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Audi: Streit mit Flut-Helfer – Testwagen zu Hochwasserhilfe missbraucht?

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Von: Marcus Efler

Zoff um Flut-Hilfe: Ein YouTuber packt mit einem teuren Audi RS 6 Avant bei der Hochwasserhilfe mit an. Der Autohersteller ist erzürnt und meckert.

Nürburg (Eifel) – Ein Auto ist zum Benutzen da. Vor allem wenn es sich um einen praktischen Kombi handelt. Selbst dann noch, wenn es sich eigentlich um ein teures, hochmotorisiertes Sportmodell wie den 600 PS starken Audi RS 6 Avant handelt. Dachte sich jedenfalls Misha Charoudin, ein in Russland geborener, heute in der Eifel nahe dem Nürburgring lebender YouTuber. Und benutzte das Fahrzeug. Und zwar richtig – und noch dazu sozial superkorrekt. (Audi RS 3: Kompaktsportler kommt mit verändertem Allradantrieb – und 400 PS)

Audi: Streit mit Flut-Helfer – Testwagen zu Hochwasserhilfe missbraucht?

Eigentlich hatte Charoudin vor, den allradgetriebenen Sport-Kombi für seinen Kanal auf der Nordschleife zu fahren und zu filmen. Doch dann suchte die Jahrhundertflut Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen heim, der Nürburgring wurde zum Einsatzzentrum für die Rettungs-, Bergungs- und Aufräumarbeiten. Der YouTuber packte mit an – und transportierte mit dem schicken Audi freiwillige Helfer, Werkzeug und alles Mögliche. Was man nach einer Jahrhundertflut halt so braucht. Schließlich scheint der Audi RS 6 Avant mit bis zu 1.680 Liter Ladevolumen dafür wie geschaffen. Irgendwann konnte man dem Wagen seine Farbe nicht mehr ansehen, weil er voller Schlamm war. (Verstörende Bilder: Ford Fiesta wird von Wassermassen mitgerissen – weil der Fahrer ...)

Audi RS 6 Avant, dreckig, stehend, nach der Flut auf dem Nürburgring
Im Einsatz: der Audi RS 6 Avant am Nürburgring © Instagram (mgcharoudin)

Audi: Streit mit Flut-Helfer – wegen des RS 6 im dreckigen Hardcore-Einsatz

Aber der Audi fuhr und half. Gutes Auto. Aber leider nicht das Auto von Misha Charoudin. Es handelt sich nämlich um einen Presse-Testwagen, wie Hersteller sie Auto-Redakteuren, Bloggern und YouTubern für meistens zwei Wochen zur Verfügung stellen. Unentgeltlich, oder besser: Die Gegenleistung ist in der Regel die Veröffentlichung einer Geschichte mit Test-Eindrücken. Audi hatte sich das Ganze also anders vorgestellt, als der Wagen auf dem YouTube-Kanal von Charoudin und weiteren Kanälen dann auftauchte: im Hardcore-Einsatz, mit Baumaterialien im Velours-verkleideten Kofferraum und nicht mehr ganz sauber. (Wasserschaden nach Hochwasser: Das sollten Autobesitzer jetzt tun)

Audi: Streit mit Flut-Helfer – „nicht der Sinn“ von Presse-Testwagen

Die Ingolstäder schimpften mit Charoudin. „Das war nicht der Sinn des Testwagens“, schrieben sie per Mail, „wir hoffen, dass der Wagen in einem einwandfreien Zustand zurückkommt“. Tatsächlich unterschreibt jeder Testwagen-Nutzer umfangreiche Leihbedingungen, nach denen er das Auto nur unter normalen Umständen benutzt und testet. So ist die Teilnahme an Motorsport-Veranstaltungen ausdrücklich ausgeschlossen. Von Fluthilfe steht da allerdings nichts. Trotzdem entschuldigte sich der YouTuber, wusch den Wagen – und löschte das Video. Unter dem entsprechenden Link ist mittlerweile ein üblicher Fahrbericht zu finden. Allerdings entschuldigt sich Charoudin gegen Ende des neuen Videos noch mal bei Audi und erklärt: „Ich verspreche, bei zukünftigen Autos vorsichtiger zu sein.“ (Flut-Katastrophe: Dieser Bundeswehr-Panzer birgt weggeschwemmte Autos)

Audi RS 6 Avant, stehend
Schick und stark: So sieht ein Audi RS 6 Avant aus, wenn er sauber ist. © Sagmeister Potography/Audi

Audi: Streit mit Flut-Helfer – aber mit Spenden wird Flutopfern geholfen

Die Reaktion von Audi ist durchaus verständlich. Schließlich ist so ein Hightech-Kombi nicht ganz so robust wie eine Mercedes G-Klasse und die Reifen auf den glänzenden Felgen nicht für schlammigen Offroad-Einsatz, sondern für schnelle Asphalt-Touren konzipiert. Außerdem kostet so ein Audi RS6 Avant mindestens 121.500 Euro, ein Presse-Testwagen ist darüber hinaus noch mit vielen teuren Extras ausgestattet. Aber möglicherweise wäre der PR-Effekt, hätte Audi die authentische Story vom hilfreichen Edelkombi ausgeschlachtet, anstatt sie zu bremsen, ein Vielfaches mehr wert gewesen. Und dass die Volkswagen-Tochter die Flutopfer durchaus unterstützen will, beweist der Spendenaufruf an die eigene Belegschaft: Die erreichte Summe will das Unternehmen dann um eine sechsstellige Summe aufstocken. Und dazu kommt ja noch die Konzernspende in Höhe von einer Million Euro.

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