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Prozess gegen Ex-VW-Chef Winterkorn geplatzt: „Da scheppert nix“ – das legendäre Video

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Von: Sebastian Oppenheimer

Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn (73) ist im ersten Prozess wegen des Dieselskandals fein raus: Das Gericht hat das Verfahren eingestellt. Die Szene eines Messerundgangs macht ihn zur YouTube-Legende.

Update vom 15. Januar 2020, 12:58 Uhr: Nach Einstellung des Strafverfahrens gegen die aktuelle VW-Spitze wegen Marktmanipulation im Dieselskandal ist auch der entsprechende Prozess gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn eingestellt worden. Wie das Landgericht Braunschweig mitteilte, halte man am geplanten Betrugsprozess gegen Winterkorn wegen manipulierter Diesel-Abgaswerte allerdings nach wie vor fest.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die mögliche Strafe, die auf Winterkorn schon in dem Betrugsverfahren zukommen könnte, deutlich höher sein dürfte als beim Vorwurf einer zu späten Information der Finanzwelt über die Folgen der gefälschten Emissionsdaten der Fahrzeuge. Der ehemalige Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn war - ebenso wie der heutige VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und der aktuelle VW-Vorstandschef Herbert Diess - im September 2019 wegen Marktmanipulation angeklagt worden. Die Ermittler warfen allen Angeklagten vor, gemeinschaftlich Anleger gezielt zu spät über die finanziellen Risiken der Abgasaffäre ins Bild gesetzt zu haben. Nachdem die illegalen Manipulationen an Millionen Dieselmotoren im September 2015 öffentlich bekannt geworden waren, stürzte der Aktienkurs von Volkswagen zeitweise dramatisch in den Keller. (Mit Material der dpa)

Update vom 24. September 2020, 12:50 Uhr: Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn muss auch wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation vor Gericht. Dies teilte die zuständige Kammer des Landgerichts Braunschweig am Donnerstag mit. Damit wird es nicht nur in einem parallelen Betrugsverfahren, sondern auch aufgrund von mutmaßlich zu später Information von Anlegern im Dieselskandal einen Strafprozess gegen den Ex-Manager geben. (Mit Material der dpa)

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und die Szene aus dem berühmten YouTube-Video.

Martin Winterkorn: Das Landgericht Braunschweig hat die Betrugsanklage gegen den Ex-VW-Chef zugelassen. © Bernd von Jutrczenka/dpa/YouTube (Sidacla)

Erstmeldung vom 9. September 2020, 17:09 Uhr: Braunschweig – Fünf Jahre – so lange ist es inzwischen her, dass der Dieselskandal (Dieselaffäre: So lange soll der Mammutprozess gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler dauern) bekannt wurde. Doch erst jetzt nähern sich die juristischen Einschläge der ehemaligen Konzernspitze. Das Landgericht Braunschweig hat nun die Anklage gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn zugelassen. Wie das Gericht mitteilte, bestehe ein hinreichender Tatverdacht gegen den inzwischen 73-Jährigen „wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“. Wann der Prozess gegen den einstigen Top-Manager startet, ist noch unklar. Während Martin Winterkorn (meist „Wiko“ genannt) bei vielen Mitarbeitern im VW-Konzern – ähnlich wie der damalige VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch (82, † 2019) – gefürchtet war, kannten viele Jüngere den damaligen VW-Boss vor allem wegen eines YouTube-Videos. Aufgenommen wurde das knapp viereinhalb Minuten lange Filmchen auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt im Jahr 2011.

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn: Mit dieser Szene wurde er zur YouTube-Legende

Messerundgänge angeführt von der VW-Spitze – inklusive großer Gefolgschaft – waren damals Standard. Von ganz besonderem Interesse war im Herbst 2011 der neue Hyundai i30 – also ein direkter Konkurrent des Bestsellers VW Golf. Zu Beginn zeigt besagtes YouTube-Video Martin Winterkorn bei der Inspektion der Heckklappe des koreanischen Kompaktfahrzeugs. Danach marschiert der Top-Manager im Zweireiher einmal um das Fahrzeug herum und nimmt auf dem Fahrersitz Platz – der Filmer nutzt die Gelegenheit, und entert das Fahrzeug auf der Rückbank. Martin Winterkorn schaut sich um, befühlt mit den Händen die Oberflächen der im Innenraum verbauten Materialien. Kurz sieht man, wie Luca de Meo (53, inzwischen Renault-CEO, damals VW-Marketing-Chef) seinen Kopf hineinstreckt – doch der VW-Chef verlangt nach jemand anderem: „Bischoff!“. Klaus Bischoff – mittlerweile heißt er nach seiner Hochzeit Klaus Zycoria (59) – ist Chefdesigner des gesamten VW-Konzerns, damals war er zuständig für die Autos der Marke VW. (Herbert Diess nach Treffen mit Elon Musk zu Gerüchten: „Nur um das klarzustellen ...“)

Hier ist das Video, mit dem Martin Winterkorn auf YouTube zur Legende wurde:

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn auf der IAA 2011: „Da scheppert nix“

Klaus Bischoff tritt wie befohlen heran. Martin Winterkorn betätigt den Hebel der Lenkradverstellung. Die Lage scheint ernst, genauso wie die Miene des VW-Chefs. „Da scheppert nix“, motzt „Wiko“ knapp. Heißt im Umkehrschluss natürlich, dass das Teil bei VW offenbar klappert. Auch Klaus Bischoff klappt den Hebel nun hoch und runter, nimmt die Vorrichtung in Augenschein. Der VW-Chef scheint, so langsam in Rage zu geraten. „Der BMW kann‘s nicht. Wir können‘s nicht ...“ Er wartet auf Erklärungen. Klaus Bischoff versucht es: „Wir hatten ja mal eine Lösung gehabt, aber die war zu teuer [...]“ Doch Martin Winterkorn befriedigt diese Aussage nicht im Geringsten. „Warum kann‘s der?“, wirft er ziemlich genervt noch mal in die Runde. Die Antworten bleiben aus. Lieber lassen die Begleiter den geladenen VW-Chef weiter alleine über den Hyundai i30 sinnieren. (Hyundai i30 1.5 T-GDI: Gut motorisiert, viele Helferlein – doch eine Sache ist unzeitgemäß)

Martin Winterkorn und der Hyundai i30: Video zeigt Detail-Versessenheit des Top-Managers

Martin Winterkorn setzt seine Inspektion des Hyundai i30 fort, verlangt nach einem Meterstab. Sein Nebenmann muss etwas ausmessen. „Wiko“ nimmt das Auto weiter unter die Lupe, unter anderem die Sonnenblende. Schließlich steigt er aus, und vermutlich sind seine Begleiter heilfroh, dass das Thema Lenkradverstellung erst mal beendet ist. (Diesel-Skandal: 200.000 neue Fahrzeuge unter Verdacht – um diese Marken geht’s)

Mehr als zwei Millionen Mal wurde das längst legendäre YouTube-Video inzwischen angesehen. Beim Konkurrenten Hyundai dürfte man sich über diese Gratis-Werbung vom VW-Chef persönlich begeistert die Hände gerieben haben. Vor allem aber zeigt das Video eines: Die extreme Detail-Versessenheit von Martin Winterkorn. Diese könnte ihm in einem Prozess möglicherweise noch zum Verhängnis werden. Er hat bislang immer erklärt, erst im September 2015 von den Abgas-Manipulationen erfahren zu haben. (Mit Material der dpa)

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