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Tesla Model X: Forscher hacken Schlüssel mit Billig-Technik

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Von: Sebastian Oppenheimer

Belgische Wissenschaftler haben den Schlüssel eines Tesla Model X gehackt – mit Technik, die zusammengerechnet nicht mal 200 Euro kostet.

Leuven (Belgien) – Wenn Tesla-Chef Elon Musk (49) etwas twittert, dann ist das in aller Regel etwas Positives. Kritische Themen – wie etwa die Qualitätsprobleme beim Tesla Model Y – schneidet er so gut wie nie an. Dabei gibt es davon bei dem kalifornischen Elektroautobauer mehr als genug. Neuestes Beispiel: Ein Experten-Team der Katholischen Universität (KU) Leuven in Belgien hat nach eigenen Angaben gravierende Sicherheitslücken im schlüssellosen Zugangssystem des Tesla Model X entdeckt. Mit ihrem Hack zeigten die Wissenschaftler, dass es möglich ist, das Fahrzeug in nur wenigen Minuten zu stehlen.

Tesla Model X: Belgische Forscher hacken Schlüssel mit Billig-Technik

Das Problem, dass Keyless-Go-Systeme gehackt werden können ist nicht neu – aktuell knacken Diebe unter anderem gehäuft Fahrzeuge der Marke BMW.* Die Technik, die die belgischen Forscher für ihren Proof-of-Concept-Angriff auf das Tesla Model X einsetzten, war dabei allerdings nicht mal besonders teuer. So bestand das Equipment aus einem Raspberry-Pi-Computer (rund 30 Euro) mit einer CAN-Abschirmung (rund 25 Euro), einem modifizierten Schlüssel und einer elektronischen Steuereinheit aus einem Schrott-Tesla (rund 85 Euro) sowie einer Lithium-Polymer-Batterie (rund 25 Euro). Daraus bastelten die Forscher einen Kasten von der Größe eines Schuhkartons, der dem echten Autoschlüssel vorgaukelt, das dazu passende Fahrzeug zu sein. Bis auf eine Entfernung von maximal fünf Metern waren die Wissenschaftler damit in der Lage, Funksignale abzufangen. (Wegen Autopilot: „Mein Tesla rettete meinem Sohn und mir das Leben“ (mit Video))

Ein YouTube-Video der belgischen Wissenschaftler zeigt, wie der Tesla-Hack in der Praxis aussehen würde:

Tesla Model X: Belgische Wissenschaftler basteln sich Fake-Schlüssel

Nach dem Abfangen der Funksignale konnten die Forscher eine Schadsoftware auf den Tesla-Schlüssel aufspielen, die ihnen die volle Kontrolle darüber verschaffte. So gelang es den Wissenschaftler schließlich, an die Freigabecodes für das Fahrzeug zu gelangen und diese auf ihren Fake-Schlüssel zu übertragen. Am Ende waren sie in der Lage, den nachgemachten Schlüssel mit einem Tesla Model X zu verbinden, sich permanenten Zugang zu dem Auto zu verschaffen und damit wegzufahren. (Elon Musk kündigt „heißes“ Tesla-Update an: „Dinge, von denen ihr nicht wusstet, dass ...“)

Tesla Model X: Belgische Wissenschaftler bekommen Belohnung für ihren Hack

Besitzer eines Tesla Model X müssen sich wohl dennoch keine Sorgen machen. Wie die Forscher der KU Leuven berichten, haben sie den kalifornischen E-Autobauer bereits Mitte August über die von ihnen aufgedeckten Mängel informiert. Tesla bestätigte die Sicherheitslücke und zahlte den belgischen Wissenschaftlern sogar eine Prämie („Bug Bounty“) in Höhe von 5.500 US-Dollar (rund 4.650 Euro). Daraufhin begannen bei Tesla die Arbeiten an einem Sicherheitsupdate, das als Teil des Over-the-Air-Updates mit der Softwareversion 2020.48 auf die Fahrzeuge aufgespielt wird – dabei wird auch ein Firmware-Update auf dem Schlüssel des Tesla Model X installiert. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass die Belgier einen Tesla knackten – sie hatten zuvor bereits das Zugangssystem eines Tesla Model S gehackt. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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