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BMW gegen Mercedes: Autobauer duellieren sich mit ihren neuen Bediensystemen

Der Mercedes Hyperscreen und das BMW-Bediensystem aus dem iX
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Mercedes zeigt den Hyperscreen, BMW hält mit einem eigenen Konzept dagegen.
  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Bei Elektroautos werden für viele Kunden die „inneren Wert“ immer wichtiger – deswegen legen BMW und Mercedes bei den Bediensystemen nach. Und auch FCA hat etwas Neues.

Las Vegas – Die Autohersteller hatten die CES in den vergangenen Jahren zu ihrer neuen Lieblingsmesse auserkoren. Nachdem es bei den letzten Las-Vegas-Messen mit großen Neuheiten jedoch eher blass zuging, sollte dieses Jahr voll durchgestartet werden. Erstmals sollte es eine neue Messehalle geben, in der sich die Autokonzerne deutlich standesgemäßer als bisher präsentieren konnten. Doch Covid-19 hat nicht nur Europa und Asien, sondern auch Nordamerika fest im Griff und so wurde die CES 2021 bereits im vergangenen Sommer in ein Online-Event umgewandelt. Das führte dazu, dass auch Autohersteller ihre Engagements auf der geplanten Las-Vegas-Messe völlig neu überdenken mussten. Einige zogen sich zurück, andere wichen auf andere Formate aus und enthüllten die Messeneuheiten anders als geplant nicht in der Spielermetropole.

BMW gegen Mercedes: Mit ihren neuen Bediensystemen duellieren sich die Autobauer

So kommt es diesmal auf der CES 2021 auch nicht zum offenen Schlagabtausch, denn Hersteller wie Mercedes-Benz, BMW oder Fiat Chrysler wollten in Las Vegas eigentlich neue Bediensysteme enthüllen. Der große Auftritt des Curved Displays, das im neuen BMW iX und danach im BMW i4 seine Premiere feiert, fand daher schon auf der BMW-Hausmesse Next Gen im Herbst 2020 statt. BMW hatte vor exakt 20 Jahren die bekannten Fahrzeugbediensysteme mit ihren zahllosen Tasten in der damals neu vorgestellten E65-Generation des BMW 7er auf den Kopf gestellt. Statt zahlloser Tasten gab es mit dem Controller auf der zentralen Mittelkonsole einen Dreh-Drück-Steller, mit dem auf dem Bildschirm durch die zahlreichen Unterpunkte des Menüs gereist werden konnte. Der damals neu vorgestellte BMW 7er war alles andere als ein filigranes Schmuckstück – insbesondere das klobige Heck und die wenig dynamische Front sorgten für Gesprächsstoff und auch das Bediensystem iDrive wurden weltweit kritisiert. Durchgesetzt hat es sich letztlich doch und die meisten Konkurrenten aus Europa sprangen auf den Zug mit dem Dreh-Drück-Steller auf, während sich die USA und Asien schneller als andere für den Touchscreen als zentrales Bedienmodul für Fahrzeugfunktionen begeistern konnten. (Riesen-Niere vom BMW 7er: China-Kopie legt noch einen drauf)

BMW setzt in Zukunft auf ein leicht gebogenes Display – der Dreh-Drück-Steller bleibt aber erhalten.

BMW gegen Mercedes: Das Zwei-Speichen-Lenkrad im iX ist gewöhnungsbedürftig

Jetzt will BMW mit seinem gestochen scharfen Hightech-Display im elektrischen BMW iX eine neue Ära einläuten. Ähnlich reduziert wie das Außendesign des iX, das eher an einen Kombi denn an einen Crossover erinnert, ist das Innere. Hier blickt der Fahrer auf ein leicht zu ihm hin gewölbtes Display, das bis weit in die Mitte der Armaturentafel ragt. Eine echte Schau ist jedoch die beinahe frei schwebende Mittelkonsole aus Echtholz mit Starter, Gangwahlschalter sowie bekannten Drück- und Dreh-Elementen. Wie bei den aktuellen BMW-Modellen lassen sich die Funktionen jedoch auch per Sprache und Touchdisplay bedienen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen das Zwei-Speichen-Lenkrad mit weiteren Bedienelementen. Domagoj Dukec, Leiter BMW Design: „Wir haben den BMW iX von innen nach außen gestaltet. Besonders wichtig war uns dabei ein modernes, wohnliches und reduziertes Interieurdesign mit einem großzügigen Raumgefühl.“ Nach der Premiere im BMW iX wird das ebenso flache wie breite Display auch im elektrischen BMW i4 verbaut, der im ersten Quartal 2022 auf den Markt kommen soll. (BMW iX: Nächster Design-Shitstorm – doch so reagieren die Münchner)

Mercedes kombiniert im Elektro-Flaggschiff EQS drei Einzelbildschirme unter dem Namen „Hyperscreen“.

