Mit eingeschaltetem „Autopilot“

Tesla-Fahrer (20) schläft bei voller Fahrt – „Stoppt selbstfahrende Autos!“

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Schon wieder hat ein Tesla-Fahrer die „Autopilot“-Funktion grundlegend missverstanden – und sich bei voller Fahrt einfach schlafen gelegt. Nun muss er vor Gericht.

Ponoka (Kanada) – Vermutlich haben die Beamten der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) – übersetzt: „Königlich kanadische berittene Polizei“ – ihren Ohren kaum getraut, als dieser Hinweis einging: Auf dem Highway 2 in der Nähe des Städtchens Ponoka (Provinz Alberta) sei ein Tesla Model S mit 140 Sachen unterwegsohne Fahrer! Beide Sitze des Tesla waren voll umgeklappt und die Insassen schliefen ganz offensichtlich. Gelenkt wurde das Auto ausschließlich von Teslas berühmt-berüchtigten „Autopilot“-System. (Tesla kracht im „Autopilot“-Modus in Polizeiauto – das machte der Fahrer währenddessen)

Tesla-Fahrer (20) schläft bei voller Fahrt – „Wie kann jemand einer Maschine vertrauen?“

Ein RCMP-Beamter entdeckte das Fahrzeug schließlich und nahm die Verfolgung auf. Als er das Blaulicht einschaltete, begann der Tesla plötzlich zu beschleunigen. Dies geschah offenbar, weil die vorausfahrenden Fahrzeuge dem Model S den Weg frei machten. Bei einer Radarmessung stellte der Polizist fest, dass das Model S automatisch auf exakt 150 km/h beschleunigt hatte. Der Beamte stoppte den Tesla – wie genau er das tat, ist nicht bekannt. Bei dem Fahrer handelte es sich um einen 20-jährigen Mann aus der benachbarten Provinz British Columbia. (Tesla-Chef Elon Musk zum Autopilot-Urteil: „Es ist idiotisch“)

Wie es im Polizeibericht heißt, bekam der Tesla-Fahrer einen Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens aufgebrummt, zudem wurde sein Führerschein wegen „Müdigkeit am Steuer“ für 24 Stunden eingezogen. Doch nun droht dem leichtsinnigen jungen Mann aber noch mehr Ärger. Wie die RCMP mitteilte, muss sich der 20-Jährige ab Dezember vor Gericht verantworten. Gegen ihn wird Anklage wegen „gefährlichen Fahrens" erhoben. (Elon Musk testet selbst neuesten Tesla-Autopiloten – „Fast ohne Eingriff ...“)

Tesla-Fahrer schläft während der Fahrt: „Es ist kein selbstfahrendes Auto ...“

Vermutlich hat der Fahrer das Sicherheitssystem des Tesla in irgendeiner Form umgangen – denn eigentlich muss der Fahrer immer wieder das Lenkrad berühren, damit der „Autopilot“ aktiv bleibt. Zeitweise war in Online-Shops eine Vorrichtung namens „Autopilot Buddy“ erhältlich, die – am Lenkrad angebracht – das System täuschte und den „Autopilot“ aktiv hielt. Manche Tesla-Besitzer basteln sich auch selbst Gerätschaften, die den „Autopilot“ am Laufen halten. Dass die Bastler dabei nicht nur mit ihrem Leben spielen – sondern auch mit dem anderer Verkehrsteilnehmer –, scheint ihnen nicht bewusst zu sein. (Tesla: Spektakulärer Crash in Taiwan wirft Fragen auf – hat der Autopilot versagt?)

Mit Teslas „Autopilot“ kommt es immer wieder zu solchen Vorfällen – und manchmal sogar zu schlimmen Unfällen. Viele Tesla-Fahrer überschätzen das System – wohl auch aufgrund des irreführenden Namens. Es handelt sich dabei eben nicht um System, dass ein Auto in ein autonomes Fahrzeug verwandelt, sondern nur um ein Fahrerassistenzsystem, das ständig von einem Menschen überwacht werden muss. Auch die kanadische Polizei betont das in ihrer Meldung zu dem Fall: „Es ist kein selbstfahrendes Auto, der Fahrer ist immer noch in der Verantwortung.“ (Tesla Model 3 verliert dieses Bauteil in Pfütze – „wie ein riesiger Fallschirm“)

Tesla-Fahrer schläft während der Fahrt: „Fahrzeug beschlagnahmen, Führerschein einziehen“

Unter dem Facebook-Post der kanadischen Polizei zu dem Vorfall finden sich viele wütende Kommentare anderer Verkehrsteilnehmer:

  • „Stoppt selbstfahrende Autos! Fahren ist eine ernste Angelegenheit! Wenn Sie nicht willens sind, einer Zwei-Tonnen-Maschine ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen [...], dann halten Sie sich von der Straße fern.“
  • „Wie kann jemand einer Maschine vertrauen und sich schlafen legen? Das ist furchterregend.“
  • „Fahrzeug beschlagnahmen, Führerschein einziehen. Warum müssen so viele Leute sterben, bevor man zu abschreckenden Maßnahmen greift?“
  • „Tut mir leid, das ist lächerlich. So jemandem gehört eine hohe Geldstrafe aufgebrummt und dazu der Führerschein weggenommen.“
  • „Führerscheinentzug auf Lebenszeit. Das ist so verdammt gefährlich.“

Doch nicht alle Kommentatoren sehen das so. Einer schreibt: „Wenn ihr schon jemals in einem Tesla gefahren wärt, würdet ihr das verstehen. Ich glaube zwar nicht, dass ich mich darin schlafen legen würde, aber das Auto ist ein besserer Fahrer als die meisten Autofahrer, die auf den Straßen unterwegs sind.“

Rubriklistenbild: © Royal Canadian Mounted Police Alberta

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