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Streetscooter im Winter: Probleme verhindern Post-Zustellung per E-Mobil

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Von: Marcus Efler

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Die Deutsche Post beendet ihr Abenteuer als Autohersteller. Doch manche Probleme mit den gelben Streetscootern bleiben – wie jetzt bei winterlichem Wetter zu sehen ist.

Update vom 12. Januar 2022, 13:30 Uhr: Obwohl die Deutsche Post und DHL die Produktion des bislang in Eigenregie gebauten Streetscooters abgeben, werden sie ihre elektrischen Transporter behalten – und deren Flotte sogar stark ausbauen. Nicht alle Brief- und Paketboten werden davon freilich begeistert sein. Denn im Winter zeigen die Fahrzeuge teils heftige Defizite, von denen überforderte Heizungen noch zu den geringeren gehören. (E-Auto im Winter: Kälte frisst Reichweite – so verlängern Sie ihre Akku-Laufzeit)

Streetscooter im Winter: Probleme verhindern Post-Zustellung per E-Mobil

So können offensichtlich im bayerischen Berchtesgaden die gelben Stromer im Winter nicht eingesetzt werden, wie das „Traunsteiner Tagblatt“ berichtet. „Im Praxisbetrieb hat sich herausgestellt, dass die Fahrzeuge bei stärkeren Steigungen, insbesondere bei Schneefahrbahn, nicht optimal sind. Die Fahrzeuge sind zu leicht, fahren sich bei Schnee schwammig“, zitiert das Blatt einen Mitarbeiter der Post. Statt ihrer würden in der höher gelegenen und daher schneereichen Region wieder Diesel-Fahrzeuge genutzt, während die Akku-Mobile in flacheren Gefilden eingesetzt werden.

Erstmeldung vom 5. Januar 2022, 11:55 Uhr: Bonn – Wenn der Postmann lautlos vorfährt: Seit fünf Jahren gehören gelbe Elektrofahrzeuge mit kastenartigem Aufbau zum Straßenbild. Mit mittlerweile 17.000 dieser Streetscooter liefern die Deutsche Post und DHL Briefe, Päckchen und Pakete aus – sauber, leise und (nach anfänglichen Problemen) auch relativ störungsfrei.

Streetscooter von Post und DHL. (Symbolbild)
Bisher selbstgebaut, bald zugekauft: Elektrische Streetscooter von Post und DHL. (Symbolbild) © Deutsche Post DHL Group/dpa

Das Besondere an dem 51 kW (69 PS) starken und 4,70 Meter langen E-Mobil mit bis zu 200 Kilometern Reichweite: Die Deutsche Post DHL Group produziert es quasi in Eigenregie. Denn der Bonner Logistik-Konzern hatte den Hersteller Streetscooter – ein Start-up der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Ende 2014 komplett übernommen und das Auto nach seinen Bedürfnissen optimiert. Denn da damals peinlicherweise kein renommierter Autohersteller einen emissionsfreien, alltagstauglichen Transporter in größeren Stückzahlen liefern konnte, wurde die Post eben selbst zum Fahrzeugbauer. Die Autobranche staunte. (Post-StreetScooter ausrangiert: Facebook-Beitrag sorgt für Elektro-Ärger)

Streetscooter ade: Post beendet Abenteuer als Autohersteller

2016 waren dann die ersten gelben Stromer fertig, zuerst mit Kinderkrankheiten wie einer miesen Heizung und einer kollabierenden Reichweite bei Kälte, die Zusteller gehörig nervten. Auch kam es zu mehreren Bränden von beladenen Streetscootern. Doch die Post glaubte an das Konzept, perfektionierte es – und wollte den Streetscooter auch an Fremdkunden wie andere Transportfirmen weiterverkaufen.

Hier hatte sich der gelbe Riese freilich übernommen. Ein Auftrag aus Japan über 500 Fahrzeugen blieb der einzige größere. Expansionspläne, die Standorte in der Schweiz und in Japan durch die USA und China zu ergänzen, zerschlugen sich. Die Verluste wuchsen. Schon vor einiger Zeit kündigte die Post das Ende der Produktion an – und signalisierte Bereitschaft, das Start-up wieder zu verkaufen. (Krankenwagen fährt ab sofort elektrisch – doch die Sache hat einen Haken)

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Streetscooter ade: Herstellung verkauft, aber die Flotte wird vergrößert

Das ist nun wohl gelungen. Das Luxemburger Firmenkonsortium Odin Automotive übernimmt die Produktionsrechte zu einem unbekannten Preis, die Deutsche Post DHL Group schreibt 318 Millionen Euro ab. Ein Ende mit Schrecken ist das trotzdem nicht komplett: Die Bonner behalten die sauberen Autos, wollen deren Flotte gar auf 21.500 Exemplare ausbauen. 300 Aachener Streetscooter-Mitarbeiter bleiben im Konzern und werkeln künftig als Zulieferer für die neuen Herren.

Unter dem Aspekt des Klimaschutzes hat die Post sowieso fast alles richtig gemacht: Der Betrieb des Streetscooters spart jedes Jahr viele Zehntausend Tonnen Kohlendioxid ein.

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