1. 24auto
  2. News
  3. Politik & Wirtschaft

Smartphone-Riese aus China will E-Auto bauen: Xiaomi kündigt Milliarden-Investition an

Erstellt:

Von: Sebastian Oppenheimer

Kommentare

Die chinesische Marke Xiaomi ist in Deutschland vor allem für ihre Smartphones bekannt – nun hat das Unternehmen die Entwicklung eines Elektroautos angekündigt und will Milliarden Investieren.

Peking – Vor einigen Jahren schossen neue E-Auto-Start-ups wie Pilze aus dem Boden: Begleitet von lautem PR-Getöse fuhren Firmen wie Faraday Future und Byton futuristische Stromer ins Rampenlicht. Auch der Staubsauger-Hersteller Dyson versuchte es – musste seine Entwicklungsarbeiten an einem Elektrofahrzeug aber schließlich beerdigen. Mittlerweile hat sich die Aufregung in der Autobranche um die vielen Neueinsteiger wieder gelegt. Die Entwicklung eine E-Autos ist ganz offensichtlich wesentlich schwieriger, als manche Unternehmen zunächst annahmen. Sie verschlingt enorme Ressourcen an Zeit, Geld und Personal. Angeblich ist der kalifornische Tech-Riese Apple noch im Rennen um ein eigenes E-Auto – allerdings ist beim iPhone-Konzern auch ein gigantisches finanzielles Polster vorhanden. Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass sich nun erneut ein branchenfremdes Unternehmen auf dieses rutschige Parkett wagt: Der chinesische Smartphone-Riese Xiaomi hat angekündigt, ein eigenes Elektroauto entwickeln zu wollen.

Fahraufnahme der Studie K-Byte Concept (Symbolbild)
Im Jahr 2018 zeigte Byton die Studie K-Byte Concept – wird das E-Auto von Xiaomi so ähnlich? (Symbolbild) © Byton

Chinesischer Smartphone-Riese will E-Auto bauen: Xiaomi verkündet Mega-Investition

Allzu viele Details zum Xiaomi-Elektroauto sind noch nicht nicht bekannt – außer dass es ein „Smart Electric Vehicle“ werden soll. Vermutlich ein Hinweis darauf, dass das Auto einen hohen Grad an autonomem Fahren beherrschen und komplett vernetzt sein wird. Seine Pläne verkündete Xiaomi unter anderem auf dem offiziellen Twitter-Account des Unternehmens. In einer ersten Phase wollen die Chinesen demnach 10 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro) investieren. Im Laufe der nächsten zehn Jahre sollen weitere 10 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 8,5 Milliarden Euro) in die Entwicklung von E-Fahrzeugen fließen. „Das Unternehmen wird eine hundertprozentige Tochtergesellschaft gründen, um das Geschäft mit intelligenten Elektrofahrzeugen zu betreiben“, schreibt Xiaomi. Welche Bedeutung das Unternehmen dem Projekt E-Auto beimisst, zeigt sich daran, dass die Auto-Tochter von Xiaomi-Gründer und -CEO Lei Jun (51) höchstpersönlich geleitet wird.

Die Fertigung der Elektrofahrzeuge will Xiaomi offenbar anderen überlassen: Laut der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf Insider beruft, könnte der Konzern für sein Fahrzeug Werke des chinesischen Autobauers Great Wall nutzen. Keine eigenen Werke aus dem Boden zu stampfen, dürfte sicherlich eine kluge Entscheidung sein. Auch der chinesische E-Autobauer Nio geht diesen Weg: Das Unternehmen hat die Produktion an den Massenhersteller JAC ausgelagert. Und auch der rein elektrische Jaguar I-Pace wird beispielsweise vom Auftragsfertiger Magna Steyr hergestellt. (Nio ET7: Chinesische Elektrolimousine verspricht enorme Reichweite dank Feststoffbatterie)

Ein Nio-Showcar aus dem Jahr 2017
Elektroautos des Branchenneulings Nio sind bereits auf Chinas Straßen unterwegs. Das Bild zeigt eine Messestudie von 2017. © Nio

Smartphone-Riese Xiaomi will E-Auto bauen: Zeitplan für Projekt noch nicht bekannt

Trotzdem: Es ist ein gewagter Schritt, den Xiaomi hier unternimmt – schließlich sind auch die traditionellen Autobauer inzwischen mit Volldampf ins E-Auto-Geschäft eingestiegen und üben mittlerweile gewaltigen Druck auf Pionier Tesla aus. Vor allem der Volkswagen-Konzern unter Führung von Herbert Diess (62) setzt alles auf die Elektro-Karte – und hat mittlerweile mit dem VW ID.3 auch schon das erste Fahrzeug auf Basis des Modularen Elektro-Baukastens (MEB) auf der Straße. Viele weitere E-Fahrzeuge werden in den kommenden Jahren auf MEB-Basis – sowie der größeren Schwesterplattform PPE (Premium Platform Electric) – bei den zahlreichen Konzernmarken wie beispielsweise Audi, Porsche und Škoda folgen.

Bislang gibt es weder erste Skizzen zum Elektro-Xiaomi noch einen Zeitplan für das Projekt – allerdings dürften mindestens drei bis vier Jahre vergehen, bis die ersten Stromer des Smartphone-Herstellers über die Straßen rollen. Falls es überhaupt so weit kommt und das Projekt nicht auf halbem Weg eingestampft wird. So wie bei Dyson.

Auch interessant

Kommentare