Abgasreinigung im Selbstzünder

SCR-Katalysator: Warum Diesel-Fahrer dringend auf diesen Füllstand achten sollten

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Seit dem Diesel-Skandal sind die Abgase von Dieselmotoren ein heiß diskutiertes Thema. Damit die möglichst sauber bleiben, setzen fast alle Hersteller inzwischen auf sogenannte SCR-Kats, die die Stickoxide reduzieren.

  • Der sogenannte SCR-Katalysator reinigt in modernen Diesel-Fahrzeugen die Abgase
  • Für die Umwandlung der giftigen Stickoxide ist als Hilfsmittel eine Harnstofflösung nötig
  • Aus diesem Grund sollten Diesel-Fahrer immer genau auf den AdBlue-Füllstand achten

München – Dass Autos ihre Abgase völlig unbehandelt in die Luft pusten, ist zum Glück lange vorbei. Mitte der 70er Jahre hielt in den USA der „geregelte Katalysator“ Einzug in die Benzinmotoren, 1985 wurden die ersten Ottomotoren mit G-Kat in Deutschland zugelassen, später bekam auch der Diesel einen Oxidationskatalysator verpasst. Das Ziel: Die Abgase sollten sauberer werden. Bei beiden Motorarten wird schädliches Kohlenmonoxid in Kohlendioxid (CO2) und unverbrannte Kohlenwasserstoffe – also Treibstoff-Reste – in CO2 und Wasserdampf umgewandelt. Zusätzlich macht der Drei-Wege-Kat beim Benziner auch noch aus giftigen Stickoxiden (NO, NO2, zusammengefasst: NOx) eher ungefährlichen Stickstoff und Sauerstoff. Das funktioniert im Diesel (SQ7/SQ8: Audi wirft den Topdiesel raus – dieser Motor soll ihn ersetzen) wegen des hohen Luftüberschusses in den Abgasen allerdings nicht ohne Weiteres. Hier übernimmt deshalb seit einiger Zeit der SCR-Katalysator die NOx-Reinigung, ohne die kaum ein Selbstzünder mehr die aktuellen Abgasnormen erfüllen würde. 

Ein SCR-Katalysator lässt sich auch nachrüsten.

SCR-Katalysator: Abgasreinigung benötigt Ammoniak

Die Abkürzung SCR steht für „selective catalytic reduction“, also „selektive katalytische Reduktion“ und bedeutet, dass die Stockoxide weitgehend ohne unerwünschte Nebenwirkung umgewandelt werden. Deshalb „selektiv“. Wie beim Ottomotor werden die NOx im SCR-Kat zu Stickstoff und Wasser umgeformt. Damit das funktioniert, ist allerdings ein Hilfsmittel nötig: Ammoniak. Der wird in der Regel in Form einer Harnstofflösung (als Marke AdBlue genannt), die sich deutlich besser als Ammoniak transportieren lässt, zugeführt. Der Harnstoff wird in den Abgastrakt eingespritzt, zerfällt bei hohen Temperaturen und setzt den für die Abgasreinigung nötigen Ammoniak frei.

In der Regel reicht der AdBlue-Vorrat im Auto für mehrere tausend Kilometer. Frühzeitig werden mehrere Warnungen ausgegeben, wenn der Harnstoff-Vorrat zur Neige geht. Nachfüllen kann man den Zusatz problemlos selbst, er ist an fast allen Tankstellen erhältlich, teilweise auch direkt an der Zapfsäule, was meist am günstigsten ist. Autofahrer sollten allerdings darauf achten, den AdBlue-Tank rechtzeitig aufzufüllen: Ist er leer, startet der Wagen nicht mehr. In die Schlagzeilen geraten ist die Reinigungstechnik im Zuge des Abgas-Skandals rund um VW und andere Hersteller (Diesel-Skandal: 200.000 neue Fahrzeuge unter Verdacht – um diese Marken geht’s), die teilweise mit zu geringen AdBlue-Einspritzmengen gearbeitet haben und dadurch keine gründliche NOx-Entstickung erzielt konnten.

SCR-Katalysator: Volkswagen setzt auf Twindosing-Verfahren

Mittlerweile gehen die Ingenieure noch einen Schritt weiter und setzen auf mehrfache SCR-Reinigung. Beim von Volkswagen entwickelten Twindosing-Verfahren (Neuer VW Caddy: Ist er der bessere Touran? Und billiger noch dazu) kommen zwei SCR-Katalysatoren zum Einsatz, einer direkt am Motor, einer im Fahrzeug-Unterboden. Der Grund: Die Katalysatoren benötigen eine bestimmte Temperatur, um optimal zu arbeiten. Allein durch den unterschiedlichen Abstand vom heißen Motor entsteht ein Temperaturunterschied von rund 100 Grad Celsius zwischen den beiden Kats. Je nach Betriebszustand des Motors wird also der jeweilige Katalysator genutzt, in dem die Abgase gerade die richtige Wärme haben – nach dem Start ist das in der Regel im motornahen Kat der Fall, bei Volllast-Fahrten eher im weiter entfernten Kat. Übrigens: Grundsätzlich lässt sich ein SCR-Katalysator auch nachrüsten. (Michael Gebhardt/SP-X)

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