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Tachonadel statt Digitalanzeige im Auto – deshalb kommt das Analog-Cockpit zurück

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Von: Marcus Efler

Peugeot ersetzt in seinem Kompaktwagen Peugeot 308 die Digitalanzeige durch ein Zeiger-Instrument. Doch warum das Ganze – und folgen auch andere Autohersteller?

Vélizy-Villacoublay (Frankreich) – Seit Jahren schwelt eine Diskussion unter Autofahrern, die so leidenschaftlich geführt wird wie jene pro und contra Turbo-Aufladung. Doch die Technik, um die gefochten wird, hat nichts mit der PS-Zahl zu tun, und sitzt nicht unter der Motorhaube. Sondern direkt vor den Augen des Fahrers: Der Tachometer und die anderen Cockpit-Instrumente. Seit einiger Zeit gehört es für die Autohersteller zum guten Ton, neue Modelle mit digitalen Instrumenten anstelle des gewohnten Analog-Tachos auszustatten – mal als leuchtende Ziffern-Anzeige, mal als virtuell erzeugtes Zeiger-Instrument. Das gefällt nicht jedem Käufer. Aber nicht deshalb – sondern aus einem ganz anderen Grund rudert Peugeot jetzt zurück. Und ersetzt das digitale Cockpit-Instrument im Kompaktwagen Peugeot 308 wieder durch eine analoge Rund-Anzeige. (Peugeot 508 PSE im Test: Die sportlichen Ambitionen des Hybriden haben ihren Preis)

Ein analoges Cockpit bei Peugeot im Modell Rifter

Das analoge Cockpit bei Peugeot – hier im Modell Rifter. © Peugeot

Tachonadel statt Digitalanzeige im Auto – deshalb kommt das Analog-Cockpit zurück

Die Entscheidung ist aus der Not geboren: Der aktuelle globale Mangel an Computer-Chips drohte, die Produktion des Peugeot-Modells zu bremsen. Gegen das Problem kämpfen auch andere Autohersteller* und ihre Zulieferer. Peugeot, eine Marke des globalen Autokonzerns Stellantis, hat nun für eine Auswirkung der Halbleiter-Krise laut der Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ eine kreative Lösung gefunden – eben den Einbau des analogen Tachos. Das spart gegenüber dem schicken Digitalteil einige Chips bei der Produktion im Werk Sochaux. (Chipmangel lähmt Autoindustrie: Deshalb fehlen die wichtigen Halbleiter-Bauteile)

Komplett umgewöhnen müssen sich die Franzosen trotz des Chipmangels nicht: Zum Serienstart 2013 trug das Modell, das ohnehin bald einen Nachfolger bekommt, sowieso noch Analog-Instrumente; andere Modelle wie der Van Rifter haben sie aktuell noch. Ein „Fun Fact“ dazu ist, dass die französischen Autohersteller mit die ersten waren, die konsequent auf Digital-Anzeigen gesetzt hatten. (Chipmangel lähmt Auto-Industrie – werden die Lieferzeiten jetzt noch länger?)

Digitales Cockpit eines Peugeot 308

So modern ist Peugeot eigentlich: Das bislang verbaute digitale Kombi-Instrument im Peugeot 308. © Denis Meunier/Peugeot

Tachonadel statt Digitalanzeige im Auto – manche Autohersteller bleiben bei Retro

Auch wenn es sich bei Peugeots Retro-Schritt um eine kurzfristige Maßnahme handelt, könnte sie die Diskussion um eine stilvolle Cockpit-Anzeige wieder anheizen. Porsche zum Beispiel hat nie komplett umgestellt: selbst das digitale Kombi-Instrument der aktuellen Modelle zeigt in der Mitte noch den klassischen, analogen Drehzahlmesser, wie ihn Porsche-Fahrer seit Jahrzehnten kennen und schätzen. (Teslas neues Yoke-Lenkrad illegal? Elon Musk droht Ärger mit der Verkehrsaufsicht)

„Wenn man ein rein digitales Instrument hat“, erklärt dazu ein Porsche-Designer, „sieht man halt nur ein schwarzes Loch, wenn die Zündung aus ist“. Auch Mercedes-AMG entschied sich bei seinem aktuellen Sportwagen SLR für klassische Rundinstrumente. Möglicherweise geht der Trend in die gleiche Richtung wie bei Armbanduhren: Wer viel Geld ausgibt, bekommt analoge Mechanik, das Digital-Blingbling bleibt für die Masse. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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