Sollte Unfall geheim bleiben?

Oberbürgermeister von Plauen crasht Dienst-Audi – „ich hab halt geträumt“

Audi A6 Avant in einer Fahrszene, dazu der Oberbürgermeister von Plauen Ralf Oberdorfer als Einklinker (Symbolbild)
+
Der Oberbürgermeister von Plauen, Ralf Oberdorfer, baute einen Unfall in seinem Dienst-Audi – mit Totalschaden. (Symbolbild)
  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
    schließen

Er schrottete seinen Audi-Dienstwagen – doch das machte Ralf Oberdorfer (FDP), Oberbürgermeister von Plauen, nicht öffentlich. Erst auf Nachfrage rückte er damit raus.

  • Der Bürgermeister von Plauen hat seinen geleasten Audi A6 zu Schrott gefahren
  • Vom Unfall von OB Ralf Oberdorfer wurde öffentlich erst mal nichts bekannt
  • Auch die Anschaffung seines neuen Dienstwagens hatte er interessant begründet

Plauen – Es ist eine Polizeimeldung, die ziemlich alltäglich klingt – doch die Geschichte dahinter hat es in sich: „Schutzengel im Audi“ betitelten die Beamten einen Unfall, der sich bereits am 12. Juli gegen 16:10 Uhr in Oberpirk (Ortsteil der Gemeinde Rosenbach im sächsischen Vogtland) ereignete. Darin heißt es, ein 60-Jähriger sei mit seinem Audi in der Schleizer Straße aus „nicht bekannten Gründen“ nach rechts von der Fahrbahn abgekommen. „Der Audi fuhr im Seitengraben weiter, krachte über eine Schachtabdeckung und prallte gegen einen Telefonmast.“ Der Fahrer sei zum Glück nicht verletzt worden, am Audi sei ein Sachschaden von mehr als 42.000 Euro entstanden – dieser habe damit nur noch Schrottwert. Doch erst jetzt stellte sich heraus, wer da eigentlich hinterm Steuer saß ...

Oberbürgermeister von Plauen crasht Dienst-Audi – aber beichtet erst auf Anfrage

Grundsätzlich ist so ein Unfall natürlich nichts Außergewöhnliches. Allerdings gestand Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) erst jetzt auf Nachfrage der „Freien Presse“ ein, dass er selbst diesen Unfall mit Totalschaden hatte. Die Anschaffung seines neuen Leasing-Dienstwagen (ein Audi A6 Avant 55 TFSI e, Neupreis rund 71.000 Euro) begründete der OB der Zeitung gegenüber aber ganz anders: „Der Tausch des Fahrzeuges findet planmäßig jeweils nach zwölf Monaten statt. Durch die aktuelle ,Kaufflaute‘ wurden die Fahrzeuge dieses Mal in Absprache und gegenseitigem Einvernehmen schon nach acht Monaten gewechselt.“ Und dabei bleibt Ralf Oberdorfer laut dem Bericht auch: „Das neue Auto war schon vorher bestellt.“ Er habe eine Verpflichtungserklärung vorgelegt: Die sei vom 7. Mai, der Unfall ereignete sich neun Wochen später. Ein „G’schmäckle“ hat das Ganze trotzdem. (Audi A8 L Security – so sicher ist die Bundeskanzlerin in ihrem gepanzerten Auto)

Oberbürgermeister von Plauen crasht Dienst-Audi: „Was soll ich sagen? Ich hab halt geträumt“

Auf den Unfallhergang angesprochen sagte Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer der „Freien Presse“: „Was soll ich sagen? Ich hab halt geträumt.“ Seit 42 Jahren habe er keinen Unfall mehr gehabt. Er sei mit den rechten Rädern aufs Bankett gekommen und dann sei es passiert. Zu schnell sei er nicht gewesen, was eine hinter ihm fahrende Zeugin bestätigt habe. Der Airbag habe nicht ausgelöst, als er gegen den Telefonmast geprallt sei. „Den habe ich umrasiert“, so der OB. Laut dem Schadensgutachten, das dem Blatt vorliegt, hätten die Reparaturkosten bei 65.000 Euro gelegen – ein wirtschaftlicher Totalschaden also. (Böser Shitstorm gegen Audi: „Wir entschuldigen uns für dieses unsensible Bild“)

Oberbürgermeister von Plauen crasht Dienst-Audi: „Dann werden jetzt wohl zwei Verträge abbezahlt“

In den Kommentaren sind die Bürger wenig begeistert von dem Vorfall. „Ist beim Leasing natürlich ungünstig, wenn man einen Klumpen Altmetall zurückgibt ...“, schreibt jemand bei Facebook. „Dann werden jetzt wohl 2 Verträge abbezahlt“, kommentiert ein anderer. Doch die meisten User stören sich grundsätzlich daran, dass der Bürgermeister überhaupt so ein dickes Auto (Zwei Frauen klauen Audi SQ5 bei Probefahrt: Das macht die Suche so schwer) fahren muss. „Schönes Vorbild! Auch er kann mal in die Arbeit laufen. Es genügt auch ein kleines Auto“, schreibt eine Frau auf Facebook. Und eine andere Kommentatorin meint: „Gebrauchtwagen geht auch.“ Ist ja schließlich alles Steuergeld.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare