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Spritpreise: Konzerne kassieren „Krisenprofit“

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Von: Simon Mones

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Die Spritpreise sind seit dem Ukraine-Krieg deutlich teurer geworden. Davon profitieren vor allem die Öl-Konzerne dank satter „Krisenprofite“.

Berlin – Der russische Angriff auf die Ukraine hat weltweit für einen deutlichen Anstieg der Spritpreise gesorgt. In Deutschland wurden mehrfach neue Rekordwerte und Preise von über zwei Euro erreicht. Doch eigentlich hätten Diesel und Benzin gar nicht so teuer werden dürfen.

Eine Studie, die der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold für die Umweltschutzorganisation Greenpeace erstellt hat, zeigt, dass Europas Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber den Krieg in der Ukraine dazu genutzt haben, um ihre Margen zu erhöhen. Der drastische Anstieg der Diesel- und Benzinpreise brachte den Konzernen zusätzliche Roherträge in Höhe von 3,3 Milliarden Euro ein.

Spritpreise: Konzerne kassieren „Krisenprofit“

Pro Tag erwirtschafteten die Mineralölunternehmen laut der unveröffentlichten Studie, die dem „Spiegel“ vorab vorlag, einen sogenannten „Krisenprofit“ von durchschnittlich 107 Millionen Euro – pro Tag! In Deutschland fallen die Zusatzeinnahmen besonders hoch aus.

Eine Preistafel einer Tankstelle. (Symbolbild)
Im März lagen die Spritpreise zeitweise deutlich über der 2-Euro-Marke. Auch, weil die Öl-Konzerne den Krieg nutzten um ihre Margen zu erhöhen. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago

Durchschnittlich 38,2 Millionen flossen hierzulande zusätzlich in die Kassen. Es folgen Frankreich (13,3 Millionen), Italien (12,5 Millionen), Spanien (7,6 Millionen) und Österreich (4,3 Millionen). Die Öl-Konzerne profitierten dabei besonders von den deutlich gestiegenen Diesel-Einnahmen. Hier betrug der durchschnittliche „Krisenprofit“ laut der Greenpeace-Studie 94 Millionen Euro pro Tag. Bei Benzin waren indes „nur“ 13 Millionen. In Deutschland ist Diesel inzwischen sogar teurer als Super E10.

Spritpreise: Konzerne erhöhen laut Greenpeace Margen

Die Zahlen der Greenpeace-Studie beruhen dabei auf einem Vergleich von Rohöl-, Raffinerie- und Tankstellenpreisen. Demnach verteuerte sich der Rohölpreis für die Nordseesorte Brent bis zum 22. März im Schnitt um 19,4 Cent pro Liter. Auf den Raffineriepreis für Diesel wurden jedoch mehr als 30 Cent aufgeschlagen, an der Zapfsäulen waren es durchschnittlich sogar 36,5 Cent mehr. Für Benzin verlangten die Raffinerien 20,5 Cent mehr, was an der Zapfsäule zu einer Preiserhöhung von durchschnittlich 26,7 Cent pro Liter führte.

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Um den Krisenprofit zu ermitteln, wurden die verkauften Mengen der jeweiligen Spritsorten mit den zusätzlichen Margen multipliziert. Die Studie geht zudem davon aus, dass die zusätzlichen Roherträge von 3,3 Milliarden Euro auch zu ähnlich hohen Gewinnsteigerungen der Unternehmen führen werden. Dabei müssten auch die Raffinerien höhere Kosten für das verbrauchte Erdgas verkraften, allerdings sei russisches Erdöl deutlich günstiger als die für die Berechnung zugrunde gelegte Nordseesorter Brent. Der Grund: Russisches Öl wird aktuell mit deutlichen Preisabschlägen gehandelt.

Spritpreise: Greenpeace fordert neue Steuer – wegen „Krisenprofiten“

Um die Autofahrer zu entlasten, plant die Bundesregierung eine vorübergehende Steuersenkung n Höhe von 14 Cent je Liter Diesel und 30 Cent je Liter Benzin. Da die Spritpreise jedoch teilweise bereits wieder bei unter zwei Euro liegen, gibt es aus den Reihen der Grünen die Forderung davon abzusehen. Zudem könnte es passieren, dass die Preise an der Zapfsäule nicht im gleichen Maße sinken und die Mineralölkonzerne ihre Margen weiter erhöhen.

„Die Ölindustrie bereichert sich seit Jahrzehnten auf Kosten des Klimas und unser aller Zukunft. Nun zeigt sich, dass uns die Ölkonzerne mitten in einem furchtbaren Krieg auch noch schamlos über den Tisch ziehen“, erklärte Martin Kaiser, der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace Deutschland, dem Spiegel. Die Umweltschutzorganisation fordert von den europäischen Regierungen daher eine neue Steuer, die die Krisenprofite abschöpfen soll. Die Einnahmen aus dieser Abgabe sollen dann sozial schwachen Haushalten zugutekommen, um diese bei den steigenden Energiekosten zu entlasten. Auch müsse der Abschied vom Verbrennungsmotor beschleunigt werden. Hier gibt Greenpeace 2028 als Ziel aus, die bisherigen Pläne der EU-Kommission sehen ein Zulassungsverbot erst ab 2035 vor.

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