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Porsche baut E-Fuels-Pilotanlage: So viel soll der Liter kosten

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Von: Simon Mones

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Porsche setzt neben Elektroautos auch auf E-Fuels. In der chilenischen Stadt Punta Arenas nimmt daher ab 2022 eine Pilotanlage den Betrieb auf.

Stuttgart – Elektroautos erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Im September lag der Anteil der Stromer bei rund 29 Prozent. Das Tesla Model 3 hätte um ein Haar sogar den VW Golf vom Thron gestoßen. Auch Porsche hat mit dem Taycan bereits ein Elektroauto im Angebot, das sich großer Beliebtheit erfreut. Bis 2030 will der Autohersteller aus Zuffenhausen 80 Prozent seiner Flotte auf Elektroantrieb umrüsten und selbst bilanziell klimaneutral werden.

Für Porsches Entwicklungsvorstand Michael Steiner ist jedoch klar, dass bereits vorher weitere wirkungsvolle Maßnahmen notwendig sind, die dazu beitragen, dass Autos weniger CO2 ausstoßen. Auf dem digitalen „auto motor und sport“-Kongress in Stuttgart betonte er, dass es zu lange dauern werde, bis der Anteil der Elektroautos groß genug sei, um die wesentlich Verkehrsemissionen zu senken. (E-Fuels: Retten synthetische Kraftstoffe den Verbrennungsmotor?)

Porsche baut E-Fuels-Pilotanlage: So viel soll der Liter kosten

„Deshalb sind E-Fuels unverzichtbar, wenn man rasche Erfolge bei der CO2-Reduzierung des Verkehrs erreichen will“, so Steiner. Bereits vor einigen Monaten hatte der Porsche-Vorstand erklärt, dass man auch weiterhin auf „den Dreiklang aus klassischen Verbrennern, Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos wie dem Taycan“ setze. (Algen-Sprit: Hat der Verbrenner damit doch noch eine Zukunft?)

Was sind E-Fuels?

Unter E-Fuels versteht man synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von Strom aus Wasser und Kohlenstoffdioxid hergestellt werden. Dabei handelt es sich um einen sehr energieaufwendigen Prozess, der auch als Power-to-Fuel bezeichnet wird.

Steiner betonte jedoch auch, wie wichtig die Forschung von Porsche an den E-Fuels sei, denn der Verbrennungsmotor werde den Markt noch über Jahre bestimmen. Immerhin bestehe die Bestandsflotte größtenteils aus Autos mit Verbrenner. „Wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir bei diesen Autos den CO2-Fußabdruck besser machen“, machte Steiner deutlich.

Porsche baut E-Fuels-Pilotanlage: E-Fuels bieten zahlreiche Vorteile

„E-Fuels müssen aus unserer Sicht mit bestehenden Motoren funktionieren, weil unsere Fahrzeuge sehr lange gefahren werden“, erklärte der Porsche-Vorstand. Heißt: Anpassungen an älteren Motoren sollten möglichst ausbleiben. Außerdem wolle man auch keine neuen Triebwerke für die synthetischen Kraftstoffe entwickeln. (Elektroautos klimafreundlicher als Verbrenner? Studie widerspricht jetzt Skeptikern)

Ein weiterer Vorteil der E-Fuels wäre, dass Plug-in-Hybride auch auf der Langstrecke deutlich umweltfreundlicher unterwegs wären. Zudem könnte man auf die bestehende Infrastruktur für fossilen Sprit zurückgreifen. Um die synthetischen Kraftstoffe zu produzieren, wird jedoch regenerativer Strom benötigt. Bestenfalls handelt es sich hierbei um überschüssigen Wind- oder Solarstrom, der nicht ins Netz eingespeist werden kann. (Porsche verteidigt Verbrenner-Verbot – doch was wird aus 911-Baureihe?)