BMW gegen Mercedes: Hyperscreen für den EQS erinnert an Byton M-Byte

An sich hätte es auf der CES 2021 in Las Vegas das erste Kräftemessen mit dem Hyperscreen von Mercedes gegeben, der in diesem Sommer im ebenfalls elektrischen Mercedes EQS seine Premiere feiert. Das Großdisplay besteht aus drei Einzelkomponenten für Fahrer, Beifahrer und Zentraldisplay mit einer Gesamtbreite von mehr als 1,40 Metern. „Mit unserem MBUX Hyperscreen wird eine Designvision Wirklichkeit“, sagt Gorden Wagener, Chefdesigner von Daimler, „wir verbinden Technologie mit Design auf faszinierende Weise. Das bietet dem Kunden eine beispiellose Benutzerfreundlichkeit.“ Das ist beinahe so imposant wie das Großdisplay im Byton M-Byte, der durch die Finanzspritze von Foxconn Anfang 2022 nunmehr doch zum Serienmodell werden soll. Auch der M-Byte feierte seine Publikumspremiere auf der CES, das war vor drei Jahren. Im Gegensatz zur flachen Informationswand des Byton ist der Hyperscreen von Mercedes hinter einer organisch geformten Glasscheibe versteckt, die sich ans Armaturenbrett des neuen Mercedes-Topmodells EQS anpasst und die Insassen flexibel informiert.

„Der MBUX Hyperscreen ist zugleich Gehirn und Nervensystem des Autos“, so Sajjad Khan, Vorstandsmitglied von Mercedes und CTO, „der MBUX Hyperscreen lernt den Kunden immer besser kennen und liefert ein maßgeschneidertes, personalisiertes Infotainment- und Bedienangebot, bevor der Passagier irgendwohin klicken oder scrollen muss.“ Das große Deckglas wird im Mold-Verfahren bei Temperaturen von ca. 650 Grad Celsius dreidimensional gebogen. Für die haptische Rückmeldung bei der Bedienung sitzen insgesamt zwölf Aktuatoren unter den Touchscreen-Bereichen. Zwei Beschichtungen des Glases sollen Reflektionen verringern und die Reinigung vereinfachen. Das gekrümmte Glas selbst besteht aus kratzbeständigem Aluminiumsilikat, wobei das Großdisplay von acht CPU-Kernen, 24 Gigabyte RAM und 46,4 GB pro Sekunde RAM-Speicherbandbreite bespielt wird. (Mercedes S 400 d 4matic im Test: Seine riesige Reichweite lässt alle Elektroautos alt aussehen)

Im Jeep Grand Cherokee L ist das FCA-Bediensystem Uconnect 5 verbaut, das völlig neue Funktionen bietet.

Neue Bediensysteme: Auch FCA rüstet mit Uconnect 5 auf – etwa im neuen Jeep Grand Cherokee

Ursprünglich hätte auch FCA speziell mit seiner Offroadmarke Jeep auf der real stattfindenden CES 2021 vertreten sein sollen. Im Zentrum des Online-Messe-Ablegers stehen jetzt virtuelle Touren durch das zunehmend elektrifizierte Portfolio und das neue Bediensystem Uconnect 5, das auch im neuen Jeep Grand Cherokee L verbaut ist, der vergangene Woche seine ebenfalls virtuelle Weltpremiere feierte. Uconnect 5 baut auf der bewährten Benutzeroberfläche auf, bietet jedoch völlig neue Funktionen und eine fünfmal höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit. Neu ist der variable und individuell veränderbare Startbildschirm mit schnellem Zugriff auf häufig genutzte Funktionen mit einer One-Touch-Bedienung. Erweitert sind auch die „Home to Car“-Funktionalitäten mit einem virtuellen Alexa-Assistenten und eine weiterentwickelte Navigation von TomTom nebst natürlicher Spracheingabe und Maps Over-the-Air. Die größte jemals in einem FCA-Produkt angebotene Bildschirmfläche von 12,3 Zoll unterstützt bis zu 15 Millionen Pixel in Ultra HD – mit globaler Funktion für mehr als 150 Länder. (Von Stefan Grundhoff/press-inform)

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