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Elektroauto: Schadet schnelles und volles Laden wirklich dem Akku?

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Von: Marcus Efler

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Wer seinen Akku immer schnell und auf hundert Prozent lädt, schadet ihm damit, so die verbreitete Meinung. Was dran ist – und was die Deutschland-Flagge damit zu tun hat.

Das Tanken von Verbrenner-Autos ist eine simple Sache: Zapfhahn rein, abdrücken, abwarten, fertig. Zahlen an der Kasse nicht vergessen. Das Laden eines Stromers ist dagegen eine recht komplexe Angelegenheit, angefangen beim passenden Abo für die jeweilige Säule – immerhin müssen bald alle neuen Stationen Kreditkarten akzeptieren, und manchmal ist diese Art der Zahlung tatsächlich die günstigste.

Auch stellt sich die Frage, wie voll man den Akku mit Strom pumpen soll? Besser nur auf 70 oder 80 Prozent, so lautet die gängige Ratgeber-Regel. Danach lässt selbst bei schnellen Gleichstromsäulen zum Schutz des Akkus das Ladetempo deutlich nach: Ein Effekt, den man beim Planen längerer Touren berücksichtigen sollte.

Gleichstrom-Ladestecker
High Performance Charging: Schadet der Griff zum Schnelllader dem Akku? (Symbolbild) © Jochen Eckel/Imago

Elektroauto: Schadet schnelles und volles Laden wirklich dem Akku?

Aber ist schnelles und vor allem komplettes Laden wirklich schädlich für den Akku, sodass die Reichweite älterer Autos sinkt? Die klare Antwort: Kommt darauf an. Ein Blick in die Chemie üblicher Lithium-Ionen-Akkus hilft für das Verständnis. Ein wichtiger Bestandteil der Akkuzellen ist auch Grafit. Beim Laden ändert es seine Farbe von Schwarz erst zu rötlich und dann zu Gelb, Chemiker bezeichnen das als „Deutschlandflaggen:Effekt“.

Stark verkürzt: Je „deutscher“ die Zellen aussehen, desto weniger Energie können sie noch aufnehmen, und umso mehr verschleißt der Akku. Mit geschicktem Lademanagement, vor allem mithilfe der Temperatursteuerung, versuchen die Hersteller von E-Autos gegenzusteuern. Dabei müssen sie sich aber in einem Zielkonflikt entscheiden: Soll ihr Auto eher schnell laden können, dafür nicht ganz so viel Energie speichern (diese Strategie fährt beispielsweise der Hyundai-Kia-Konzern)? Oder ist ihnen eine hohe Energiedichte mit entsprechend besserer Reichweite wichtig, auch wenn das Laden für je 100 Kilometer etwas länger dauert, wie etwa Tesla es bislang bevorzugt (jetzt allerdings superschnelle Megacharger plant)?

Elektroauto: Ein komplett voller Akku ist gar nicht so problematisch

Der Autofahrer bekommt davon nicht viel mit, ihn interessiert nur die ständig (und im Winter etwas schneller) abnehmende Reichweiten-Anzeige. Auf großer Tour kann er anfangs schnell laden, ohne dem Akku zu schaden – jeden Tag sollte er das aber besser nicht tun.

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Auch den Akkustand deutlich über die empfohlenen 80 Prozent zu heben, bis hin zu komplett voll, ist hin und wieder überhaupt kein Problem. Vor allem unterwegs auf Langstrecken, wenn man jeden Kilometer Reichweite gebrauchen kann. Denn der Akku mag es vor allem nicht, über einen längeren Zeitraum voll geladen zu ruhen. Ist ja auch ungesund, mit vollem Magen zu Bett zu gehen.

Also lieber sofort joggen? Ok, auch nicht. Für ein Elektroauto ist aber genau das richtig. Wer also nach dem Laden nicht ein paar Tage parkt, sondern sofort oder demnächst weiterfährt, kann auf 90 bis 100 Prozent gehen. Die Lebensdauer des Akkus, und damit den Werterhalt seines Stromers, wird das kaum beeinträchtigen.

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