Nach Raser-Fahrt

Kuriose Wende bei JP Kraemer (142 km/h): Den Bußgeldbescheid hat er ...

Jean Pierre Kraemer vor einem Nissan Skyline
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JP Kraemer und die schnellen Autos: Doch diesmal hat er wirklich übertrieben.
  • Jan Schmidt
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Der YouTuber JP Kraemer (40) ist mit einem Porsche Taycan Turbo S 142 km/h statt 50 km/h innerorts gefahren. So frech reagiert der Tuner auf den Bußgeldbescheid.

Olpe – Ende Juni hat der Moderator („JP Kraemer – Alles Auto“), Unternehmer (JP Performance), Autor („Angstgetrieben“) und YouTuber Jean Pierre „JP“ Kraemer ein Video hochgeladen, das ihn bei einer Testfahrt mit einem Porsche Taycan Turbo S zeigt. Nach einem Termin bei H&R Spezialfedern lädt der 40-Jährige einen Mitarbeiter der Firma ein, um ihm die enorme Beschleunigung dieses Elektro-Boliden zu demonstrieren. (JP Kraemer mit 142 km/h innerorts: Staatsanwaltschaft verkündet Hammer-Entscheidung)

JP Kraemer zu schnell (142 km/h): Irre Wende – das macht er mit dem Bußgeldbescheid

Beim Porsche Taycan Turbo S handelt es sich um eines der spurtstärksten Fahrzeuge, das es momentan zu kaufen gibt. Das knapp 200.000 Euro teure Elektroauto hat eine Leistung von 761 PS und 1.050 Newtonmeter Drehmoment. Damit stürmt der Viertürer in 2,8 Sekunden auf Tempo 100. Für den Sprint aus dem Stand auf 200 km/h benötigt der Taycan Turbo S nur 9,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 260 km/h. (JP Kraemer: So „billig“ will ihn die Bußgeldstelle davonkommen lassen)

Für die kleine Spritztour nimmt der Kameramann im Fond Platz, der H&R-Mitarbeiter steigt auf der Beifahrerseite ein und JP Kraemer setzt sich natürlich hinters Steuer. Kaum ist das Trio vom H&R-Betriebsgelände runter, geht es auch schon los. JP beschleunigt kurz, aber heftig, und schnell stehen 142 km/h auf dem digitalen Tacho. Das Problem dabei ist, dass das Ganze nicht auf einer Rennstrecke passiert, sondern auf der Hauptstraße von Lennestadt (Sauerland). Und hier gilt Tempo 50. Doch JP pilotiert den Taycan mit mehr als 90 km/h zu viel an einem Fußgängerüberweg und einer Straßeneinmündung vorbei. (JP Kraemer: Muss er nach Vollgas-Fahrt für zwei Jahre in den Knast?)

Nachdem das Video auf seinem YouTube-Kanal zu sehen war, gingen fast 20 Anzeigen bei der zuständigen Polizeidienststelle in Olpe ein. Zwar löschte JP die Sequenz bald darauf, doch bei Twitter ist der entsprechende Ausschnitt bis heute zu sehen.

JP Kraemer zu schnell (142 km/h): War es ein illegales Autorennen als „Allein-Raser“?

Durch die Anzeigen wurde die Staatsanwaltschaft Siegen auf die Fahrt aufmerksam und nahm Ermittlungen auf. Es stand der Vorwurf im Raum, dass JP als sogenannter „Allein-Raser“ an einem illegalen Autorennen teilgenommen hat. Im entscheidenden § 315d des Strafgesetzbuches heißt es: „Wer sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ (JP Kraemer heizt im Porsche Taycan durch Ort: „Wie zum Teufel ...?“)

Eigentlich hatte JP mit dieser Fahrt alle Kriterien erfüllt: Er ist mit nicht angepasster Geschwindigkeit gefahren, hat sich damit verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt. Doch der Passus „um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“ war nicht erfüllt, da die Differenz zwischen der Höchstgeschwindigkeit des Porsche Taycan von 260 km/h im Vergleich zur tatsächlich erreichten Geschwindigkeit von 142 km/h zu groß sei. Mit dieser Argumentation empfahl das Amtsgericht Siegen der zuständigen Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen. Zerknirscht erklärte der Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Siegen, Patrick Baron von Grotthuss, gegenüber 24auto.de: „Das Verfahren wird eingestellt. Es liegt eine Auslegungsproblematik mit § 315d des Strafgesetzbuches vor.“ (JP Kraemer: Wie der Porsche-Raser auf die Hammer-Entscheidung reagiert)

JP Kraemer zu schnell (142 km/h): Bußgeldbescheid zugestellt – so reagiert JP

Um eine Verjährung zu vermeiden, übergab die Staatsanwaltschaft den Fall an die Bußgeldstelle in Olpe. Gegenüber 24auto.de erklärte der Pressesprecher der Bußgeldstelle Hans-Werner Voß: „Da der Tacho des Porsche kein amtlich geeichtes Messgerät ist, werden 20 Prozent von den abgelesenen 142 km/h abgezogen.“ Somit ergeben sich rechnerisch 113 km/h, also ein Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit von mehr als 60 km/h. Laut Bußgeldkatalog drohen JP Kraemer damit zwei Punkte in Flensburg, ein Bußgeld von 480 Euro und vor allem ein dreimonatiges Fahrverbot. (JP Kraemer: Schon zwei Verfahren eingestellt – VIP-Behandlung für den Promi-Raser?)

Diesen Bescheid hat die Bußgeldstelle JP Kraemer zugestellt. Doch der YouTuber zahlt nicht etwa reumütig und nimmt zähneknirschend die beiden weiteren Sanktionen (Punkte und Fahrverbot) in Kauf. Auf Nachfrage von 24auto.de gab Pressesprecher Voß jetzt bekannt: „Herr Kraemer hat gegen den Bescheid Einspruch eingelegt.“

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