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Kfz-Meister macht alte Verbrenner zu E-Autos - „Tesla können sich nur Reiche leisten“

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Von: Julian Baumann

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Kofferraumansicht eines Porsche 911 mit eingebautem Elektromotor.
Ein Verbrenner wird zum E-Auto: In der Werkstatt in Pfarrkirchen wurden auch bereits mehrere Porsche-Modelle umgerüstet. © Fleck GmbH/Heiko Fleck

Neuwagen werden wohl schon bald nur noch mit Elektromotor angeboten. Ein Kfz-Meister aus Bayern baut Verbrenner-Modelle zu E-Autos um - das Geschäft boomt.

Stuttgart/Pfarrkirchen - In der weltweiten Autoindustrie setzen die Hersteller immer mehr auf die E-Mobilität. Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz will ab 2030 sogar nur noch batteriebetriebene Fahrzeuge bauen und bereits ab 2025 soll jedes Modell mit dem Stern auch in einer elektrischen Version vorliegen. Gemeint sind dabei jedoch die neu gebauten Fahrzeuge des weltbekannten Konzerns, der Daimler AG, die inzwischen Geschichte ist; den Konzern, wie ihn alle kannten, gibt es nicht mehr. Ältere Modelle mit Verbrenner-Motor werden so schnell wohl nicht von den Straßen verschwinden. Der große E-Auto-Boom setzte erst vor wenigen Jahren mit dem Erfolg des US-Pioniers Tesla ein. Mercedes-Benz schwenkte dagegen vergleichsweise spät um, als man im vergangenen Jahr mit der Luxuslimousine EQS das erste vollwertige Mercedes-E-Auto vorstellte.

Inzwischen sind immer mehr E-Autos von verschiedenen Herstellern auf den Straßen Deutschlands unterwegs. Dazu zählen Modelle von etablierten Autobauern wie Mercedes, Porsche oder Tesla, aber auch immer mehr Start-ups bieten ihre eigenen Stromer an. Als Neuwagen sind die E-Autos jedoch nicht gerade günstig; ein Mercedes-EQS ist beispielsweise erst ab 97.806 Euro zu haben. In Pfarrkirchen (Bayern) können Autobesitzer ihre Verbrenner-Modelle jedoch zu einem E-Auto umbauen lassen. Die Idee kam Kfz-Meister Heiko Fleck, als er für den eigenen Gebrauch ein Dieselmotorrad auf Elektro umbaute, wie BW24 berichtete.

Kfz-Meister baut Verbrenner zum E-Auto um: Startschuss war der Umbau eines VW-Käfer

Die Mercedes-Benz AG aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart blickt auf eine lange Geschichte der Autoproduktion mit Verbrenner-Motoren zurück. Obwohl der Konzern inzwischen mit der Baureihe EQ auf das E-Auto setzt, sind nach wie vor viele Verbrenner-Modelle mit dem Stern auf den Straßen unterwegs. Eine Möglichkeit ist für Autofahrer natürlich, den Verbrenner gegen ein neues E-Auto einzutauschen. Obwohl es dafür vom Staat ein gewisses Entgegenkommen gibt, sind viele jedoch noch nicht bereit, ihr langjähriges Modell einfach aufzugeben.

Die Geschäftsidee, Elektromotoren in Verbrenner-Modelle einzubauen, hatte Heiko Fleck bereits vor 13 Jahren und damit lange vor dem E-Auto-Boom in der Branche. „Ich habe jahrelang Dieselmotorräder umgebaut“, sagt er gegenüber BW24. „Weil die mir zu laut vorkamen, habe ich eines zu Elektro umgebaut.“ Die elektrische Reichweite habe damals gerade mal 30 Kilometer betragen. Das erste Auto, dass er mit einem E-Motor versah, war ein VW-Käfer, erinnert sich Fleck. Diesen Vorgang habe er in Youtube-Videos dokumentiert, worauf die Nachfrage nach solchen Umbauten drastisch anstieg. Problem war und ist jedoch, die entsprechende Technik zu bekommen. „Die Chinesen haben ja nur Schrott angeboten“, macht Fleck deutlich.

Jedes Modell kann zum E-Auto werden, aber: „Je neuer, desto schwieriger“

Als der Kfz-Meister aus Pfarrkirchen mit den Umbauten von Verbrenner-Modellen zu E-Autos begann, war die Akzeptanz der E-Mobilität noch lange nicht so groß wie heute. Damals interessierten sich nur Oldtimer-Fans für einen Umbau, erklärte er dem Spiegel. „Inzwischen kommen wir mit den Teilen gar nicht mehr hinterher.“ Grundsätzlich sei es möglich, jedes Automodell mit einem Elektromotor auszustatten, so Fleck gegenüber BW24, aber: „Je neuer, desto schwieriger.“ Die Hauptkriterien seien „Platz und Gewicht“, führt er weiter aus. Bei manchen Modellen müssten beispielsweise zwei Sitzplätze dem Akku weichen. In seiner Werkstatt baut er nur Autos um. „Busse und Lkw mache ich nicht.“

In einer Werkstatt wird ein Modell von Mercedes-Benz umgerüstet.
Auch ältere Modelle von Mercedes-Benz werden von Heiko Fleck mit Elektromotoren ausgestattet. © Fleck GmBH/Heiko Fleck

Durch den Einbau von Elektromotoren in ältere Verbrenner-Modelle entstehen demnach E-Autos, die es von den jeweiligen Herstellern nicht gibt und so schnell wohl auch nicht geben wird. Die Porsche AG stellte im vergangenen Jahr beispielsweise den vollelektrischen Sportwagen Taycan vor. Ein Kunde von Heiko Fleck baute mit der Hilfe des Kfz-Meisters jedoch einen Porsche Cayenne mit einem Umrüstkit zum E-Auto um, wie der Spiegel berichtet. Die Teile kamen dabei aus einem Tesla Model X mit Unfallschaden. Ganz günstig ist eine Umrüstung jedoch nicht: Der Cayenne-Fahrer zahlte für das Umrüstkit von Fleck 21.000 Euro und baute das Fahrzeug letztendlich selbst um.

Chipkrise in der Autobranche: „Jetzt haben wir den Salat“

Auch ältere Modelle von Mercedes-Benz wurden in Pfarrkirchen bereits zum E-Auto. „Der letzte Mercedes, den ich umgebaut habe, war ein alter SL 107“, erinnert sich Fleck im Gespräch mit BW24. „Der ist in Stuttgart zugelassen.“ Für seine Arbeit benötigt der Kfz-Meister jedoch auch die Halbleiterkomponenten, die in der Autobranche seit Beginn des Jahres Mangelware sind. Mercedes-Benz und Porsche mussten aufgrund der Chipkrise in den vergangenen Monaten bereits Produktionen stoppen; Tausende Daimler-Mitarbeiter mussten temporär in die Kurzarbeit. Das macht auch der Arbeit von Heiko Fleck Probleme. „Jetzt haben wir den Salat“, sagt er in Bezug auf die anhaltende Chipkrise.

Durch seine Kontakte konnte Heiko Fleck aber einige Steuerungen organisieren, sodass der Betrieb zunächst weitergehen kann, berichtet der Spiegel. Und vor Anfragen kann sich der Kfz-Meister aus Pfarrkirchen auch aktuell kaum retten. Am Anfang waren viele Autobesitzer noch skeptisch. „Einen Tesla, den können sich doch nur Reiche leisten, sagten viele“, erklärte Fleck. „Jetzt merken die Leute, dass Elektromobilität doch funktioniert.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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