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Experten blamieren Tesla-Autopilot: Benutzt Elon Musk „Kunden als Entwicklungsingenieure“?

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Von: Sebastian Oppenheimer

Teslas sogenannter „Autopilot“ ist höchst umstritten. Ein US-Verbrauchermagazin zeigt, wie erschreckend leicht sich das System komplett austricksen lässt.

Palo Alto – Das grundlegende Problem von Teslas „Autopilot“ dürfte der Name des Systems sein. Denn er gaukelt etwas vor, was die verbaute Technik im Grunde nicht leisten kann: nämlich das Fahrzeug komplett autonom zu steuern. Allerdings sind sich ganz offensichtlich nicht alle Tesla-Besitzer darüber im Klaren, weswegen es im Zusammenhang mit dem System immer wieder zu schweren Unfällen kommt. Doch leider ist die Bezeichnung nicht das einzige Problem: Das US-Verbrauchermagazin „Consumer Reports“ (CR) hat nun gezeigt, wie extrem leicht sich der Autopilot von Tesla austricksen lässt – und das Fahrzeug ohne eine Person auf dem Fahrersitz fahren kann.

Die Untersuchung des Verbrauchermagazins bringt Tesla weiter unter Druck. Erst kürzlich war es in den USA mit einem Fahrzeug des kalifornischen Herstellers zu einem Unfall gekommen, bei dem zwei Männer ums Leben kamen. Laut Polizeiberichten war dabei der Fahrersitz des Tesla Model S leer. Daher liegt der Verdacht nahe, dass das Fahrzeug im Autopilot-Modus unterwegs war – was allerdings noch nicht bewiesen ist. Laut einem Tweet von Tesla-Chef Elon Musk (49) sei der Autopilot laut ersten Erkenntnissen aus Datenaufzeichnungen nicht aktiviert gewesen.

Blick ins Cockpit eines fahrenden Tesla Model S ohne Fahrer mit Gewicht am Lenkrad
Mit einfachen Mitteln lässt sich Teslas Autopilot überlisten – und das Auto fährt ohne Mensch auf dem Fahrersitz. © Consumer Reports

Experten blamieren Tesla-Autopilot: Benutzt Elon Musk „Kunden als Entwicklungsingenieure“?

Als Versuchsobjekt diente den Ingenieuren von „Consumer Reports“ ein Tesla Model Y. Getestet wurde auf einer abgesperrten Strecke. Es ging darum, zu zeigen, wie einfach man den Tesla-Autopilot überlisten kann – weil es immer wieder Leute gibt, die lebensgefährlichen Unfug mit dem System treiben. Und ein Hersteller sollte sowas nach Möglichkeit mit allen technischen Mitteln unterbinden. Doch den Tesla-Autopiloten auszutricksen, ist erstaunlich einfach. (Tesla-Geständnis: Autonomes Fahren weit entfernt – doch Elon Musk verspricht „Full Self Driving“ für alle)

Bei der Demonstration fuhr einer der Tester mit dem Tesla Model Y im Autopilot-Modus – wobei er auf dem geschlossenen Gurt saß. Öffnet man den Gurt während der Fahrt, schaltet sich das System ab, wie das Magazin berichtet. Dann reduzierte der Ingenieur über das Lenkrad-Rädchen das Tempo auf 0 km/h, sodass das Fahrzeug stoppte. Anschließend befestigte der Ingenieur ein Gewicht am Lenkrad, rutschte auf den Beifahrersitz und erhöhte die Geschwindigkeit wieder. Nun fuhr der Tesla ohne eine Person auf dem Fahrersitz – und zudem ohne zu warnen und ohne es überhaupt zu bemerken. Der Bericht von Consumer Reports, der hier zu finden ist, enthält etwas weiter unten auch ein Video zu dem Versuch. Die CR-Experten warnen eindringlich davor, dies nachzumachen.

Blick auf den leeren Fahrersitz eines Tesla mit geschlossenem Gurt und Gewicht am Lenkrad
Ein geschlossener Gurt und ein Gewicht am Lenkrad – mehr braucht es nicht um Teslas Autopilot auszutricksen. © Consumer Reporrs

Experten kritisieren Autopilot: „Tesla fällt hinter andere Autohersteller wie GM und Ford zurück“

„Bei unserem Versuch konnte das System nicht nur nicht sicherstellen, dass der Fahrer aufmerksam war, sondern es konnte auch nicht erkennen, ob überhaupt ein Fahrer anwesend war“, erklärt Jake Fisher, Senior Director of Auto Testing bei CR, der das Experiment durchführte. „Tesla fällt hinter andere Autohersteller wie GM und Ford zurück, die bei Modellen mit fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen Technologie einsetzen, um sicherzustellen, dass der Fahrer auf die Straße schaut.“ Manche Hersteller überwachen beispielsweise per Kamera das Gesicht des Fahrers, um zu garantieren, dass er die Fahrbahn im Blick hat. (Wut-Protest gegen Tesla in China: Frau tickt bei Auto Shanghai 2021 aus – wegen tödlicher Gefahr)

Experten zerlegen Teslas Autopilot: „Sie müssen einen besseren Job machen“

Zumindest könne Tesla den Gewichtssensor im Fahrersitz des Fahrzeugs nutzen, um sicherzustellen, dass ein Mensch hinter dem Steuer sitze, wenn der Autopilot aktiviert sei, fordert „Consumer Reports“. Diese Sensoren würden bereits unter anderem für Gurtwarnungen und Airbags verwendet. Es wäre laut den Experten also kein großer Schritt, ein Fahrzeug so zu programmieren, dass es Funktionen wie den Tempomat ausschaltet, wenn es erkennt, dass der Fahrersitz leer ist.

Das Fazit von CR-Test-Ingenieur Jake Fisher ist hart: Zwar habe Tesla den Markt für Elektro-Fahrzeuge verändert und die Idee ein E-Auto zu besitzen viel attraktiver gemacht. „Aber sie scheinen ihre Kunden als Entwicklungsingenieure zu benutzen, während sie an selbstfahrenden Technologien arbeiten, und sie müssen einen besseren Job machen, um diese sicher zu machen.“

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