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Tesla verpetzt Fahrer: Welche Technik den Ermittlungsbehörden geholfen hat

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Von: Marcus Efler

Die Datensammelei moderner Pkw ist umstritten – kann aber Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung von Straftaten helfen. In einem Fall war ein Tesla besonders verräterisch.

Berlin – Dass moderne, mit Software und Sensoren vollgestopfte Pkw-Modelle jede Menge Daten erfassen und auch aufzeichnen, dürfte jedem Autofahrer klar sein. Sie werden direkt während der Fahrt genutzt, um beispielsweise Assistenzsysteme zu steuern, aber können oft auch noch im Nachhinein ausgelesen werden. Werkstätten kommen so Defekten schneller auf die Schliche, Autohändler überprüfen beim Ankauf junger Gebrauchtwagen mittels Diagnosegerät, ob der Kilometerstand manipuliert wurde und in welchen Geschwindigkeits- und Drehzahlbereichen das Fahrzeug bewegt wurde. (Tesla-Unfälle: Fünf Crashs auf einer Straße – ist der Autopilot schuld?)

Tesla verpfeift Fahrer: Diese Technik hilft Behörden bei Ermittlungen

Was aber genau mit der stetig wachsenden Zahl der gesammelten Daten geschieht, ist unklar. Natürlich wachsen die Begehrlichkeiten von Dritten, an möglichst viele dieser Daten zu gelangen. Völlig tabu ist natürlich, Vorlieben der Fahrer, etwa Fahrtziele oder Musikgeschmack, an Werbetreibende zu verkaufen – das verhindern schon allein die Datenschutzgesetze. (Werbung im Auto: Ford sichert sich Patent für richtig nervige Technik)

Tesla Model 3, stehend (Symbolbild)
Fleißiger Datensammler: Tesla, hier das Model 3 (Symbolbild) © Tesla

Tesla verpfeift Fahrer: Massenhaft Daten für autonomes Fahren

Anders sieht es freilich aus, wenn Straftaten aufgeklärt werden müssen. Ermittler dürfen Fahrzeugdaten auslesen, wenn beispielsweise die Fahrerflucht nach einem Unfall untersucht wird. Nicht immer, aber oft führt das zu brauchbaren Beweisen und auch Verurteilungen. Klar ist auch: Je mehr Daten ein Auto sammelt, desto mehr kann es verraten. Und bei dieser Disziplin tut sich besonders ein Autohersteller hervor: der US-amerikanische Elektroauto-Pionier Tesla. Das hängt vor allem damit zusammen, dass er sich wie kein Zweiter dem autonomen Fahren verschrieben hat – und das funktioniert nur mit einer regelrechten Flut an Daten darüber, was im und um das Auto herum passiert. (Elon Musk hält Teslas neue Full-Self-Driving-Version für „nicht so toll“)

Tesla verpfeift Fahrer: Mit 160 km/h gegen Ampel – und weggelaufen

Dabei setzen die Amerikaner auch stärker als die meisten anderen Hersteller auf ein bestimmtes Hilfsmittel: Kameras an allen Ecken und Enden – inklusive Innenkameras, die den Fahrer überwachen und so erst den Einsatz der umfangreichen Assistenzysteme ermöglichen. Und diese hilft mittlerweile auch Strafverfolgern, wie das ZDF-Magazin „frontal“ berichtet. So geschehen in Berlin, wo die Amtsanwaltschaft einen Unfall mit Fahrerflucht untersuchte: Ein Tesla Model 3 war nachts mit 160 km/h gegen eine Ampel geprallt und dann stark beschädigt auf einer Verkehrsinsel gestrandet. Fahrer und Beifahrerin waren zu Fuß geflüchtet, wie Zeugen berichteten. (Elon Musk: Fans flippen wegen rätselhaftem Tweet aus – kommt die Apokalypse?)

Tesla verpfeift Fahrer: Sekundengenaue Aufzeichnung verrät alles

Die Sicherstellung der Festplatte und die Auswertung der Fahrzeugkamera, die nonstop gelaufen war, überführten den Schuldigen: Nicht irgendein böser Autodieb oder der beliebte „Onkel aus Amerika“ hatten den Wagen gesteuert, sondern der Halter selbst. Vom Einsteigen der beiden Insassen über den Crash und die Flucht bis zur Bergung des Wracks war alles glasklar zu erkennen. Dazu lieferten die Aufzeichnung massenhaft Details wie den sekundengenauen Zeitpunkt, zu dem die Türen geöffnet wurden. „Der Tesla hat seinen eigenen Fahrer verpfiffen“, freute sich der Amtsanwalt.

Auch in einem anderen Fall hoffen die Berliner Ermittler laut der ZDF-Sendung auf die Mithilfe des Autos: Hier waren ein Tesla und ein Motorradfahrer mit Tempo 208 geblitzt worden – bei erlaubten 80 km/h. Der Verdacht: Es lief ein illegales Rennen, das noch einmal deutlich härter bestraft werden kann als der Tempo-Verstoß allein. Um das zu beweisen, werten die Ermittler derzeit ebenfalls die Daten des Tesla aus.

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