Wütender Brandbrief

Verbände kritisieren fatale Zustände bei Kfz-Zulassung – „große wirtschaftliche Schäden“

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Die großen Verbände der Automobilindustrie beschweren sich gemeinsam über fatale Zustände bei der Zulassung. Sie fordern die rasche Einführung des neuen, digitalen i-Kfz-Systems.

  • Die Wirtschaftsverbände kritisieren Arbeit der Behörden
  • Digitales System „i-Kfz“ vielerorts nicht verfügbar oder fehlerhaft
  • Lange Wartezeiten vor allem in großen Städten

Berlin – Mit einem Brandbrief an Bundesländer und Kommunen machen der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) auf ein massives Problem mit der Auto-Zulassung aufmerksam – und fordern schnelle Abhilfe.

Verband der Automobilindustrie (VDA)
RechtsformEingetragener Verein
ZweckInteressenverband der deutschen Automobilhersteller
SitzBerlin
Gründung1901
PräsidentinHildegard Müller

„Die zum Teil wochenlangen Wartezeiten in deutschen Kfz-Zulassungsstellen werden zunehmend zu einer wirtschaftlichen Belastung für die Automobilwirtschaft“, so die Organisationen in ihrem Alarmruf. Arbeitsplätze und Betriebe seien gefährdet. Es müsse kurzfristig und entschlossen gegengesteuert werden – unter anderem durch die rasche und umfassende Einführung des digitalen Zulassungsverfahrens i-Kfz (Elektro-Pkw: Marktanteil über 10 Prozent – deutsche Hersteller auch bei Stromern stark).

Verbände monieren fatale Zustände bei Kfz-Zulassung: i-Kfz soll Lösung bringen

Was steckt dahinter? i-Kfz ermöglicht es Privatkunden, Erstzulassungen oder Umschreibungen ohne Vorort-Termine bei einer Behörde und damit effizienter vorzunehmen. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür wurden 2019 durch die Bundesregierung geschaffen, trotzdem sind sie in vielen Zulassungsstellen bis heute nicht umgesetzt.

„Als Folge der Corona-bedingten Einschränkungen in den Autohäusern und Zulassungsstellen stehen bei den Händlern derzeit Tausende Neu- und Gebrauchtwagen und können nicht an die Kunden übergeben werden. Die Folge sind große wirtschaftliche Schäden für den Kfz-Handel und die Automobilindustrie und verärgerte Kunden“, betont VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Der Bund habe den Ländern bereits Hilfestellung gegeben, darunter die Möglichkeit, vereinfachte Verfahren anzuwenden. In der Praxis seien die entsprechenden Online-Portale der Zulassungsstellen aber in vielen Fällen noch nicht vorhanden oder für Kunden nicht auffindbar, sie arbeiteten fehlerhaft oder ein vollständiger Zulassungsprozess sei nicht möglich. Zum Teil gebe es Wartezeiten von sechs Wochen und länger, vor allem in großen Städten wie Berlin, Köln, Frankfurt oder Stuttgart (Autoindustrie: Deutscher Pkw-Markt historisch schwach – doch ein Segment zieht richtig an).

Verbände monieren fatale Zustände bei Kfz-Zulassung: „Langsamkeit ist Konjunktur-hemmender Faktor“

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel ergänzt: „In dieser ohnehin extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage darf die Situation bei den Behörden nicht zusätzlich zum Konjunktur-hemmenden Faktor werden. Länder und Kommunen müssen jetzt dafür sorgen, dass die Zulassungsstellen bundesweit so schnell wie möglich wieder effizient arbeiten können.“

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass Zulassungsbehörden in dieser Situation und im Zeitalter der Digitalisierung nicht in der Lage sind, digitale An- und Ummeldeverfahren rasch umzusetzen“, ergänzt ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. „Unsere Händler können den Kunden nicht erklären, weshalb sie etliche Wochen warten sollen, bis sie ihr fahrbereites Fahrzeug endlich nutzen können.“ Die Behörden sollten sich daher um eine umfassende Implementierung des i-Kfz-Verfahrens kümmern. Schließlich würden die Tausenden Fahrzeuge, die derzeit bei den Händlern ständen und nicht zugelassen würden, Kapital binden, das der Kfz-Handel in der aktuellen Situation dringend zum wirtschaftlichen Überleben benötige. (Von Rudolf Huber/Global Press)

Rubriklistenbild: © Marc Müller/dpa

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