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VW-Boss Herbert Diess kritisiert Ladenetz – interner Zoff garantiert

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Von: Marcus Efler

Nach einer Fahrt mit seinem elektrischen VW ID.3 kritisiert Volkswagen-Boss Herbert Diess eine Ladestation heftig. Das ist bemerkenswert – aus mehreren Gründen.

Wolfsburg – Dass Volkswagen-Chef Herbert Diess und Tesla-CEO Elon Musk einiges gemeinsam haben, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Nicht nur, dass beide Bosse ausschließlich in Elektroautos mit Akku die Zukunft sehen, auch persönliche Treffen und frühere Gerüchte über einen Wechsel von Diess zu Tesla zeigen eine gewisse Verwandtschaft im Geiste. Dazu hat der VW-Chef mittlerweile eine weitere Angewohnheit von Elon Musk übernommen: Management by Social Media. (VW-Plan gegen Tesla: So will Herbert Diess an Elon Musk vorbeiziehen)

VW-Boss Herbert Diess kritisiert Ladenetz – interner Zoff garantiert

Mit seinen Posts auf Twitter gibt Elon Musk bekanntlich weitreichende Einblicke in seine Ansichten und Pläne, etwa die Öffnung der Supercharger-Ladesäulen für alle Automarken, und bewegt beispielsweise den Kurs der Kryptowährung Bitcoin. Was er postet, das sitzt. Dass zumindest der Eindruck entsteht, die Äußerungen seien spontan, verstärken ihre Wirkung noch. Dem VW-Boss scheint diese Strategie zu gefallen: Kein anderer deutscher hochrangiger Auto-Manager ist in den sozialen Medien so aktiv wie Herbert Diess. (Auch VW verkündet Aus für Verbrenner: Bald ist endgültig Schluss)

VW-Boss Herbert Diess kritisiert Ladenetz – Urlaubsreise mit dem VW ID.3

So bedankte er sich, surfend auf dem Mittellandkanal in Wolfsburg, auf seinem LinkedIn-Account bei den Mitarbeitern. Auch berichtete er ausführlich über seine Urlaubsreise mit dem VW ID.3. Klar, Marketing für das Elektroauto, das in den sozialen Netzen auch als solches erkannt und nicht nur wohlwollend kommentiert wurde. Jetzt fuhr er wieder – und brachte gezielte Kritik an einem offensichtlichen Defizit an. Konkret beschwerte er sich über eine Ladestation im italienischen Trento, wo er mit seinem VW ID.3 Pro S auf dem Weg zum Gardasee pausierte: „Kein WC, kein Kaffee, eine Säule außer Betrieb/defekt, traurige Angelegenheit“, berichtete er frustriert: „Das ist alles andere als ein Premium-Ladeerlebnis, Ionity!“ (Supercharger für alle: Niederländer wollen Lade-Chaos bei E-Autos in Deutschland beenden)

Herbert Diess am Steuer eines VW ID.3 (Symbolbild)
Herbert Diess am Steuer eines VW ID.3 (Symbolbild) © Linkedin (Herbert Diess)

An Diess’ Kommentar sind vor allem zwei Details bemerkenswert: Erstens reagierte der VW-Boss damit auf den Twitter-Post eines VW-Pressesprechers. Seine Kritik darf also durchaus als eine Art offizielles Firmenstatement gedeutet werden. Außerdem dürfte der kritisierte Betreiber der Ladesäulen Diess’ Worte mit großer Aufmerksamkeit gelesen haben. Denn bei Ionity handelt es sich um ein Joint Venture, an dem Volkswagen selbst beteiligt ist – zusammen mit den anderen deutschen Autokonzernen Daimler und BMW sowie mit Ford und Hyundai (jedes Unternehmen hält 20 Prozent). Es ist als europaweites Gegenstück zu Teslas hervorragendem Supercharger-Netz gedacht, funktioniert aber offenbar noch nicht so gut. So kritisieren Kunden nicht-transparente, hohe Strompreise, umständliche Bezahl-Prozeduren und fehlenden Service – siehe auch die Kritik von Herbert Diess. (Tesla: Saftige Preiserhöhung am Supercharger – so viel kostet es jetzt mehr)

VW-Boss Herbert Diess kritisiert Ladenetz – Zweifel an eigener Performance

Ionity hat auch bereits reagiert: „Für den Standort in Trento arbeiten wir mit unserem Standort-Partner ENI an einer Verbesserung des Kundenservice“, meldete sich Geschäftsführer Marcus Groll: „Der defekte Lader ist gestern repariert worden.“ Zu spät. Generell schlägt Herbert Diess mit seinem Post aber ein neues Kapitel in Sachen Lade-Infrastruktur auf: Schon länger kursieren Gerüchte, nach denen vor allem die deutschen Autobauer unzufrieden mit der Performance ihres eigenen Ladenetzes sind. Dass der VW-Chef jetzt öffentlich an dessen Performance herummäkelt, ist ein hörbarer Warnschuss. Und natürlich auch Selbstkritik. Auch das ist eine Eigenschaft, die man hin und wieder sogar bei Elon Musk findet.

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