1. 24auto
  2. News

„Autopilot“ weiterhin nicht vollautonom: Tesla-Mitarbeiter kassiert Aussagen von Elon Musk

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sebastian Oppenheimer

Tesla-Boss Elon Musk macht gerne vielversprechende Ankündigungen. Nun hat ein hochrangiger Mitarbeiter seine Aussagen zum Thema vollautonomes Fahren relativiert.

Palo Alto – Mit seinem „Autopilot“ genannten System gerät der kalifornische Elektroautobauer Tesla immer wieder in die Schlagzeilen. Das grundlegende Problem ist wohl der Name der Technik. Denn er gaukelt etwas vor, was sie im Grunde nicht leisten kann: nämlich, das Fahrzeug komplett autonom zu steuern. Weil dies aber ganz offensichtlich nicht allen Tesla-Besitzer klar ist, kommt es im Zusammenhang mit dem „Autopilot“ immer wieder zu schweren Unfällen. Mit einer neuen Version des Systems, genannt „Full Self-Driving“ (FSD), das in einer Beta-Version bereits auf US-Straßen getestet wurde, wollte Tesla-Chef Elon Musk (49) seine Technik auf ein ganz neues Level heben. Doch offenbar hat der 49-Jährige den Mund diesbezüglich etwas zu voll genommen. (Experten entlarven Tesla-Autopilot: Benutzt Elon Musk „Kunden als Entwicklungsingenieure“?)

„Autopilot“ weiterhin nicht vollautonom: Tesla-Mitarbeiter kassiert Aussagen von Elon Musk

Die Organisation PlainSite (eine Vereinigung für juristische Transparenz) hat im Internet Dokumente veröffentlicht, die einen Austausch zwischen Tesla und der kalifornischen Zulassungsbehörde DMV (Department of Motor Vehicles) dokumentieren. Die dort festgehaltenen Aussagen belegen deutlich, wie weit die Tweets von Elon Musk offensichtlich von der Realität entfernt sind. (Tesla-Geständnis: Autonomes Fahren weit entfernt – doch Elon Musk verspricht „Full Self Driving“ für alle)

Der Satz mit dem meisten Zündstoff wurde in dem veröffentlichen Memo geschwärzt, dennoch hat PlainSite in diesem Tweet verraten, was dort ursprünglich zu lesen war: „Elons Tweet entspricht laut CJ nicht der technischen Realität.“ Und tatsächlich lässt sich mit dem Acrobat Reader das genannte Dokument auf diesen Satz (in englischer Sprache) durchsuchen – und er wird an der entsprechenden Stelle angezeigt. Welcher Tweet von Elon Musk dabei gemeint ist, wird nicht klar. Klar ist aber, dass „Full Self-Driving“ im Prinzip autonomes Fahren der höchsten Stufe (Level 5) suggeriert. (Tödlicher Tesla-Crash: Rätselraten um Autopilot – Elon Musk mischt sich persönlich ein)

Ein Tesla fährt durch einen Tunnel der Boring Company

Ein hochrangiger Tesla-Mitarbeiter hat die Aussagen von Elon Musk zum Thema vollautonomes Fahren stark relativiert. © Robyn Beck/dpa

„Autopilot“ vorerst nicht voll autonom: „Tesla befindet sich derzeit auf Level 2“

Der Mann, der dies gegenüber der DMV ausgesprochen hat und als „CJ“ bezeichnet wird, ist nicht irgendein Ingenieur des Unternehmens – sondern der Chef der Autopilot-Software bei Tesla: CJ Moore. Doch es geht noch weiter: „Tesla befindet sich derzeit auf Level 2“, heißt es in dem Dokument. Level 2 ist alles andere als sensationell, wenn man sich einmal die Stufen des autonomen Fahrens betrachtet. Zwar kann das Auto auf diesem Level zum Teil selbst lenken sowie beschleunigen und bremsen – doch noch immer muss ein Mensch im Fahrersitz sitzen und stets bereit sein, einzugreifen. Erst ab Level 3 verschiebt sich die Verantwortung mehr in Richtung Technik – dann darf sich die Person hinter dem Steuer kurzzeitig auch anderen Aufgaben zuwenden. (Wut-Protest gegen Tesla in China: Frau tickt bei Auto Shanghai 2021 aus – wegen tödlicher Gefahr)

So wie sich die Dokumente lesen, scheint Tesla im Moment weit davon entfernt zu sein Level 5 zu erreichen – also das vollständig autonome Fahren, wie es der Name „Full Self-Driving“ suggeriert: „Das Verhältnis der Fahrerinteraktion müsste in der Größenordnung von 1 oder 2 Millionen Meilen pro Fahrerinteraktion liegen, um in höhere Automatisierungsstufen zu gelangen. Tesla gab an, dass Elon die Verbesserungsraten extrapoliert, wenn er über L5-Fähigkeiten spricht. Tesla konnte nicht sagen, ob die Verbesserungsrate es bis zum Ende des Kalenderjahres auf L5 schaffen würde.“ Im Klartext: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Tesla noch im Jahr 2021 die Stufe 5 – also das vollautonome Fahren erreicht.

Auch interessant