Alles andere als begeistert

JP Kraemer nimmt Rolls-Royce Wraith unter die Lupe – sein Urteil: „Das Geld nicht wert“

JP Kraemer steht mit Regenschirm vor einem Rolls-Royce Wraith.
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JP Kraemer hat einen Rolls-Royce Wraith getestet – und dabei scharf kritisiert.
  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Tuner-Ikone JP Kraemer hat sich einen Rolls-Royce Wraith genauer angesehen – bei seiner Bewertung kommt das Nobel-Coupé der BMW-Tochter allerdings überhaupt nicht gut weg.

Dortmund – Okay, so ein richtig großer Rolls-Royce-Fan scheint Jean Pierre „JP“ Kraemer (40) nicht zu sein: Schon beim Rundgang um das Fahrzeug bezeichnet der Tuner die weltberühmte Kühlerfigur als „Ecstasy irgendwas“. Später wird er erfahren, wie die Figur richtig heißt, nämlich „Spirit of Ecstasy“ – manchmal auch „Emily“ genannt. Der Rolls-Royce Wraith (aus dem Jahr 2016, V12-Biturbo, 632 PS), den der Tuner für seine noch ziemlich junge YouTube-Reihe „Ihr fragt, Ich fahre“ testet, gehört einem Kumpel des 40-Jährigen: Andreas Belzek, dem Chef von Prior Design.

JP Kraemer nimmt Rolls-Royce Wraith unter die Lupe – sein Urteil: „Das Geld nicht wert“

Der Preis des noblen Briten ist alles andere als günstig: 311.000 Euro koste der Rolls-Royce Wraith in der Basis, so der YouTuber. Das spezielle Fahrzeug, das JP Kraemer testet, schlug angeblich einst mit satten 360.000 Euro zu Buche. Gleich zu Beginn des Videos hat JP Kraemer ein paar lobende Worte für den Briten übrig: Ihm gefallen die leichtgängige Lenkung, der Sternenhimmel, die Suicide-Doors sowie die dicken Lammfell-Fußmatten („Als ob ein Bär im Fußraum liegt“). Und er findet: „Die Sitzheizung ist, glaube ich, angeschlossen an ein Kernkraftwerk – die wird sehr, sehr heiß.“ Ob das nun ein Lob ist, wird nicht ganz klar – dennoch war’s das dann allerdings auch schon ziemlich an Positivem, das der Dortmunder Tuner zum „Rolls“ zu sagen hat. (JP Kraemer fährt Dacia Duster: „Musste halt drehen, das Ding“)

JP Kraemer geht mit dem Nobel-Boliden hart ins Gericht: „Die Verarbeitungsqualität finde ich nicht so gut. Es wirkt sehr einfach gemacht“, erklärt der YouTube-Star. Zur Demonstration greift er an den Blinkerhebel: „Ich wüsste nicht, bei welchem Hersteller das Ding so klapprig und so wackelig ist.“ Er könne so etwas nicht nachvollziehen, schließlich gebe es für solche Fälle Abnahmefahrten. „Und ich würde als Fahrzeughersteller die Teile, mit denen mein Käufer immer in Kontakt ist, so wertig machen, wie es um Himmels willen nur geht. Und dazu gehört der Blinkerknopf.“ Dann klopft er an das Bedien-Panel am Fahrzeughimmel: „Das ist Plastik. Das ist einfach nicht schön!“ (Integrierter Geheimcode: Warum dieser Rolls-Royce Wraith Rätsel aufgibt)

JP Kraemer testet Rolls-Royce Wraith – überdurchschnittlich laute Windgeräusche

Und weiter geht’s: Die Musikanlage? „So richtig scheppern tut’s nicht“, befindet JP Kraemer. Auch das Hochdrehen des Bass-Reglers ändert seine Meinung nicht wirklich: „Über eine 3 kommt’s nicht hinaus.“ Die Anlage im Ford Explorer finde er besser, die Soundsysteme im Audi RS6 und Porsche Taycan seien „viel besser“. Auf der Autobahn sei ihm ein weiterer Kritikpunkt aufgefallen: Ab einer Geschwindigkeit von etwa 170 km/h gebe es im Innenraum überdurchschnittlich laute Windgeräusche zu hören. „Das ist nicht gut.“

Beim Wendekreis-Test ist ein dauerndes Piepen zu hören. „Der Park-Distance-Sensor ist defekt“, erklärt JP Kraemer. „Muss ein britisches Problem sein. Grüße gehen raus an McLaren!“ Denn der 40-Jährige hatte in der Vergangenheit auch mit den Parksensoren seines eigenen McLaren 720s massive Probleme. Man spüre im Rolls-Royce Wraith den BMW – schließlich ist der britische Hersteller eine Tochter der Münchner. Allerdings sei nicht einmal neueste BMW-Technik für ein 2016er-Auto verbaut – sondern relativ alte Technik. „Das ist einfach ein 2014er-Navi von einem BMW. Nichts anderes.“

Jean Pierre „JP“ Kraemer
BerufAutotuner, Gastronom, YouTuber, Museumsbetreiber
FirmenJP Performance, Big Boost Burger (beide in Dortmund)
Geburtstag12. September 1980 (Alter: 40)
GeburtsortPlettenberg (Nordrhein-Westfalen)
BuchIch bin Jean Pierre und angstgetrieben
FernsehsendungenDie PS-Profis – Mehr Power aus dem Pott, Turbo – Das Automagazin, 2 Profis für 4 Räder, JP Kraemer – Alles Auto
SchuleGesamtschule Gartenstadt

JP Kraemer testet Rolls-Royce Wraith – und empfiehlt stattdessen dieses Auto

Die entscheidende Frage, beantwortet JP Kraemer ziemlich deutlich: Ist das Auto den Preis wert? „Hundert Prozent: nein. Das ist meine ehrliche Meinung. Das Geld ist es nicht wert.“ Über seine Empfehlung stattdessen dürfte man sich in Stuttgart freuen: Er finde, als ein komfortables Auto, das sehr viel biete, sei eine Mercedes-Benz S-Klasse sehr schwer zu schlagen. Wobei auch das Stuttgarter Flaggschiff beim Tuner nicht ungeschoren davonkommt: Die neue S-Klasse sehe von hinten nicht standesgemäß aus, „nicht erhaben genug.“

In den Kommentaren zu dem Video geht es aber zum Großteil um etwas ganz anderes – nämlich das extravagante Innenraumdesign des getesteten Rolls-Royce Wraith durch Prior, das nicht wirklich gut wegkommt:

  • „Den Innenraum hätten sie mal lieber Serie gelassen!“
  • „Die Sitze sehen aus wie Zehn-Euro-Bezüge von Wish.“
  • „Der Innenraum sieht aus wie das Gaming-Zimmer von einem 14-Jährigen.“
  • „Beim Innenraum muss man wirklich sagen: ‚Geschmack kann man sich nicht kaufen.‘“
  • „Wie kann man den Innenraum so grausam designen?“

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