1. 24auto
  2. News

Sono Sion sichert sich Großauftrag: Abo-Anbieter Finn kauft fünfstellig

Erstellt:

Von: Marcus Efler

Kommentare

Sono Motors bereitet sich auf die Serienproduktion seines Solarautos Sion vor. An interessierten Kunden herrscht kein Mangel: Auch im Abo wird es den Öko-Stromer geben.

Update vom 9. September 2022, 7:00 Uhr: Nicht nur die Erstbesteller des Sono Sion warten sehnsüchtig darauf, dass sie das Solarauto endlich in Empfang nehmen können. Auch bei professionellen Flottenbetreibern scheint der nur in schwarz lieferbare Van aus München gut anzukommen: Finn, ein ebenfalls in der bayerischen Hauptstadt angesiedelter Auto-Vermittler, hat seine Order nun deutlich aufgestockt

Das Start-up bietet verschiedene Autos im Abo an, also deren monatsweise Nutzung für einen Alles-inklusive-Preis. Erfahrungsgemäß sind Kunden derartiger Firmen oft bereit, auch mal neue Marken und Antriebskonzepte auszuprobieren.

Insgesamt möchte Finn 12.600 Autos von Sono Motors abnehmen. Bereits 2020 hatte man sich auf 5.500 der Solarstromer geeinigt. Die Zahl der privaten Besteller ist mittlerweile auf 20.000 angestiegen.

Update vom 26. Juli 2022, 9:00 Uhr: Auf einer großen Freiluft-Party für ihre Community (also Kunden, die den Sion teils schon vor einigen Jahren bestellt und angezahlt haben) hat das Münchner Start-up Sono Motors die Serienversion seines Solarmobils enthüllt. Anders als bei klassischen Autoherstellern üblich, sprachen die Entwicklungsingenieure die noch bestehenden Mängel offen an.

So müssen die bislang ungenauen Spaltmaße bis zum Produktionsstart Ende nächsten Jahres nachjustiert werden. Auch erbringt das wegen Zuliefer-Problemen derzeit noch handgefertigte Akku-Pack aus Lithium-Eisenphosphat-Zellen noch nicht die volle Leistung.

Sono Sion: Serienversion enthüllt – 19.000 Käufer warten auf Produktionsbeginn

Die patentierten Solarpanels, die künftig auch auf Linienbussen zum Einsatz kommen sollen, liefern beim Sion innerhalb eines Tages Strom für ca. 35 Kilometer (Gesamtreichweite: über 300 km). Die Möglichkeit, die selbst erzeugte Energie in das häusliche und öffentliche Netz einzuspeisen, wird bei Serienstart noch nicht zur Verfügung stehen, soll aber später per Over-the-Air-Update nachgereicht werden.

Update vom 11. Juli 2022, 14:10 Uhr: Etwa 19.000 Bestellungen hat das Start-up Sono Motors mittlerweile für sein mit Solarzellen bestücktes Elektroauto Sion (hier geht’s zum Fahrbericht des Prototypen) eingesammelt. Der Verkaufspreis ist mittlerweile allerdings mehrfach gestiegen: Während die Erst-Besteller im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes noch (nach Anzahlung) für 25.500 Euro reservieren konnten, müssen Neukunden nun 29.900 Euro einkalkulieren – ursprünglich waren sogar mal unter 20.000 Euro geplant.

Auch der Starttermin der Serienproduktion wurde deutlich korrigiert. Von Ende 2019 ist er mittlerweile auf die zweite Jahreshälfte 2023 geschoben. Dann sollen die ersten Besteller zügig bedient werden. Allerdings sehen manche Branchenbeobachter bis dahin wieder finanzielle Probleme auf die Münchner zurollen: Denn trotz des Börsengangs wird die bisher gesicherte Finanzierung wohl nicht für den Serienstart ausreichen.

Sono Sion: Solar-Auto wird immer teurer – trotzdem schon 19.000 Bestellungen

Die ursprünglich geplante Fertigung im ehemaligen Saab-Werk in Trollhättan ist ebenfalls geplatzt, nachdem dessen chinesischer Investor in finanzielle Turbulenzen geraten war. Nun soll der schwedische Auftragsfertiger Valmet in sieben Jahren 257.000 Autos bauen.

