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Smartphone-App spürt Raser auf – Drohungen gegen Entwickler

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Mit einer Smartphone-App lässt sich in Großbritannien das Tempo vorbeifahrender Autos angeblich präzise messen – nicht jeder ist davon begeistert.

London – Kaum jemand freut sich, wenn er geblitzt wird – auf der anderen Seite haben Radarfallen zumindest an einigen Stellen durchaus ihre Berichtigung: etwa vor Kindergärten, Schulen oder Seniorenheimen. Wobei laut einer Untersuchung zweifelhaft ist, ob zumindest stationäre Radarfallen die Straßen wirklich sicherer machen*. Sicher ist dagegen, dass viele Kommunen durch die Blitzer einiges an Geld einnehmen*. Schwierig wird es allerdings, wenn man nicht von „offizieller Seite“ geblitzt wird, sondern quasi von anderen Bürgern. In Großbritannien ist das nun indirekt möglich – und zwar mithilfe einer App. Doch die Entwickler sehen sich massiven Drohungen ausgesetzt.

Eine Frau nutzt ein Smartphone an einem Zebrastreifen (Symbolbild)
In Großbritannien gibt es eine App, die das Tempo vorbeifahrender Autos messen kann – nicht jeder findet das toll. (Symbolbild) © Westend61/Imago

Smartphone-App spürt Raser auf – Drohungen gegen Entwickler

Speedcam Anywhere nennt sich die App, die aktuell in Großbritannien für heiße Diskussionen sorgt. Das Programm verwandelt laut der Beschreibung im Google Play Store Smartphones oder Tablets in mobile Geschwindigkeitsmessanlagen. Und das funktioniert so: Einfach ein vorbeifahrendes Auto filmen – die App erledigt den Rest. Die Videos werden auf die Server des Anbieters hochgeladen und mittels Künstlicher Intelligenz (KI) analysiert. Das Ergebnis kommt dann per E-Mail.

Der E-Mail-Report enthält nicht nur das Tempo des gefilmten Autos, sondern auch den Ort, an dem das Video aufgenommen wurde sowie das dort gültige Tempolimit. Außerdem enthält die Mail Informationen zu Auswirkungen der gefahrenen Geschwindigkeit auf die Luftqualität, Bremswege sowie Fußgängerunfälle.

Smartphone-App spürt Raser auf – und bestimmt anhand des Kennzeichens das Automodell

Doch die App kann noch mehr: Anhand des Kennzeichens kann die Software Marke, Modell und Baujahr des gefilmten Fahrzeugs bestimmen. Auf ihrer Website betonen die Macher der App aber: „Speedcam Anywhere zeichnet die Kennzeichen nicht auf und speichert sie nicht.“ Die App greife auch nicht auf die persönlichen Daten des Fahrers oder Halters des Fahrzeugs zu. Dass Autofahrer Tempolimits ignorieren, kommt immer wieder vor – so wurde ein Münchner innerhalb eines Monats 85 Mal geblitzt*, der Fahrer eines Fords sammelte unter anderem wegen Tempoverstößen satte 201 Punkte.*

Die Idee hinter der App sei mehr oder weniger auf die Gefahren durch überhöhte Geschwindigkeiten aufmerksam zu machen. Die Macher betonen, dass durch die App direkt keine Bußgelder oder Strafzettel vergeben werden könnten – die App sei quasi nicht als Radarkamera zugelassen. Vielmehr sei die Software so etwas wie eine „Dashcam“ zum Sammeln von Beweisen von Verkehrsverstößen. „Wie bei einer Dashcam muss die Strafverfolgung immer von der Polizei durchgeführt werden und liegt im Ermessen der örtlichen Polizeibehörde“, heißt es auf der Website.

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Speedcam Anywhere spürt Raser auf – „Diese App widert mich an“

Allerdings sind ganz offensichtlich genau wegen dieser „Beweissammlung“ viele Briten wenig begeistert von der App – weil sie dadurch wohl eine Art Tempo-Denunziantentum fürchten. Laut einem Bericht des „Guardian“ ist es in Großbritannien bereits seit einigen Jahren gängige Praxis, dass die Polizei hochgeladene Aufnahmen von Verkehrsdelikten als Beweise akzeptiert – was zu Hunderten Anklagen wegen unsicherer Fahrweise geführt habe.

Wie der „Guardian“ berichtet, hätte das Team hinter der Software derart viele Drohungen erhalten, dass sie aktuell lieber anonym bleiben wollen. Laut dem Bericht wurden in Online-Rezensionen zu der Software Vergleiche zur Stasi-Spitzelei in der DDR gezogen. „Diese App widert mich an“, hat jemand geschrieben. Aktuell kann man die App nur in Großbritannien nutzen – eine Freigabe für die USA werde geprüft. *24auto.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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