Neues System ab 2022

Wegfahrsperre: Schnittstelle für Alkoholtest kommt 2022 ins Auto

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Betrunkene Autofahrer sind laut Statistik in Deutschland für mehr als 200 tödliche Verkehrsunfälle verantwortlich. Die EU will das ändern und bestimmt ab 2022 neue, verpflichtende Assistenzsysteme in Neuwagen. Darunter auch eine Schnittstelle für Alkoholtests.

  • Ab 2022 werden viele Assistenzsysteme in Neuwagen verpflichtend
  • Dazu gehören unter anderem Notbrems- und Spurhalteassistenten sowie „Tempolimit-Automatik“
  • Auch die Schnittstelle für einen Alkoholtest muss ab 2022 verbaut sein

München – Alkohol am Steuer hat fatale Folgen. In der EU sterben pro Jahr etwa 25.000 Menschen im Straßenverkehr. Das wollen die EU-Mitgliedsstaaten ändern. Daher bekommen alle Neuwagen in der EU ab dem Jahr 2022 einige neue Sicherheits- und Assistenzsysteme wie Notbrems- und Spurhalteassistenten. Für Diskussionen und Aufregung sorgt dabei vor allem ein neue Einrichtung: Eine Schnittstelle zum Anschluss einer Alkohol-Wegfahrsperre. Sie könnte beispielsweise den Einbau eines Alkoholtests bei Alkoholsündern ermöglichen, die dadurch bei einem Fahrverbot ihren Führerschein früher zurückerhalten könnten.

Doch das geht einigen Kritikern nicht weit genug: Sie fordern eine allgemein verbindlichen Alkoholtest für alle Bürger vor jeder Fahrt. Siegfried Brockmann, Leiter des Verbandes Unfallforschung der Versicherer (UDV, Teil des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)), fordert: „Die Fahrzeuge sollten verbindlich jedoch nicht nur eine solche Schnittstelle, sondern auch eine Alkohol-Wegfahrsperre bekommen“ Dieses Konzept findet in Deutschland überwiegend Zustimmung, wie jetzt eine Studie von AutoScout24 zeigt.

Alkoholtest vor jeder Fahrt: Die Befürworter sind in der Mehrzahl

Für mehr Sicherheit sind Autohalter zu großen Zugeständnissen bereit: 60 Prozent begrüßen es, dass vor Fahrtantritt ein Alkoholtest gemacht werden muss, 40 Prozent sind dagegen. Die Gründe der Befürworter sind vielfältig. Tatsächlich steht für 46 Prozent der Befragten die Sicherheit im Vordergrund, 22 Prozent sehen in dem Testgerät aber auch ein Instrument der Selbstkontrolle und sagen: So sehe ich immer, ob ich nach einer geringen Alkoholmenge noch fahren kann und habe Rechtssicherheit. Ebenfalls 22 Prozent sind der Meinung, dass das Testgerät nicht auf Neuwagen beschränkt bleiben, sondern bei Gebrauchten nachgerüstet werden sollte.

Folgende Systeme sind ab 2022 in Neuwagen Pflicht:

  • Vorrichtung zum Anschluss einer Alkohol-Wegfahrsperre
  • Intelligent Speed Assistance
  • Müdigkeitserkennung
  • Ablenkungserkennung
  • Notbremslichter
  • Notbremsassistent
  • Antikollisionssystem beim Rückwärtsfahren
  • Spurhalteassistent
  • Unfalldatenspeicher („Black-Box“)
  • Erweiterung von Kopfaufprall-Schutzbereichen
  • Präzise Reifendrucküberwachung

Alkoholtest vor Fahrtantritt: Ist das System leicht auszutricksen?

Welche Argumente haben die Kritiker der neuen Reglung? 22 Prozent glauben, dass das neue System zu Missbrauch einlädt und dass der Fahrer notfalls seine Kinder pusten lassen könnte. 19 Prozent lehnen es ab, weil es aus ihrer Sicht Neuwagen nicht nur teurer, sondern auch störanfälliger machen wird.

Erst an dritter Stelle stehen Bedenken, dass die eigenen Daten nicht im Fahrzeug verbleiben und in falsche Hände geraten könnten. Und 13 Prozent sehen in der neuen EU-Idee eine Bevormundung des Fahrers, die sie ablehnen. (Mit Material von Ralf Loweg / Global Press)

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