Im dritten Versuch

SSC Tuatara knackt endlich Tempo-Rekord für Serienfahrzeuge – ist aber langsamer als erhofft

Fahraufnahme eines SSC Tuatara
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SSC North America wollte mit dem Tuatara den Titel für das schnellste Serienauto erringen – das ging nun erneut schief.
  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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An der ersten Rekordfahrt des SSC Tuatara mit über 500 km/h waren Zweifel aufgekommen – der zweite Versuch scheiterte. Nun jedoch wurde eine Bestmarke gesetzt.

Update vom 28. Januar 2021, 13.44 Uhr: Im dritten Versuch hat es offenbar geklappt: Der SSC Tuatara ist nun das schnellste Serienauto der Welt. In zwei Läufen im Kennedy Space Center in Florida in entgegengesetzte Himmelsrichtungen erreichte der Bolide eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 282,9 Meilen pro Stunde (455,3 km/h). Auch wenn das natürlich alles andere als langsam ist: Von den angeblich erreichten 508,73 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit des ersten Rekordversuchs ist dieses Tempo dennoch weit entfernt.

Erstmeldung vom 30. Dezember 2020, 11.41 Uhr: Florida – Es sollte der ganz große Aufschlag werden: Mit dem neuen Tuatara wollte US-Hersteller SSC North America den Titel für das schnellste Serienauto erringen – was scheinbar zunächst auch gelang. In zwei gegenläufigen Fahrten auf einer mehr als elf Kilometer langen Geraden nahe Las Vegas kam der Renner auf 484,53 und 532,93 km/h, was einen Durchschnittswert von 508,73 km/h ergibt – und damit eine neue Bestmarke festlegt. Damit pulverisierte der SSC Tuatara den zuvor gültigen Rekord von 447 km/h eines Agera RS von Koenigsegg. Doch schon kurz nach der vermeintlichen Rekordfahrt kamen erste Zweifel im Bezug auf die gemessenen Daten auf. SSC-Chef Jerod Shelby erklärte deshalb, die Hochgeschwindigkeitsfahrt wiederholen zu wollen. Dies ist nun offenbar geschehen – allerdings endete das Unterfangen blamablerweise erneut ohne Rekord.

Riesenblamage für SSC Tuatara: Kein Geschwindigkeitsrekord bei Wiederholungsfahrt

Eine offizielle Mitteilung zu dem erneuten Rekordversuch gibt es seitens SSC North America bislang nicht – dass er dennoch stattfand, davon berichtet Nürburgring-Renntaxifahrer Robert Mitchell nun in einem YouTube-Video. Wie er erzählt, habe ihn das Unternehmen eingeladen, dem zweiten Versuch – am 12. und 13. Dezember 2020 auf der NASA-Startbahn in Florida – beizuwohnen. Statt eines professionellen Fahrers – den ersten Versuch fuhr Oliver „Oli“ Webb (29) – habe dieses Mal der Besitzer des Autos hinter dem Lenkrad gesessen. Dieser besitze laut Robert Mitchell zwar durchaus Erfahrung mit schnellen Autos, jedoch habe er seinen SSC Tuatara bis dato nur sehr langsam bewegt. So hätte er sich vor dem Rekordversuch erst mal mit dem Auto vertraut machen müssen. Bei diesen Fahrten baute sich laut Robert Mitchell in dem Fahrzeug bereits eine enorme Hitze auf. (YouTuber schrottet 3-Millionen-Pagani: „Hör auf, Papas Autos zu fahren“ (mit Video))

Beim jenem zweiten Rekordversuch hätten die Verantwortlichen größten Wert auf Redundanz bei den Messgeräten gelegt: Demnach seinen in dem SSC Tuatara zwei Racelogic-Systeme, ein Life-Racing-System und gleich drei Garmin-Systeme installiert gewesen. Möglicherweise rückblickend etwas zu viel des Guten, denn teils führten die Kabel aus der Motorhaube heraus, was verhinderte, dass sich diese komplett schließen ließ. Die Folge: Bereits während der ersten Fahrten sprang immer wieder die Motorhaube auf. (McLaren Speedtail: Selten, teuer, nagelneu – auf Rennstrecke direkt gecrasht)

Hier das 30-minütige YouTube-Video, in dem Robert Mitchell ausführlich über das zweitägige Unterfangen berichtet. Wer nicht alles sehen will, kann in die Beschreibung schauen – dort stehen die Zeitmarken zu den einzelnen Themen.

Riesenblamage für SSC Tuatara: Rekordversuch endet bei 404,3 km/h

Jedenfalls sei der SSC Tuatara schließlich so heiß gelaufen, dass die Motor-Software die Leistung gedrosselt habe, um einen Schaden zu vermeiden. Um dennoch einen Rekordversuch zu starten, wurde das Auto schließlich an eine Art Kühlbox angeschlossen. Danach ging es erneut auf Strecke – doch bei 251,2 mph (404,3 km/h) brach der Fahrer den Versuch vorzeitig ab, weil er erkannte, dass das Auto nicht schnell genug Geschwindigkeit aufbaute. Wie sich herausstellte, hätten zwei Zylinder nicht mehr richtig funktioniert, vermutlich ein Problem mit den Zündkerzen – was wohl eine Folge der vorausgehenden Überhitzung des Motors war. Das erreichte Tempo ist angesichts der technischen Probleme aber dennoch ziemlich beeindruckend. Damit war das Rekordprojekt aber zunächst beendet.

Aufgeben will SSC North America aber offenbar immer noch nicht. Wie Robert Mitchell in seinem YouTube-Video berichtet, soll es im Januar 2021 einen erneuten Rekordversuch mit dem SSC Tuatara geben.

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