers, das nicht in die Kanalisation geraten dürfe. Dennoch hat nun die bayerische Stadt Kulmbach beschlossen, in einer Tiefgarage keine Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge mehr parken zu lassen. Tesla-Fahrer müssen sich also künftig nach anderen Parkmöglichkeiten umsehen. Grund für Entscheidung der Stadt sind Sicherheitsbedenken nach einem Fahrzeugbrand im September 2020. Doch nun hat sich der ADAC zu Wort gemeldet.

Nach Brand: Stadt sperrt E-Autos von Tiefgarage aus – ADAC übt scharfe Kritik

Im vergangenen Jahr war in der Kulmbacher Tiefgarage ein VW Golf 4 ausgebrannt – woraufhin das Bauwerk für knapp 200.000 Euro saniert werden musste. Nun wird die Tiefgarage wieder geöffnet – doch E-Autos und Plug-in-Hybride müssen draußen bleiben. „Elektro- und Hybridautos dürfen künftig nicht mehr in der Tiefgarage parken“, erklärt Michael Kuhnlein vom Tiefbauamt Kulmbach gegenüber infranken.de. Der Grund: „Die Feuerwehr kann solche Fahrzeuge nicht löschen, sondern muss sie ausbrennen lassen. Auch ist die Tiefgarage nicht ausreichend hoch genug, um brennende Autos mit schwerem Gerät herauszuziehen.“ Zum Glück habe damals ein alter Golf gebrannt, so Michael Kuhnlein weiter, sonst wäre die Folgen dramatischer gewesen: „Eine gewisse Zeit lang hält der Stahlbeton Hitze aus, doch wenn zu viel Hitze einwirkt, platzt der Beton weg, das Eisen schmilzt und es besteht Einsturzgefahr.“ (BMW brennt neben Autobahn vollständig aus – der Bordcomputer meldet kurz vorher einen Fehler)

Dieser VW Golf 4 war im September 2020 in einer Kulmbacher Tiefgarage ausgebrannt.

Nach Brand: Stadt sperrt E-Autos von Tiefgarage aus – Diskussion nach ADAC-Kritik auf Facebook

Doch an dieser Entscheidung gibt es nun Kritik – unter anderem vom ADAC. Man könne die Entscheidung der Stadt Kulmbach nicht nachvollziehen, schreibt der Automobilclub in einem Facebook-Post, der hier zu finden ist. „Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein defektes Fahrzeug selbst entzündet – dies gilt aber für alle Antriebsarten“, argumentiert der ADAC. „Es gibt laut Feuerwehren und Versicherern keinerlei Hinweise darauf, dass sich Elektroautos eher entzünden als Autos mit Verbrennungsmotor.“ (Škoda Octavia urplötzlich ein Feuerball – richtige Reaktion auf Flammen-Unfall rettet 34-Jähriger das Leben)

Unter dem Facebook-Post des Automobilclubs ist unterdessen eine wilde Diskussion entbrannt. Während sich ein Teil der Kommentatoren der Meinung des ADAC anschließt, befürworten ebenfalls viele User die Entscheidung der Stadt Kulmbach. Der ADAC legte deshalb später unter seinem Post mit einem eigenen Kommentar noch einmal nach: „Liebe Community, entgegen der landläufigen Meinung bestätigen Experten der Feuerwehren, dass selbstverständlich auch in Brand geratene Elektroautos gelöscht werden können“, heißt es darin. Und: „Auch haben Brandversuche gezeigt, dass die Brandleistung unabhängig von der Antriebsart vergleichbar ist.“ Bleibt abzuwarten, ob die Entscheidung von Kulmbach Schule macht – oder ob die Franken ihre Entscheidung vielleicht noch mal überdenken.

Rubriklistenbild: © Freiwillige Feuerwehr Kulmbach

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare