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Rettungskampagne für den Sion: Sono Motors verlängert die Gnadenfrist

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Von: Marcus Efler

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Weil bei Sono Motors das Geld knapp ist, startete das Start-up eine Sammel-Kampagne. Weil die anvisierte Summe aber nicht erreicht wurde, verlängerten die Münchner nun die Frist.

Update vom 27. Januar 2023, 15:49 Uhr: Der Münchner E-Autohersteller Sono Motors verlängert seine Geldsammel-Kampagne zur „Rettung“ des Solar-Mobils Sion bis Ende Februar. Das Unternehmen hatte Anfang Dezember 2022 potenzielle Kunden aufgerufen, das noch nicht gebaute Auto für einen reduzierten Kaufpreis vorab zu erwerben. Innerhalb von 50 Tagen sollten so rund 100 Millionen Euro zusammenkommen, um die Produktion des Fahrzeugs zu sichern. Kurz vor Ablauf der Frist meldet das Start-up eine gesammelte Summe von knapp 48 Millionen Euro – also nur knapp die Hälfte des angepeilten Betrages. (Mit Material von SP-X)

Update vom 28. Dezember 2022, 15:45 Uhr: Die Serienfertigung des Elektroautos Sono Sion steht aus finanziellen Gründen auf der Kippe. Um das Projekt am Leben zu erhalten, hat das Münchner Start-up Sono Motors eine Kampagne namens #savesion gestartet. Ziel ist es, 3.500 Vollanzahlungen für das Fahrzeug zu erhalten und so einen Betrag von rund 100 Millionen Euro einzunehmen. Der Betrag soll laut dem Unternehmen einen Großteil der Investitionen bis zur Vorserienproduktion 2023 abdecken „und als erster Schritt einer weitreichenden Finanzierungsstrategie einen positiven Dominoeffekt auslösen.“

Nun hat Sono Motors eine erste Zwischenbilanz veröffentlicht: Bis zum 26. Dezember waren 1.000 Vollanzahlungen eingegangen. Vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen angekündigt, das Sion-Programm nicht weiterführen zu können, wenn die #saveion-Aktion nicht erfolgreich verlaufe. „Der Meilenstein von 1.000 Vollanzahlungen zeigt, dass es sich lohnt, gemeinsam für den Sion zu kämpfen“, sagte Laurin Hahn, Mitgründer und CEO von Sono Motors einer Mitteilung zufolge. Die Kampagne war am 8. Dezember 2022 gestartet und soll 50 Tage laufen.

Update vom 12. Dezember 2022, 10:10 Uhr: Mangelnde Transparenz kann man dem Münchner Start-up Sono Motors nicht vorwerfen. Die Erfinder des ersten deutschen Solarautos stellten etwa eine Veranstaltung für ihre Community ins Netz, in der sie ausführlich ihre finanzielle Situation darlegen. Co-Gründer Laurin Hahn veröffentlichte sogar seine Gehaltsabrechnungen, aus denen hervorgeht, dass er für wenig, manche Monate gar ganz ohne Entgelt arbeitet.

Geholfen hat auch das nicht viel: Offenbar reichen die verbliebenen Finanzmittel nicht, um die Serienproduktion des Sono Sion zu starten. Zwar stehe man nicht vor dem Konkurs, so erklärt man in einem anderen Video, der Betrieb könne in den nächsten Monate weiterlaufen. Doch für die Aufnahme der Produktion habe Sono Motors nicht genug Geld einsammeln können.

Sono Sion vor dem Aus? Deutsches Solarauto scheitert wohl vor Serienstart

Wie es weitergeht, und ob sich noch neue Investoren finden lassen (oder Kunden bereit sind, das Auto komplett im Voraus zu bezahlen), ist offen. Als wahrscheinlichste Option gilt derzeit, sich von dem Elektroauto zu verabschieden, und ganz auf die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von mobilen Solarzellen etwa für Elektrobusse zu konzentrieren.

Bus mit Solarzellen von Sono Motors
Bringen Solarpanels für Busse die Rettung für Sono Motors? © MAGROUND GmbH

Update vom 9. September 2022, 7:00 Uhr: Nicht nur die Erstbesteller des Sono Sion warten sehnsüchtig darauf, dass sie das Solarauto endlich in Empfang nehmen können. Auch bei professionellen Flottenbetreibern scheint der nur in schwarz lieferbare Van aus München gut anzukommen: Finn, ein ebenfalls in der bayerischen Hauptstadt angesiedelter Auto-Vermittler, hat seine Order nun deutlich aufgestockt

Das Start-up bietet verschiedene Autos im Abo an, also deren monatsweise Nutzung für einen Alles-inklusive-Preis. Erfahrungsgemäß sind Kunden derartiger Firmen oft bereit, auch mal neue Marken und Antriebskonzepte auszuprobieren.

Insgesamt möchte Finn 12.600 Autos von Sono Motors abnehmen. Bereits 2020 hatte man sich auf 5.500 der Solarstromer geeinigt. Die Zahl der privaten Besteller ist mittlerweile auf 20.000 angestiegen.

Update vom 26. Juli 2022, 9:00 Uhr: Auf einer großen Freiluft-Party für ihre Community (also Kunden, die den Sion teils schon vor einigen Jahren bestellt und angezahlt haben) hat das Münchner Start-up Sono Motors die Serienversion seines Solarmobils enthüllt. Anders als bei klassischen Autoherstellern üblich, sprachen die Entwicklungsingenieure die noch bestehenden Mängel offen an.

So müssen die bislang ungenauen Spaltmaße bis zum Produktionsstart Ende nächsten Jahres nachjustiert werden. Auch erbringt das wegen Zuliefer-Problemen derzeit noch handgefertigte Akku-Pack aus Lithium-Eisenphosphat-Zellen noch nicht die volle Leistung.

Sono Sion: Serienversion enthüllt – 19.000 Käufer warten auf Produktionsbeginn

Die patentierten Solarpanels, die künftig auch auf Linienbussen zum Einsatz kommen sollen, liefern beim Sion innerhalb eines Tages Strom für ca. 35 Kilometer (Gesamtreichweite: über 300 km). Die Möglichkeit, die selbst erzeugte Energie in das häusliche und öffentliche Netz einzuspeisen, wird bei Serienstart noch nicht zur Verfügung stehen, soll aber später per Over-the-Air-Update nachgereicht werden.

Serienversion des Solarautos Sono Sion.
Serienproduktion gefährdet: Der Sono Sion. © Martin Meiners

Update vom 11. Juli 2022, 14:10 Uhr: Etwa 19.000 Bestellungen hat das Start-up Sono Motors mittlerweile für sein mit Solarzellen bestücktes Elektroauto Sion (hier geht’s zum Fahrbericht des Prototypen) eingesammelt. Der Verkaufspreis ist mittlerweile allerdings mehrfach gestiegen: Während die Erst-Besteller im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes noch (nach Anzahlung) für 25.500 Euro reservieren konnten, müssen Neukunden nun 29.900 Euro einkalkulieren – ursprünglich waren sogar mal unter 20.000 Euro geplant.

Auch der Starttermin der Serienproduktion wurde deutlich korrigiert. Von Ende 2019 ist er mittlerweile auf die zweite Jahreshälfte 2023 geschoben. Dann sollen die ersten Besteller zügig bedient werden. Allerdings sehen manche Branchenbeobachter bis dahin wieder finanzielle Probleme auf die Münchner zurollen: Denn trotz des Börsengangs wird die bisher gesicherte Finanzierung wohl nicht für den Serienstart ausreichen.

Sono Sion: Solar-Auto wird immer teurer – trotzdem schon 19.000 Bestellungen

Die ursprünglich geplante Fertigung im ehemaligen Saab-Werk in Trollhättan ist ebenfalls geplatzt, nachdem dessen chinesischer Investor in finanzielle Turbulenzen geraten war. Nun soll der schwedische Auftragsfertiger Valmet in sieben Jahren 257.000 Autos bauen.

Erstmeldung vom 3. Juni 2021, 11:41 Uhr: München – Das Konzept dieses kleinen Vans verkörpert für viele das optimale Elektroauto: Mit 4,30 Metern Länge handlicher als ein VW Golf, genug Platz für fünf Leute plus viel Gepäck, mit 1.400 Kilo nicht allzu schwer. 120 Kilowatt (163 PS) und 255 Kilometer Reichweite sind mehr als genug für die tägliche Pendelei und auch mal einen längeren Ausflug. Zumal ein außergewöhnliches Bauteil auf dem Dach noch den Ladestand der Akkus erhöhen kann: große Solarmodule. (Volkswagen nimmt VW e-up! vom Markt – Mega-Lieferzeiten für E-Autos)

Sono Sion: Hat das günstige Solar-Auto aus München eine Chance?

Diese sind sicher der wichtigste Unterschied zur etablierten, gerade stark wachsenden Konkurrenz der Akku-Mobile – technisch betrachtet. Doch am Sono Sion ist noch mehr ungewöhnlich: Sein Hersteller, das Start-up Sono Motors aus dem Münchner Norden, finanziert das Projekt teilweise über Crowdfunding und hat bereits mehr als 13.000 Kunden eingesammelt, die durchschnittlich 3.000 Euro investiert haben. Geführt wird die Firma mit 140 Mitarbeitern von den jungen Gründern Laurin Hahn und Jona Christians. Produktionsvorstand ist Thomas Hausch, ein erfahrener Haudegen, der schon bei Nissan und Chrysler unter Vertrag stand. Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg entwickelte mit seiner Firma das Fahrwerk. Auch ein renommierter Auftragsfertiger ist an Bord: Nevs, hervorgegangen aus der Konkursmasse der schwedischen Autolegende Saab, will in deren ehemaligem Werk Trollhättan bis zu 260.000 Sono jährlich fertigen. (Elaris Finn: Elektrozwerg aus China soll Deutsche begeistern – mit Tiefstpreis)

Interieur des Sono Sion
Funktional und digital: Das Interieur des Sono Sion. © Sono Motors

Sono Sion: Auch Carsharing-Modell per App in Planung

So weit, so vielversprechend. Trotzdem hat Sono schon ein echtes Drama aufgeführt: Nach der Trennung von einem Großinvestor stand man Ende 2019 schon mal mit einem Rad in der Pleite, bevor in letzter Sekunde eine schwedische Bank mit 43 Millionen Euro einstieg. Das Geschäftsmodell wurde noch mal überarbeitet und steht mittlerweile auf drei Beinen: Neben den Autos verkaufen die Münchner nun auch ihre patentierte Solar-Technologie, mit Lkw-Hersteller MAN wird schon verhandelt. Darüber hinaus plant Sono ein Carsharing-Modell, bei dem Sion-Eigner ihre Autos per App vermieten können. (Ist dieser Smart noch smart? Das neue Modell erzürnt Fans)

Sono Sion: Der Preis von 25.500 Euro ist eine echte Kampfansage

Weiterer Clou: Das Fahrzeug dient nicht nur zum Fahren, sondern auch als kleines Solarkraftwerk, das seine gespeicherte Energie ins Stromnetz oder andere Auto-Akkus einspeisen kann. Quasi als Starthilfe für das Elektro-Zeitalters. So wird der Sion zu einem rollenden Tausendsassa – umso mehr verblüfft sein Preis. Der beträgt nämlich nur 25.500 Euro. Aber bevor Fans kleiner Elektro-Autos im Geiste schon den Umweltbonus von 9.670 Euro abziehen: Genau darin liegt das wohl größte Problem dieses Projekts. (Preise für E-Autos geschönt: Mit diesem Trick mogeln Händler – jetzt gibt’s Ärger)

Sono-Gründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn
Sono-Gründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn © Sono Motors GmbH

Sono Sion: Umweltbonus schwierig, weil knapp kalkuliert

Denn damit Käufer den staatlichen Anteil von 6.000 Euro einkassieren können, muss der Hersteller den Netto-Listenpreis seinerseits mit 3.000 Euro (inklusive Mehrwertsteuer also 3.570 Euro) subventionieren. Und das ist bei dem knapp kalkulierten Sono schlicht nicht drin. Ohne Förderung aber wäre das Solar-Auto für den Kunden gut doppelt so teuer wie beispielsweise ein subventionierter Dacia Spring oder andere City-Stromer, die Autokonzerne für die nächsten Jahre planen. Viele Interessenten würden dann möglicherweise doch eher zu einer renommierten Marke greifen, Solardach und Sharing-App hin oder her. Schon kursieren in den einschlägigen Foren Ideen, beispielsweise den Sion einfach pro forma um 3.000 Euro zu verteuern, um diese in Deutschland dann gleich wieder abzuziehen. Das allerdings würden ausländische Crowdfunding-Kunden, von denen es durchaus einige gibt, kaum akzeptieren. Es bleibt also spannend im Münchner Norden.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

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