Flammen-Hölle überlebt

Feuer-Crash in Formel 1: Romain Grosjean muss keinen Verband mehr um verbrannte Hände tragen

  • Christian Schulz
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Schrecklicher Feuer-Crash in der Formel 1: Wie durch ein Wunder entkam Romain Grosjean seinem brennenden Autowrack. Jetzt zeigt er erstmals seine verbrannten Hände.

Update vom 14. Januar 2021, 16:28 Uhr: Beim Großen Preis von Bahrain war der französische Formel-1-Pilot Romain Grosjean Ende November nur um Haaresbreite einem schrecklichen Schicksal entronnen. Der 34-jährige Grosjean kam mit seinem Haas VF-20 schon in der ersten Runde mit 220 km/h von der Strecke ab – und crashte in eine Leitplanke. Durch die ungeheure Wucht wurde sein Bolide in Stücke gerissen – und fing sofort Feuer. Erst nach 27 quälend langen Sekunden entkam Grosjean den Flammen. Wie durch ein Wunder erlitt er nur Verbrennungen an den Händen, blieb aber ansonsten unverletzt.

Romain Grosjean hat die Flammen-Hölle erstaunlich gut überstanden – nur an der linken Hand sieht man die Wunden noch deutlich.

Nun veröffentlichte der Rennfahrer erstmals seit seinem furchtbaren Unfall Bilder von sich und seinen Händen. Die Fotos auf seinem Instagram-Profil zeigen ihn unter anderem beim Streicheln seiner Katze und machen Hoffnung – für schwache Nerven sind die Aufnahmen der stark verbrannten Hände allerdings nichts. Gerade an der linken Hand des Franzosen sind Narben und Rötungen noch überdeutlich zu erkennen. „Glückspilz“ Romain Grosjean allerdings frohlockt und schreibt: „Mein Ehering ist endlich wieder drauf.“

Erstmeldung vom 12. Oktober 2020, 12:13 Uhr: Sakhir (Bahrain) – Der Große Preis von Bahrain wäre beinahe zu einem Albtraum für die Formel 1 geworden: Die dramatischen Bilder erinnerten an den Unfall von Niki Lauda auf dem Nürburgring 1976 – und ließen das Allerschlimmste befürchten. Aufgrund eines technischen Details überstand Romain Grosjean (34) den Horror-Crash jedoch glimpflich.

Rettungskräfte helfen Romain Grosjean aus der Flammen-Hölle – den Haas VF-20 des Franzosen hat es in Stücke gerissen.

Feuer-Crash in der Formel 1: Nur deshalb überlebte Romain Grosjean

„Das war ein schockierendes Bild. Es ist schrecklich, wenn man so was sieht“, sagte der bereits feststehende Weltmeister Lewis Hamilton (35), der sich auch von einer mehr als 80-minütigen Unterbrechung nach dem Flammen-Drama nicht aus der Spur bringen ließ und mit seinem Mercedes-AMG F1 W11 das Rennen gewann. „Das hätte noch viel schlimmer ausgehen können. Das erinnert uns alle daran, dass es ein gefährlicher Sport ist.“ (Unfall von McLaren Senna LM: Gehört das Auto Ex-Formel-1-Profi Adrian Sutil?)

Die Bilder des Unfalls waren in der Tat fürchterlich. Schon nach wenigen hundert Metern kam es zu dem heftigen Crash. Romain Grosjean zog mit seinem Haas VF-20 nach rechts, touchierte dabei Daniil Kwjat im Alpha Tauri und schoss mit 220 km/h in eine hart fixierte Leitplanke. Das Monocoque bohrte sich dabei förmlich in die Streckenbegrenzung. Die Wucht des Aufpralls riss den Rennwagen in zwei Teile. Der Haas ging sofort in Flammen auf. (Ferrari 488 Pista Spider fängt Feuer: Hier brennt ein Einfamilienhaus ab)

Ein zusammengeschmolzener Klumpen – von Romain Grosjeans Formel-1-Boliden ist nach dem Horror-Crash kaum etwas übrig.

Feuer-Crash in der Formel 1: Cockpitschutz rettet Romain Grosjean das Leben

Die bange Frage angesichts des Infernos: Was ist mit Romain Grosjean? Unglaublich: Der Franzose befreite sich selbst aus seinem zerfetzten Boliden. Ein Streckenarzt half dem Piloten nach 27 Sekunden, die aber wie eine Ewigkeit wirkten, über die Leitplanke. Grosjean musste gestützt werden, als er in einen Krankenwagen begleitet wurde – doch wie durch ein Wunder wurden bei dem 34-Jährigen lediglich Verbrennungen an beiden Handrücken, aber keine Brüche festgestellt. Sein Zustand war stabil, er konnte mit einem Helikopter ins Krankenhaus geflogen werden. (Mann rast mit Mercedes gegen Baum ‒ Freundin findet ihn dank WhatsApp: „Kleines Wunder“)

Noch in der Nacht schickte Romain Grosjean mit dick bandagierten Händen Grüße an seine Fans, Freunde und Kollegen: „Vor ein paar Jahren war ich nicht für den Halo – aber ich denke, er ist das Beste, was der Formel 1 passiert ist. Ohne ihn könnte ich jetzt nicht zu euch sprechen.“ Der „Halo“ (dt.: „Heiligenschein“) ist der ringförmige Bügel, der im Cockpit über den Kopf des Fahrers gespannt ist – ohne den Titanschutz wäre der Franzose wohl von der Leitplanke geköpft worden.

Feuer-Crash in der Formel 1: Titan-Bügel „Halo“ stark genug für zwei Elefanten

Der „Halo“ ist seit dem Jahr 2018 Pflicht in der Formel 1. Der Cockpitschutz aus sieben Kilogramm Titan soll die Rennfahrer vor größeren herumfliegenden Teilen schützen. Seine Einführung war vom Weltverband FIA gegen Kritik beschlossen worden – als Konsequenz aus vergangenen Unfällen. Der Bügel muss dem Gewicht von zwei Elefanten (rund zwölf Tonnen) und einem vollen Koffer standhalten, der mit 225 km/h abgefeuert wird. (Illegales Autorennen auf A66: Unbeteiligte Frau verbrennt in ihrem Auto)

Als Erstretter waren Ian Roberts, medizinischer Rettungskoordinator der FIA, und Alan van der Merwe, der Fahrer des Medical Car, am Unglücksort. Wie Roberts berichtete, schmolz in der Feuer-Hölle sogar das Visier an Romain Grosjeans Helm. Nur der „Halo“-Bügel, der feuerfeste Rennoverall und das schnelle Eingreifen der Rettungskräfte hätten dafür gesorgt, dass es in Sakhir nicht zur Katastrophe kam. „Ich bin so glücklich, dass es Romain gutgeht“, sagt van der Merwe: „Alle Systeme, die wir entwickelt haben – der Halo, die Barrieren, die Gurte – haben so funktioniert, wie sie sollten.“ (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Credit: imago images/Motorsport Images / Instagram (grosjeanromain)

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