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Tesla-Fabrik: Ausgelaufene Chemikalien in Grünheide doch wassergefährdend

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Von: Sven Trautwein

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In der Gigafactory von Tesla in Grünheide bei Berlin sind 15.000 Liter wassergefährdende Chemikalien ausgelaufen. Die Umstände sind noch ungeklärt.

Update vom 25. April, 9:00 Uhr: Die Tausenden Liter Chemikalien, die in Grünheide bei Berlin am Tesla-Werk ausgetreten sind, wurden nun doch als wassergefährdend eingestuft. Umweltschützer sind beunruhigt.

„Ausgetreten ist eine zähflüssige Farbmischung, die im Rahmen der Elektrotauchlackierung zum Einsatz kommt. Sie ist laut unserer Wasserbehörde der Wassergefährdungsklasse 1 zuzuordnen“, teilte der Brandenburger Landkreis Oder-Spree mit. Zu dieser Gefährdungsstufe gehören Laugen und Säuren. Diesel und Altöl (Stufe 2 und 3) sind wassergefährdend beziehungsweise stark wassergefährdend. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) wurde erst auf eigene Nachfrage beim Wasserverband über den Vorfall unterrichtet.

Erstmeldung vom 21.4.2022, 17:19 Uhr: Grünheide – Bereits am 11. April soll sich der Vorfall im brandenburgischen Tesla-Werk ereignet haben, wie der Berliner Tagesspiegel berichtet. So seien beim Befüllen eines Behälters in der Lackiererei Flüssigkeiten über ein Ventil ausgetreten. Laut Brandenburgs Landesumweltamt handelt es sich jedoch nicht um eine Havarie. Fragen wirft dies trotzdem auf.

Tesla-Fabrik: Störfall wirft Fragen auf

Bei dem bestätigten Vorfall wurde laut Umweltministerium die Flüssigkeit vollständig in einem Auffangbehälter innerhalb der Lagerhalle aufgefangen und durch ein Entsorgungsunternehmen abgepumpt. Ein Teil der Flüssigkeit sei mit Bindemittel durch die Feuerwehr aufgenommen worden.

Lackierei der Tesla Gigafactory in Berlin Brandenburg
Anlagen der Lackiererei für einen Tesla Model Y in der Tesla Gigafactory. Hier sollen Tausende Liter Chemikalien ausgelaufen sein. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Bildarchiv

Thomas Frey, Sprecher des Landesumweltamtes in Brandenburg, betont, dass es sich nicht um einen Störfall gehandelt habe. Tesla habe auf die Betriebsstörung ordnungsgemäß reagiert. Eine wassergefährdende Flüssigkeit sei nicht ins Freie oder in den Boden gelangt. Daher hätte keine Gefahr für Natur und Umwelt bestanden. Doch Fotos wecken einige Zweifel.

Tesla-Fabrik: Umweltverbände warnten früh

Schon früh stand die Gigafactory in Grünheide bei Berlin in der Kritik. Umweltverbände kritisierten das Bauvorhaben in einer der regenärmsten Gegenden Deutschlands. Vor dem Bau gab es rund 400 Einwendungen von Anwohnern und Umweltverbänden, da die Fabrik in einem Wasserschutzgebiet steht.

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Der Ökologisch-Demokratischen-Partei (ÖDP) Brandenburg liegt Bildmaterial vor, das am Tag des Störfalls aufgenommen wurde. Es zeigt eine mit braunem Bindemittel gebundene Flüssigkeit außerhalb der Lackiererei. Laut Umweltamt kam es hier beim Verladen der Schläuche durch das Entsorgungsunternehmen zu einem kleinen Schaden, der jedoch keinen Einfluss auf die Umgebung gehabt haben soll.

Feuerwehr bindet Flüssigkeit mit Bindemittel
Gigafactory Berlin: Bei Tesla sind Chemikalien der Lackiererei ausgetreten und werden mit Bindemittel behandelt. © ÖDP Brandenburg

Tesla-Fabrik in Grünheide: Chemikalien treten einen Monat nach Eröffnung aus

Umweltschützer sehen die Trinkwasserversorgung in Gefahr. Rund 170.000 Menschen werden aus der Hauptbrunnenanlage des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE) versorgt. Diese ist nur rund einen Kilometer von der Schadensstelle entfernt. Doch für das Landesamt für Umwelt (LfU) soll keine Gefahr bestanden haben. Das WSE kritisiert jedoch das Vorgehen. Nach eigenen Angaben seien sie über den Vorfall nicht informiert worden.

Für den Wasserband ist dies kein korrektes Vorgehen. Schließlich liegt die Gigafactory, in dem das Tesla Model Y gefertigt wird, in einem Wasserschutzgebiet und Tesla wird vom WSE beliefert. Auf Rückfrage bei den Behörden sei die Gefahr heruntergespielt worden.

Steffen Schorcht von der BI Grünheide zeigt sich besogt und äußert sich gegenüber dem Tagesspiegel „In diesem Werk wird mit wassergefährdenden Substanzen gearbeitet. Unsere Befürchtungen, dass es hier nicht hätte gebaut werden dürfen, bestätigen sich.“

Drohnen-Videos zeigen durchfeuchtetes Gebiet

Bereits am 10. April erschien auf Youtube ein Video des lokalen Fabrikbeobachters „Fly Brandenburg“. In dem Video ist am Minute 10:30 das durchfeuchtete Gebiet zu erkennen, an dem zwei Tage später die Feuerwehr Bindemittel ausgebracht hat. Das Gebiet drumherum ist jedoch trocken. Auch die Bürgerinitiative Grünheide zeigt sich besorgt und geht nicht davon aus, dass es sich um Lösungsmittel gehandelt hat. Dies wäre verdunstet.

Der Naturschutzbund und die Grüne Liga haben mittlerweile förmlich Widerspruch gegen die Hauptgenehmigung für das Tesla-Werk eingereicht. Wie es weitergeht, bleibt offen. Das Unternehmen hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert.

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