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Der Strom wird benötigt, um Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff (O₂) und Wasserstoff (H₂) aufzuspalten. Der Wasserstoff wird wiederum mit CO₂ gebunden und zu Kraftstoff weiterverarbeitet. Porsche erkennt bei den Emissionen bereits erste Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen. „Wir sehen weniger Partikel, weniger NOx [Stickstoffoxide; Anm. d. Red.] – es geht in die richtige Richtung“, erklärte Porsche-Sportwagenchef Frank Walliser der britischen Fachzeitschrift „Autocar“.

Ein gelber Porsche 911 Carrera fährt bei Sonnenuntergang auf einer Straße.
Die Porsche-Ikone 911 soll kein E-Auto, sondern mit E-Fuels befeuert werden. © Daniel Wollstein/Porsche AG

Porsche baut E-Fuels-Pilotanlage: Erst mal mit fossilen Kraftstoffen mischen

Der technische Aspekt ist dabei für Porsche besonders wichtig. „Wir wollen die E-Fuels im ersten Schritt den konventionellen Kraftstoffen beimischen“, veranschaulichte Steiner. Auf lange Sicht sollten diese jedoch so entwickelt werden, dass sie auch ohne Zusatz verwendet werden können. Dann müssten die E-Fuels sowohl mit den Porsche-Hochleistungsmotoren als auch in älteren Aggregaten von Oldtimern einsetzbar sein. Einen Nachteil wie bei der Einführung von E10 dürfe es nicht geben.

Ab 2022 will Porsche in der chilenischen Stadt Punta Arenas testen, wie die Produktion der E-Fuels funktionieren könnte. Dazu baut der Automobilhersteller gemeinsam mit dem ortsansässigen Energiekonzern Andes Mining & Energie, Siemens Energy und dem italienischen Stromversorger Enel in der Region Patagonien im Süden Chiles die Pilotanlage „Haru Pni“ auf.

Porsche baut E-Fuels-Pilotanlage: Region in Chile perfekt geeignet

Im Vergleich zur Nordsee lasse sich im chilenischen Windpark viermal so viel Strom erzeugen – zu einem geringeren Preis. Demnach kostet die Megawattstunde Strom lediglich 15 statt 34 Euro. Das liegt insbesondere daran, dass die Region besonders windig ist. Der Wind bläst in Patagonien viermal so stark wie auf der Nordsee. Entsprechend gut sind die Bedingungen für die Herstellung der synthetischen Kraftstoffe aus regenerativer Energie.

Bis Ende 2022 sollen 130.000 Liter E-Fuel in der Anlage hergestellt werden. Allerdings soll das Volumen in den folgenden zwei Jahren weiter hochgefahren und auf 55 Millionen Liter gesteigert werden. Doch die Kapazität ist damit noch längst nicht ausgeschöpft, bis 2026 soll das Produktionsvolumen verzehnfacht werden.

Visualisierung der E-Fuel-Pilotanlage von Porsche in Chile
Im Süden Chiles betreibt Porsche ab 2022 eine Pilotanlage für E-Fuels. © Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Porsche baut E-Fuels-Pilotanlage: E-Fuels teurer als herkömmlicher Sprit

Dem Fachblatt „Automobilwoche“ sagte Steiner zudem, dass bereits 2024 weltweit alle neu verkauften 911 Carrera mit 100 Prozent E-Fuels versorgt werden könnten. Ob das letztlich wirklich möglich ist, hängt jedoch davon ab, wie gut die Forschungen vorankommen. Eine Modifikation des Motors soll nicht notwendig sein.

Zunächst will Porsche gemeinsam mit seinen Partnern in Chile erste Erfahrungen sammeln. Langfristig wollen die Zuffenhausener dann dabei helfen, dass die synthetischen Kraftstoffe auf Industrieniveau produziert werden können. Allerdings sind die E-Fuels noch deutlich teurer als herkömmlicher Sprit. „Aber wenn man das skaliert, sehen wir schon eine Chance, dass die Kraftstoffe irgendwann preislich wettbewerbsfähig sind“, ist sich Steiner sicher. Ohne Steuern peilt Porsche ab 2026 einen Preis von zwei Euro pro Liter an. Mit Blick auf den Endpreis fordert die Volkswagen-Tochter zudem eine faire CO2-Besteuerung der unterschiedlichen Kraftstoffarten.

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