„Dir wird richtig schlecht“

JP Kraemer: Nach Vollgas-Fahrt durch Ort – warum hat keiner was gesagt?

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Ein Video zeigt YouTuber, Fernsehmoderator und Tuner Jean Pierre „JP“ Kraemer, wie er in einem Porsche Taycan Turbo S innerhalb einer Ortschaft auf Tempo 142 beschleunigt. Mit im Fahrzeug sind mindestens zwei andere Personen – und sagen nichts ...

  • Ein Video zeigt, wie Jean Pierre „JP“ Kraemer (39) in einem Porsche Taycan mit 142 km/h durch die Ortschaft Lennestadt rast
  • Mindestens zwei Mitfahrer (ein Beifahrer und ein Kameramann) schweigen
  • Mittlerweile sind über 10 Anzeigen bei der Polizei eingegangen und die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt

Lennestadt – Fernsehmoderator und YouTuber Jean Pierre „JP“ Kraemer gibt gerne Gas. Das ist gut und schön so. Wir teilen seine Leidenschaft. Nur diesmal ist JP auf einer öffentlichen Straße und innerhalb einer geschlossenen Ortschaft zu weit gegangen. Bei einer Testfahrt mit einem Porsche Taycan Turbo S erreichte er 142 km/h. Dabei wurde er von der Rückbank gefilmt und lud das Video später auf seinen eigenen YouTube-Kanal hoch. Dass viele seiner Fans schockiert reagierten, schildert ruhr24.de.*

Im Internet sorgt das Video jetzt für viel Aufsehen. Die Kommentare im Netz sind verheerend. „Welche Polizeidienststelle ist dafür zuständig? Ich würde gerne Anzeige erstatten“, schreibt zum Beispiel Twitter-User DozEntchen. Das dachten sich wohl auch einige andere, denn inzwischen teilte der zuständige Polizeisprecher Michael Klein 24auto.de auf Anfrage mit, dass bereits über 10 Anzeigen eingegangen seien. Zudem konnte er bestätigen: Es läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Jean Pierre Kraemer. Die Staatsanwaltschaft Siegen wurde aktiv. Pressedezernent Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss: „Wir ermitteln gegen JP Kraemer wegen des Verdachts der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen.“ tz.de berichtete.*

Jean Pierre Kraemer drohen bis zu zwei Jahre Haft

Nach § 315d des Strafgesetzbuches ist bei einem Vergehen dieser Art als sogenanntem „Allein-Raser“ eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren möglich. Als Alternative könnte JP auch eine empfindliche Geldstrafe drohen. Ein Blitzer-Foto ist hier nicht nötig, das Video gilt als hinreichendes Beweisstück. Über die Rechtslage und die Aussagen von Justizrat Hans-Jürgen Gebhardt hatte 24auto.de berichtet. JP Kraemer selbst war für ein Interview mit 24auto.de nicht verfügbar.

Was stutzig macht, ist das Verhalten von Beifahrer und Kameramann. Wieso hielt es niemand für nötig, JP darauf hinzuweisen, dass sich das Fahrzeug innerorts befand? „Mach mal langsam“, hätte ja für den Anfang gereicht. Man möchte dem Beifahrer fast zurufen „Sag was! Sag was!“ Aber erst nach ein paar Sekunden mit 142 km/h innerhalb der Ortschaft kommt lediglich: „Dir wird richtig schlecht“. Das ist natürlich gar nichts. Stumm daneben zu sitzen, während mit 142 km/h durch eure Nachbarschaft gebrettert wird? Das ist schwach. Immerhin erfreulich, dass bei der gefährlichen Aktion im öffentlichem Raum niemand zu Schaden kam. (JP Kraemer: Schon zwei Verfahren eingestellt – Sonderbehandlung für den Promi-Raser?)

Jean Pierre Kraemer: Die Irsinns-Fahrt startete scheinbar auf dem Gelände einer bekannten Tuning-Firma

Am Anfang des Videos ist zu sehen, dass der Beifahrer eine H&R-Jacke trägt. Die Tuning-Firma „H&R Spezialfedern GmbH & Co. KG“ hat ihren Standort in Lennestadt und stellt dort sportliche Fahrwerkskomponenten her. Im Thumbnail des Videos sieht man das H&R-Logo an der Ausfahrt des Geländes, an einer Stelle im Video sieht man es an einer Halle. Offenbar befand man sich also auf dem Gelände des Unternehmens und der Beifahrer könnte ein Mitarbeiter sein.

H&R war gegenüber 24auto.de zu keiner Stellungnahme bereit. Es lässt sich also aktuell nicht nicht mit Bestimmtheit sagen, in welchem Verhältnis JP Kraemers Beifahrer zu dem Tuning-Unternehmen steht. *ruhr24.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch / dpa / YouTube (JP Performance)

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