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Große, braune Verkehrsschilder: Das steckt hinter den XXL-Tafeln auf der Autobahn

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Von: Christian Schulz

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Eine braune „touristische Unterrichtungstafel“ am Rande der Autobahn bei Dresden
Immer öfter weisen Städte auf ihre schönsten Seiten hin – wie hier Dresden auf das klassische Panorama seiner Altstadt. © Arno Burgi/dpa

Wer auf Autobahnen unterwegs ist, hat sie sicher schon öfter bemerkt: Große, braune Hinweisschilder, die regionale Sehenswürdigkeiten zeigen. Das steckt dahinter.

München – Im Amtsdeutsch werden die braunen Hinweisschilder entlang der deutschen Autobahnen „touristische Unterrichtungstafeln“ genannt. An unzähligen Stellen der Republik weisen sie Autofahrer auf die lokalen Sehenswürdigkeiten und Highlights der jeweiligen Regionen hin. Für die einen handelt es sich bei den andersartigen Verkehrsschildern um Heimatkunde im Vorbeifahren oder zumindest gelungenes Marketing – für die anderen um einen weiteren Beitrag zum überhandnehmenden Schilderwald auf unseren Straßen.

Riesige braune Verkehrsschilder: Das steckt hinter den XXL-Hinweisen auf der Autobahn

Reisen bildet – nicht nur sprichwörtlich: Dass man gerade das Saarland streift, durch Thüringen fährt oder am Chiemsee vorbeikommt, wissen die allermeisten sicherlich. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte (A8) wird jedoch schon weniger Menschen ein Begriff sein – die Residenzstadt Greiz (A9) oder die Wallfahrtskirche Hessenthal (A3) dürften überregional gänzlich unbekannt sein. Die braunen Hinweisschilder auf Sehenswürdigkeiten am Rande der Autobahn sollen dies ändern. (Eigenartiger roter Punkt auf Verkehrsschild: Wissen Sie, was er bedeutet?)

Das Kuriose dabei ist: Kein Mensch weiß, wie viele dieser braunen Hinweise es überhaupt gibt. Denn deren Vorkommen wird bislang nirgendwo zentral erfasst. Man kann also nur rätseln, auf wie viele Sehenswürdigkeiten wir beim Autofahren aufmerksam gemacht werden sollen. Dieser bedauernswerte Umstand hat Professor Dr. Sven Groß, einen Tourismusforscher der Hochschule Harz, dazu motiviert, eine Studie anzufertigen. (Oranger Pfeil auf Autobahn: Was hat das auffällige Schild zu bedeuten?)

Ein Hinweisschild auf das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum an der Autobahn A43
An der Autobahn A43 weist ein braunes Hinweisschild auf das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum hin. © imago images/blickwinkel

Braune Schilder auf der Autobahn: Niemand weiß, wie viele Hinweisschilder es genau gibt

Bei seinen Recherchen ermittelte Groß mehr als 3.400 braune Hinweisschilder mit über 1.800 verschiedenen Motiven. Laut den Erkenntnissen des Wissenschaftlers ist bereits jeder Sechste von uns einem solchen Schild schon mal spontan gefolgt und hat das Ziel angesteuert. In Sachen Erinnerungsvermögen liegt der Wert noch höher: Hier gaben zwei von drei Befragten an, sich an Schilder, deren Aufstellort und auch die abgebildeten Sehenswürdigkeiten zu erinnern. (Sonderbares Verkehrsschild auf Autobahn in Schwarz-Weiß: Was bedeutet es?)

Das könnte durchaus daran liegen, dass die braunen Hinweistafeln mit ihrer weißen Aufschrift bewusst großzügig gestaltet sind. Die um die zehn Quadratmeter großen Schilder sind auch im Vorüberfahren kaum zu übersehen. Beginnt man, auf sie zu achten, ist ihre Zahl beeindruckend: Fährt man beispielsweise auf der A9 von Berlin nach München, dann liegen zwischen der Hauptstadt und der bayerischen Metropole rund 530 Autobahnkilometer – und mehr als hundert „touristische Unterrichtungstafeln“. (Oranges, rundes Schild mit Zahlen und Pfeilen: Was will uns dieses Verkehrszeichen sagen?)

Vor allem im Süden Deutschlands ist die Konzentration der braunen Hinweisschilder am höchsten. Allein in Bayern zählte Groß in seiner Studie 836 Schilder. Das allererste Verkehrsschild dieser Art wurde im Jahr 1983 in Baden-Württemberg aufgestellt – es sollte auf die Burg Teck bei Kirchheim unter Teck nahe Stuttgart hinweisen. Damals gab es für die Frequenz der Schilder noch eine strikte Regel: Die braunen Tafeln sollten maximal alle 20 Kilometer errichtet werden und lediglich auf Kulturdenkmäler oder Landschaften hinweisen, die man von der Autobahn aus sehen konnte. Heutzutage sind die Behörden großzügiger. (Auto-Wissen Fehlanzeige: Kennen auch Sie ihr eigenes Fahrzeug nicht?)

Ein braunes Hinweisschild für Porsche-Museum und Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart
Braune Hinweisschilder weisen auf den umliegenden Autobahnen auf kulturelle und touristische Highlights der jeweiligen Region hin. © imago images / PPfotodesign

Braune Schilder auf der Autobahn: Wer sie beantragt und wer sie genehmigt

Nach Angaben des ADAC sind für die Genehmigung der Sehenswürdigkeits-Schilder die einzelnen Bundesländer zuständig. Diese nutzen dafür die „Richtlinien für touristische Hinweise an Straßen“ aus dem Jahr 1988. Wie der Automobilclub schreibt, legt in der Regel „eine eine Kommune einen Entwurf vor und muss ihn sich von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde genehmigen lassen“. Aber auch Verbände und Organisationen sowie in Ausnahmefällen kommerzielle Anbieter können Anträge stellen. (Moderne Navis: Die neuesten Systeme beziehen sogar diese Verkehrszeichen mit ein)

Liegt ein Antrag vor, müssen die Landesbehörden für Straßenbau und Verkehr prüfen, ob es sich tatsächlich um ein touristisch bedeutsames Ziel handelt. Zu diesen zählen neben den UNESCO-Welterbestätten und Baudenkmälern auch Naturparks, Kriegsgräberstätten und Freizeitparks.

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