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Sono Sion: Hat das günstige Solar-Auto aus München eine echte Chance?

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Von: Marcus Efler

Der Sono Sion fährt per Akku und Sonnenlicht – und soll schon bald zum Kampfpreis angeboten werden. Doch ausgerechnet der Umweltbonus kommt ihm in die Quere.

München – Das Konzept dieses kleinen Vans verkörpert für viele das optimale Elektroauto: Mit 4,30 Metern Länge handlicher als ein VW Golf, genug Platz für fünf Leute plus viel Gepäck, mit 1.400 Kilo nicht allzu schwer. 120 Kilowatt (163 PS) und 255 Kilometer Reichweite sind mehr als genug für die tägliche Pendelei und auch mal einen längeren Ausflug. Zumal ein außergewöhnliches Bauteil auf dem Dach noch den Ladestand der Akkus erhöhen kann: große Solarmodule. (Volkswagen nimmt VW e-up! vom Markt – Mega-Lieferzeiten für E-Autos)

Sono Sion, fahrend, von schräg vorn

Eher praktisch als originell: der Sono Sion © Sono Motors GmbH

Sono Sion: Hat das günstige Solar-Auto aus München eine Chance?

Diese sind sicher der wichtigste Unterschied zur etablierten, gerade stark wachsenden Konkurrenz der Akku-Mobile – technisch betrachtet. Doch am Sono Sion ist noch mehr ungewöhnlich: Sein Hersteller, das Start-up Sono Motors aus dem Münchner Norden, finanziert das Projekt teilweise über Crowdfunding und hat bereits mehr als 13.000 Kunden eingesammelt, die durchschnittlich 3.000 Euro investiert haben. Geführt wird die Firma mit 140 Mitarbeitern von den jungen Gründern Laurin Hahn und Jona Christians. Produktionsvorstand ist Thomas Hausch, ein erfahrener Haudegen, der schon bei Nissan und Chrysler unter Vertrag stand. Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg entwickelte mit seiner Firma das Fahrwerk. Auch ein renommierter Auftragsfertiger ist an Bord: Nevs, hervorgegangen aus der Konkursmasse der schwedischen Autolegende Saab, will in deren ehemaligem Werk Trollhättan bis zu 260.000 Sono jährlich fertigen. (Elaris Finn: Elektrozwerg aus China soll Deutsche begeistern – mit Tiefstpreis)

Sono Sion von oben, stehend

Die Solarmodule auf dem Dach bestehen aus Kunststoff. © Sono Motors GmbH

Sono Sion: Auch Carsharing-Modell per App in Planung

So weit, so vielversprechend. Trotzdem hat Sono schon ein echtes Drama aufgeführt: Nach der Trennung von einem Großinvestor stand man Ende 2019 schon mal mit einem Rad in der Pleite, bevor in letzter Sekunde eine schwedische Bank mit 43 Millionen Euro einstieg. Das Geschäftsmodell wurde noch mal überarbeitet und steht mittlerweile auf drei Beinen: Neben den Autos verkaufen die Münchner nun auch ihre patentierte Solar-Technologie, mit Lkw-Hersteller MAN wird schon verhandelt. Darüber hinaus plant Sono ein Carsharing-Modell, bei dem Sion-Eigner ihre Autos per App vermieten können. (Ist dieser Smart noch smart? Das neue Modell erzürnt Fans)

Sono Sion: Der Preis von 25.500 Euro ist eine echte Kampfansage

Weiterer Clou: Das Fahrzeug dient nicht nur zum Fahren, sondern auch als kleines Solarkraftwerk, das seine gespeicherte Energie ins Stromnetz oder andere Auto-Akkus einspeisen kann. Quasi als Starthilfe für das Elektro-Zeitalters. So wird der Sion zu einem rollenden Tausendsassa – umso mehr verblüfft sein Preis. Der beträgt nämlich nur 25.500 Euro. Aber bevor Fans kleiner Elektro-Autos im Geiste schon den Umweltbonus von 9.570 Euro abziehen: Genau darin liegt das wohl größte Problem dieses Projekts. (Preise für E-Autos geschönt: Mit diesem Trick mogeln Händler – jetzt gibt’s Ärger)

Sono-Gründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn

Sono-Gründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn © Sono Motors GmbH

Sono Sion: Umweltbonus schwierig, weil knapp kalkuliert

Denn damit Käufer den staatlichen Anteil von 6.000 Euro einkassieren können, muss der Hersteller den Netto-Listenpreis seinerseits mit 3.000 Euro (inklusive Mehrwertsteuer also 3.570 Euro) subventionieren. Und das ist bei dem knapp kalkulierten Sono schlicht nicht drin. Ohne Förderung aber wäre das Solar-Auto für den Kunden gut doppelt so teuer wie beispielsweise ein subventionierter Dacia Spring oder andere City-Stromer, die Autokonzerne für die nächsten Jahre planen. Viele Interessenten würden dann möglicherweise doch eher zu einer renommierten Marke greifen, Solardach und Sharing-App hin oder her. Schon kursieren in den einschlägigen Foren Ideen, beispielsweise den Sion einfach pro forma um 3.000 Euro zu verteuern, um diese in Deutschland dann gleich wieder abzuziehen. Das allerdings würden ausländische Crowdfunding-Kunden, von denen es durchaus einige gibt, kaum akzeptieren. Es bleibt also spannend im Münchner Norden.

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