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Tesla-Autopilot: Elon Musk kündigt spektakulären Beta-Test an – doch es gibt einen Haken

  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
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Nach der vollständigen Überarbeitung des Autopilot-Systems und seiner Software kündigt Tesla-CEO Elon Musk an, dass ein Beta-Test der selbstständigen Fahrfunktion (FSD) unmittelbar bevorsteht. Kommt damit das echte autonome Fahren noch 2020?

Palo Alto (Kalifornien) – Elektroauto-Hersteller Tesla hat seinen Autopilot runderneuert und dabei dessen angekündigte Funktion des vollständig autonomen Fahrens (Full Self-Driving, FSD) komplett überarbeitet. Nun hat Elon Musk einen Beta-Test des Systems angekündigt. Wie der Chef des kalifornischen Unternehmens twitterte, soll beginnend ab Dienstag (20. Oktober) ein solcher Test ausgerollt werden.

Tesla-Autopilot: Elon Musk kündigt spektakulären Beta-Test an – doch es gibt einen Haken

Damit rückt ein weiterer großer Tag für Tesla näher. Schon seit dem Sommer hatte Tesla-Boss Elon Musk mehrfach die Neugier von Tesla-Fans angeheizt: nicht nur im Hinblick auf eine neue, umfassende Batterie-Strategie, sondern auch auf die nächste Version von Teslas Autopilot. („Tesla Battery Day“: Elon Musk verspricht Elektroauto zum Schnäppchenpreis)

Gefällt sich nicht nur beim Autogramme-Schreiben, sondern auch mit vollmundigen Ankündigungen: Tesla-CEO Elon Musk.

Die Software für das Selbstfahren musste noch einmal grundlegend neu aufgesetzt werden, um wirklich autonomes Fahren möglich zu machen. Damit erklärt zumindest Elon Musk den Fakt, dass sie – anders als zuvor angekündigt – nicht schon Ende 2019 bereitstand. Musk beschreibt die neue FSD-Funktionalität als „4D“: Auf Grundlage von Kamera- und anderen Sensordaten sollen seine Elektroautos die Umgebung nun dreidimensional und im Zeitverlauf einordnen können. Bereits in der kommenden Woche werden ausgesuchte Beta-Tester die neueste Software-Version bekommen, so der Tesla-Chef. (Tesla: Überschätzt sich Elon Musk? Er prophezeit gigantische Produktionszahlen)

Tesla-Besitzer müssen jedoch nicht gleich nächste Woche ihre Autos überprüfen. Denn: Der Pool an Fahrzeugen, die das exklusive Update erhalten, ist zunächst sehr klein. Elon Musk twitterte dazu: „Dies wird zunächst auf eine kleine Anzahl von Leuten beschränkt sein, die erfahrene und vorsichtige Fahrer sind.“

Tesla-Autopilot: Elon Musk lässt sich bereits vom neuen System fahren

Elon Musk bestätigte damit einen Beitrag des Blogs „CleanTechnica“. Dieser hatte sich die Mühe gemacht, alle Äußerungen des Tesla-CEO zum Thema Autopilot zu einer Art Selbstfahr-Zeitplan zusammenzustellen. Die Schlussfolgerung daraus lautete: Die ersten Tests mit dem neuen System müsste es schon in der nächsten Woche geben. Wie Musk twitterte, werde eine begrenzte Betaversion der FSD-Funktion ab 20. Oktober in Umlauf gebracht. (Tesla Model Y: Besitzer deckt neue Pfusch-Konstruktion mit Baumarktteilen auf)

Bislang hat noch niemand außerhalb des Entwickler-Zirkels von Tesla Zugriff auf die neueste Version des Autopilot bekommen. Elon Musk selbst ist allerdings in seinem privaten Tesla bereits mit der noch nicht veröffentlichten Alpha-Software unterwegs. Wie das Portal „Teslamag“ schreibt, sprach der Tesla-Boss wiederholt davon, dass er mit seinem Wagen nahezu ohne fahrerische Eingriffe von zu Hause zur Arbeit gekommen sei. Die neueste Tesla-Software beherrsche „Fahrten mit null Eingriffen“, so der CEO. (Neuer Tesla Model Y: Glasdach macht Abflug – gleich am ersten Tag)

Tesla-Autopilot: Bis zur Straßenzulassung des autonomen Fahrens ist es noch ein weiter Weg

Darüber, wie lange der erste geschlossene Test laufen wird, gibt es laut „Car and Driver“ keine Informationen. Anschließend wird die neue FSD-Software des Autopilot-Systems an einen breiteren Kreis von Beta-Testern verteilt. Gemäß früherer Ausführungen von Elon Musk soll sie erst danach Schritt für Schritt allen Tesla-Besitzern mit kompatibler Hardware zur Verfügung gestellt werden. (Qualitätsprobleme beim Model Y: Worüber sich Tesla-Kunden massiv beschweren)

Dies darf jedoch nicht so verstanden werden, als könnten dann alle entsprechenden Tesla-Fahrzeuge sofort autonom fahren. Sie dürfen es schlicht nicht. Denn zuallererst müssen die neu hinzugekommenen Funktionalitäts-Elemente ausführlich in der Praxis erprobt werden. Stellen sich bei den FSD-Tests im realen Straßenverkehr Mängel oder Probleme heraus, müssen diese behoben werden. Erst wenn dies abgeschlossen sei, sagt Musk, werde man aussagekräftige Daten sammeln, um weltweit Aufsichtsbehörden zu einer Zulassung der autonom fahrenden Teslas zu bewegen. (Autonomes Fahren: Tesla-Assistenzsystem im Test weit abgeschlagen)

Tesla-Autopilot: Das große Ziel von Elon Musk bleibt die vollständige Autonomie der Fahrzeuge

Teslas großes Ziel ist klar – und laut Elon Musk unverrückbar: Nach Aussagen des Tesla-Chefs reiche die seit einigen Jahren in Teslas Modellen verbaute Sensor-Hardware schon heute aus, um mit der jetzt verbesserten Software vollständig autonomes Fahren zu ermöglichen. Die erforderliche FSD-Option ist längst bestellbar – mit immer umfangreicheren Funktionen soll sie nach Musks Wunsch auch immer teurer werden. Aktuell kostet FSD in Deutschland 7.500 Euro – das sind bereits 1.200 Euro mehr als vor der ersten Preiserhöhung im Sommer.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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