Serienversion des 
Solarautos Sono Sion.
Endgültiges Design: Die Serienversion des Sono Sion. © Martin Meiners

Erstmeldung vom 3. Juni 2021, 11:41 Uhr: München – Das Konzept dieses kleinen Vans verkörpert für viele das optimale Elektroauto: Mit 4,30 Metern Länge handlicher als ein VW Golf, genug Platz für fünf Leute plus viel Gepäck, mit 1.400 Kilo nicht allzu schwer. 120 Kilowatt (163 PS) und 255 Kilometer Reichweite sind mehr als genug für die tägliche Pendelei und auch mal einen längeren Ausflug. Zumal ein außergewöhnliches Bauteil auf dem Dach noch den Ladestand der Akkus erhöhen kann: große Solarmodule. (Volkswagen nimmt VW e-up! vom Markt – Mega-Lieferzeiten für E-Autos)

Sono Sion: Hat das günstige Solar-Auto aus München eine Chance?

Diese sind sicher der wichtigste Unterschied zur etablierten, gerade stark wachsenden Konkurrenz der Akku-Mobile – technisch betrachtet. Doch am Sono Sion ist noch mehr ungewöhnlich: Sein Hersteller, das Start-up Sono Motors aus dem Münchner Norden, finanziert das Projekt teilweise über Crowdfunding und hat bereits mehr als 13.000 Kunden eingesammelt, die durchschnittlich 3.000 Euro investiert haben. Geführt wird die Firma mit 140 Mitarbeitern von den jungen Gründern Laurin Hahn und Jona Christians. Produktionsvorstand ist Thomas Hausch, ein erfahrener Haudegen, der schon bei Nissan und Chrysler unter Vertrag stand. Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg entwickelte mit seiner Firma das Fahrwerk. Auch ein renommierter Auftragsfertiger ist an Bord: Nevs, hervorgegangen aus der Konkursmasse der schwedischen Autolegende Saab, will in deren ehemaligem Werk Trollhättan bis zu 260.000 Sono jährlich fertigen. (Elaris Finn: Elektrozwerg aus China soll Deutsche begeistern – mit Tiefstpreis)

Interieur des Sono Sion
Funktional und digital: Das Interieur des Sono Sion. © Sono Motors

Sono Sion: Auch Carsharing-Modell per App in Planung

So weit, so vielversprechend. Trotzdem hat Sono schon ein echtes Drama aufgeführt: Nach der Trennung von einem Großinvestor stand man Ende 2019 schon mal mit einem Rad in der Pleite, bevor in letzter Sekunde eine schwedische Bank mit 43 Millionen Euro einstieg. Das Geschäftsmodell wurde noch mal überarbeitet und steht mittlerweile auf drei Beinen: Neben den Autos verkaufen die Münchner nun auch ihre patentierte Solar-Technologie, mit Lkw-Hersteller MAN wird schon verhandelt. Darüber hinaus plant Sono ein Carsharing-Modell, bei dem Sion-Eigner ihre Autos per App vermieten können. (Ist dieser Smart noch smart? Das neue Modell erzürnt Fans)

Sono Sion: Der Preis von 25.500 Euro ist eine echte Kampfansage

Weiterer Clou: Das Fahrzeug dient nicht nur zum Fahren, sondern auch als kleines Solarkraftwerk, das seine gespeicherte Energie ins Stromnetz oder andere Auto-Akkus einspeisen kann. Quasi als Starthilfe für das Elektro-Zeitalters. So wird der Sion zu einem rollenden Tausendsassa – umso mehr verblüfft sein Preis. Der beträgt nämlich nur 25.500 Euro. Aber bevor Fans kleiner Elektro-Autos im Geiste schon den Umweltbonus von 9.670 Euro abziehen: Genau darin liegt das wohl größte Problem dieses Projekts. (Preise für E-Autos geschönt: Mit diesem Trick mogeln Händler – jetzt gibt’s Ärger)

Sono-Gründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn
Sono-Gründer Jona Christians (li.) und Laurin Hahn © Sono Motors GmbH

Sono Sion: Umweltbonus schwierig, weil knapp kalkuliert

Denn damit Käufer den staatlichen Anteil von 6.000 Euro einkassieren können, muss der Hersteller den Netto-Listenpreis seinerseits mit 3.000 Euro (inklusive Mehrwertsteuer also 3.570 Euro) subventionieren. Und das ist bei dem knapp kalkulierten Sono schlicht nicht drin. Ohne Förderung aber wäre das Solar-Auto für den Kunden gut doppelt so teuer wie beispielsweise ein subventionierter Dacia Spring oder andere City-Stromer, die Autokonzerne für die nächsten Jahre planen. Viele Interessenten würden dann möglicherweise doch eher zu einer renommierten Marke greifen, Solardach und Sharing-App hin oder her. Schon kursieren in den einschlägigen Foren Ideen, beispielsweise den Sion einfach pro forma um 3.000 Euro zu verteuern, um diese in Deutschland dann gleich wieder abzuziehen. Das allerdings würden ausländische Crowdfunding-Kunden, von denen es durchaus einige gibt, kaum akzeptieren. Es bleibt also spannend im Münchner Norden.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant

Kommentare