1. 24auto
  2. News

Rivian: Selbsternannter Tesla-Jäger enttäuscht – und schmiert an der Börse ab

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Simon Mones

Kommentare

Das Start-up Rivian hatte Anleger bei seinem Börsengang euphorisiert. Doch nach der Vorlage aktueller Zahlen herrscht Ernüchterung.

Update vom 20. Dezember 2021, 15:00 Uhr: Bei der Vorlage seiner ersten Zahlen nach dem Börsengang konnte der Elektroauto-Hersteller Rivian die hohen Erwartungen nicht halten. Man würde das Produktionsziel von 1.200 Pick-ups in diesem Jahr wohl nicht erreichen, sondern um einige Hundert Einheiten verfehlen, teilte der selbsternannte Tesla-Jäger mit.

Wie in diesen Kreisen üblich, kam die Meldung erst nach Börsenschluss. Das hinderte die enttäuschten Anleger aber nicht daran, die Aktie nachbörslich abzustrafen, sie verlor sofort elf Prozent und sackte in der Folge weiter ab. Derzeit rangiert sie deutlich unter 100 Dollar: ein kräftiger Aderlass gegenüber dem von Euphorie getriebenen Höchstkurs von etwa 180 Dollar kurz nach dem Börsenstart. (Elon Musk verkauft erneut Tesla-Aktien – So viel Geld hat er eingenommen)

Rivian: Selbsternannter Tesla-Jäger enttäuscht – und schmiert an der Börse ab

Die Produktion hochzufahren, sei schwieriger als gedacht, klagte Unternehmenschef Robert Scaringe in einer Analystenkonferenz. Diese Erfahrung kennt Tesla-CEO Elon Musk schon, der mit Auslieferungen und Serienstarts ebenfalls oft hinter seinen Ankündigungen zurückbleibt. Den Aktienkurs beeinträchtigt das aber meist nur kurzfristig.

Auf diesen Effekt hofft nun natürlich auch Rivian. Die Ankündigung eines zweiten Werkes soll die Investoren wieder gnädig stimmen: 400.000 Autos jährlich sollen in Georgia mal gebaut werden. Im Stammwerk in Illinois plant der Newcomer eine Aufstockung der Kapazität von 150.000 auf 200.00 Einheiten.

Erstmeldung vom 18. November 2021, 9:43 Uhr: Irvine (USA) – Die Automobilindustrie ist derzeit weltweit in Aufruhr. Das liegt jedoch nicht nur daran, dass wichtige Bauteile fehlen, sondern auch an der Transformation hin zur Elektromobilität. Immer mehr Start-ups setzen die etablierten Hersteller dabei gewaltig unter Druck und überraschen mit teils astronomischen Unternehmensbewertungen.

Jüngst sorgte beispielsweise Tesla für Aufsehen. Der Börsen-Kurs des Unternehmens war nach einem Deal mit dem Autovermieter Hertz stark gestiegen. Innerhalb kürzester Zeit war der Elektroautohersteller mehr als eine Billion Euro wert. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich nun auch bei Rivian ab. (Kurioser Prototypen-Crash: Getarnter Rivian kracht in Mercedes S-Klasse)

Rivian: Start-up ist wertvoller als Volkswagen – aber warum?

Nur wenige Tage nach dem Börsengang liegt der Marktwert bereits bei rund 152 Milliarden US-Dollar (etwa 134 Milliarden Euro), damit ist Rivian wertvoller als Volkswagen. Verglichen mit dem Ausgabepreis von 78 Euro, hat sich der Wert der Anteilsscheine binnen weniger Tage mehr als verdoppelt. Das 2009 gegründete Elektro-Start-up ist nach Tesla und Toyota (circa 262,54 Milliarden US-Dollar) zudem der drittwertvollste Autohersteller weltweit. (Ford F-150 Lightning: Deshalb ist der Elektro-Pick-up so günstig)

Ein Rivian R1T, stehend. (Symbolbild)
Das US-Start-up Rivian hatte nur wenige Tage nach seinem Börsengang Volkswagen überholt. (Symbolbild) © Elliot Ross/Rivian

Anders als Tesla und Toyota halten sich die Verkaufszahlen von Rivian bislang allerdings in Grenzen. Erst im September ist mit dem Pick-up R1T das erste Elektroauto des Start-ups auf den Markt gekommen. Ähnlich wie bei Teslas Cybertruck gab es auch bei Rivian mehrfach Verschiebungen des Produktionsstarts.

Rivian: Hohe Bewertung trotz geringer Absatzzahlen

Bis Ende des Jahres rechnet das US-Unternehmen zudem mit grade einmal 1.000 Auslieferungen. Wie kommt es also zu dieser hohen Bewertung des Start-ups? Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. So spiegelt der Börsenwert nicht nur den aktuellen Wert sowie die Produktionskapazität wider, sondern auch Erwartungen an die Zukunft des Unternehmens.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Hier wird es bei Rivian interessant. Denn mit Ford und Amazon sind bereits zwei große Unternehmen bei dem Start-up involviert. Insbesondere der Onlinehändler könnte ein Faktor für den Marktwert von Rivian sein. Amazon hält 20 Prozent der Anteile an dem US-Unternehmen und ist auch Großkunde von Rivian. Bis Ende des Jahrzehnts soll das Start-up 100.000 elektrische Lieferwagen an Amazon ausliefern. (Mit Material der dpa)

Auch interessant

Kommentare