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Polizist als menschliche Rettungsgasse: Er läuft kilometerweit vor Krankenwagen her

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Von: Christian Schulz

Als ein Rettungswagen in der Rushhour feststeckt, reagiert ein Polizist unverzüglich: Er bahnt eine Rettungsgasse für den Krankenwagen und läuft kilometerweit vor ihm her.

Hyderabad (Indien) – An einem geschäftigen Spätnachmittag, also mitten zur Rushhour des Berufsverkehrs, bahnte sich ein Krankenwagen hilflos seinen Weg durch den Verkehrsdschungel der südindischen Metropole Hyderabad (ca. 7 Mio. Einwohner). An Bord des Rettungsfahrzeugs befand sich ein schwerkranker Patient, dessen einzige Überlebenschance darin bestand, so schnell wie möglich in ein Krankenhaus gebracht zu werden – während der gefürchteten Hauptverkehrszeit mit ihren unzähligen und kilometerlangen Staus ein Ding der Unmöglichkeit.

Eine belebte Straße am Charminar in Hyderabad (Symbolbild)
Hektisch und chaotisch wie hier am Charminar-Torbau geht es in Hyderabad vielfach zu – keine leichte Aufgabe für Verkehrspolizisten. (Symbolbild) © imago images/imagebroker

Polizist bildet Rettungsgasse zu Fuß – und läuft kilometerweit vor Krankenwagen her

Zum Glück des in Lebensgefahr schwebenden Kranken erkannte der lokale Verkehrspolizist G. Babji den Ernst der Lage sofort. Nach kurzer Rücksprache mit den Rettungskräften überlegte er nicht lange, sondern reagierte blitzschnell. Der Polizeibeamte der „Hyderabad Traffic Police“ begann, zu Fuß vor dem im Verkehrschaos feststeckenden Krankenwagen herzulaufen – und diesem lautstark dirigierend den Weg freizumachen. Es handelte sich dabei im wahrsten Sinne des Wortes um den einzigen Ausweg: Denn von einer Rettungsgasse scheinen die indischen Verkehrsteilnehmer noch nie etwas gehört zu haben. (Verrückteste Straßenkreuzung der Welt: „Um da rüberzukommen ...“)

Durch ein kurzes Video, das sein oberster Vorgesetzter, der Hyberabader Police Commissioner Anjani Kumar auf Twitter teilte, wurde Babjis vorbildliches Verhalten nun berühmt. In dem Clip, der mit dem Smartphone aus dem Krankenwagen heraus gefilmt wurde, sieht man, wie der Verkehrspolizist sich durch das Wirrwarr kämpft. Er rennt an Autos, Motorrädern und Fußgängern vorbei, um irgendwie einen Weg für das Rettungsfahrzeug hinter ihm zu schaffen. Der kurzentschlossene Polizist lief am Ende mehr als zwei Kilometer weit zu Fuß – um das Leben eines ihm völlig Fremden zu retten, den er wahrscheinlich niemals treffen wird. Was für ein großartiges Beispiel an uneigennütziger Hilfsbereitschaft. („Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers erlebt Horror-Nacht: Zehn Stunden im Stau festgesessen)

Polizist bildet Rettungsgasse zu Fuß – auf Autobahnen ist sie überlebenswichtig

In Notfällen im Straßenverkehr Hilfe leisten können wir alle. Und das mit weit weniger Aufwand. Denn was im indischen Hyberabad nicht üblich und kaum möglich zu sein scheint – das sollte bei uns selbstverständlich sein: Nämlich dass wir im Falle eines Unfalls mit möglicherweise verletzten Personen so schnell es geht eine möglichst breite Rettungsgasse bilden. Damit die Einsatz- und Rettungskräfte zügig zum Unfallort gelangen können. Das alles kostet nur ein wenig Aufmerksamkeit und vielleicht etwas Geduld – für Menschen, die vielleicht um ihr Leben kämpfen, zählt aber buchstäblich jede Sekunde.

Leider kommt es aber auch bei uns noch immer vor, dass Verkehrsteilnehmer die Rettungsgasse nicht – oder zu spät – bilden. Unfallforscher Markus Egelhaaf von der Prüfgesellschaft Dekra erklärt, was Fahrer tun können, damit im Notfall keine Zeit verloren geht: „Viele Autofahrer bilden die Rettungsgasse erst dann, wenn sich Rettungsfahrzeuge von hinten nähern. Das ist aber zu spät.“ Stattdessen müsse man schon eine Gasse freihalten, sobald Fahrzeuge nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Werde die Gasse erst bei stehendem Verkehr gebildet, gehe durch Rangieren und fehlenden Platz meist entscheidend Zeit verloren. (City-Maut auch bei uns? „Pöbel soll in überfüllte Busse und Bahnen“)

In unserem Serviceartikel „Rettungsgasse: So wird die Fahrspur für Einsatzkräfte korrekt gebildet“ erklärt Egelhaaf, dass Staus in zweispurigen Autobahn-Baustellen besonders schwierig für Autofahrer und Rettungskräfte sind: „Deshalb müssen Autofahrer an den Engstellen auf zwei Punkte achten: Erstens so weit wie möglich nach links oder rechts an den Rand fahren. Zweitens unbedingt möglichst große Lücken lassen – damit ausreichend Rangierfläche bleibt und Einsatzfahrzeuge durchkommen können.“

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