Projekt im Mittelmeer

VW-Elektroauto-Paradies auf griechischer Insel – wieso nicht bei uns?

Ein grafische Montage zeigt, wie die griechische Insel Asytpalea in Zukunft aussehen soll.
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So stellen sich Volkswagen und Griechenland die vollelektrifizierte Insel Astypalea der Zukunft vor.
  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
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Volkswagen träumt von einer E-Insel und will dafür den „Schmetterling der Ägäis“ elektrifizieren. Die Insel Astypalea wird zum Modellprojekt: VW liefert 1.000 Elektroautos wie VW ID.3 und ID.4.

Astypalea (Griechenland) – Der Skandal um die betrügerische Manipulation von Dieselabgaswerten hat den internationalen Ruf des Volkswagen-Konzerns schwer beschädigt. Mittlerweile versucht VW, mit zahlreichen Initiativen sein Image aufzupolieren und gleichzeitig die Transformation hin zu alternativen Antriebstechnologien zu bewältigen. Die Wolfsburger möchten mit ihrer „ID. Familie“ zu einem der führenden Elektroautohersteller weltweit werden. Der Weg dorthin führt sie auch auf eine griechische Insel.

VW-Elektroauto-Paradies auf griechischer Insel – warum nicht bei uns?

Der VW-Konzern steckt sich im Bereich E-Mobilität hohe Ziele: Allein innerhalb den nächsten fünf Jahren will der niedersächsische Autohersteller 33 Milliarden Euro in Elektrifizierungstechnologie investieren. Bis zum Jahr 2029 sollen insgesamt 75 neue Elektromodelle auf den Markt kommen. Doch damit nicht genug: Im Rahmen des Bestrebens, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden, haben sich die VW-Strategen nun einen besonderen Clou einfallen lassen: In Zusammenarbeit mit der griechischen Regierung verwandelt Volkswagen die Insel Astypalea in eine „Modellinsel für klimaneutrale Mobilität“. Willkommen im E-Auto-Paradies! (VW-Boss Herbert Diess im Golf 8 GTI – Kritik im Netz: „Aus der Zeit gefallen“)

Die griechische Ägäis-Insel Astypalea ist geformt wie ein Schmetterling – und wird künftig „elektrisch angetrieben“.

Astypalea ist mit einer Fläche von ungefähr 100 Quadratkilometern vergleichbar mit der deutschen Insel Sylt. Das wirft die Frage auf: Warum realisiert VW das Projekt nicht in Deutschland? Auch hierzulande verträgt die Elektro-Infrastruktur bekanntlich noch reichlich Aufbauarbeit. Die malerische Ägäis-Insel hat rund 1.300 Einwohner und wird jährlich von etwa 72.000 Urlaubern besucht. Noch sind es vor allem Griechen, die auf der schmetterlingsförmigen Insel wohnen oder ihren Urlaub hier verbringen. Wer ein Stück ursprüngliches Griechenland erleben will, könnte sein Glück auf Astypalea versuchen – und genau das dachte sich wohl auch VW. (VW-Boss Herbert Diess ungewöhnlich selbstkritisch: „Da sind wir wirklich Anfänger“)

VW-Elektroauto-Paradies: Griechisches Vorzeigeprojekt – Astypalea wird E-Insel

Bei dem Modellversuch auf der zwischen dem Dodekanes und den Kykladen gelegenen Trauminsel handelt es sich um ein zunächst auf sechs Jahre angelegtes Kooperationsprojekt zwischen dem Volkswagen-Konzern und dem griechischen Staat. Im Rahmen des ambitionierten Vorhabens werden neue Fahrzeugtypen und Mitfahrmodelle eingeführt, um den Verkehr zu reduzieren und umweltfreundlicher zu gestalten. Die Energie wird durch lokale Ökostromquellen wie Sonne und Wind erzeugt. (VW ID.3: Software total unausgereift – diese 22 Fehler nerven richtig)

Die beschauliche Insel Astypalea – Autos mit Verbrennungsmotor gehören bald der Vergangenheit an.

Teil des neu konzipierten Verkehrssystems auf Astypalea werden digitale Mobilitätsdienste und ein vollelektrischer Mitfahrservice sein. Letzterer wird den lokalen Busdienst der Insel ersetzen. Volkswagen will auch mit bereits ansässigen lokalen Partnerbetrieben zusammenarbeiten, um beispielsweise einen Teil des traditionellen Autovermietungsgeschäfts zu einem Carsharing-Service weiterzuentwickeln. Dieser soll künftig neben E-Autos auch E-Scooter von Seat sowie E-Bikes anbieten. Der deutsche Autobauer verspricht, mit diesen Maßnahmen das Verkehrsaufkommen auf der Insel erheblich zu verringern. (Hier zerschellt ein VW ID.3: Ist der Volksstromer wirklich sicher genug?)

VW-Elektroauto-Paradies: 1.000 VW ID.3 und VW ID.4 ersetzen Verbrenner

In einem ersten Schritt werden rund 1.500 vorhandene Automobile mit Verbrennungsmotor durch 1.000 Elektrofahrzeuge aus Volkswagens „ID. Familie“ ersetzt. Dabei handelt es sich um neue Elektromodelle wie den Kompaktwagen VW ID.3 oder den Crossover-SUV VW ID.4. Der griechische Staat unterstützt die Inselbewohner mit bis zu 12.000 Euro beim Kauf eines E-Autos. VW verfolgt mit dem Modellprojekt keine direkten Gewinnabsichten und bietet die die Fahrzeuge daher erheblich günstiger als üblicherweise an. (Hier fahren Herbert Diess und Elon Musk den neuen VW ID.3: „Keine Renn-Maschine“)

Neue VW-Elektroautos wie das Crossover-SUV VW ID.4 werden auf Astypalea bald in großer Zahl herumkurven.

Nach und nach elektrifiziert Volkswagen auch Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften sowie die Fahrzeugflotte des öffentlichen Sektors. Um der damit drastisch steigenden Anzahl von elektrisch angetriebenen Mobilen gerecht zu werden, muss VW auch für die notwendige Lade-Infrastruktur sorgen. Zu diesem Zweck installiert der Konzern auf Astypalea rund 230 private und mehrere öffentliche Ladestationen. (VW Golf R: So schnell rennt die Topversion mit Performance-Paket)

VW-Elektroauto-Paradies: Herbert Diess verspricht sich viel vom „Projekt Astypalea“

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, zeigte sich bei der Vorstellung des E-Projekts auf der Griechen-Insel optimistisch: „Politik, Wirtschaft und Gesellschaft tragen gleichermaßen die Verantwortung, den Klimawandel zu begrenzen. Unser langfristiges Ziel ist klimaneutrale Mobilität für alle. Mit dem Astypalea-Projekt werden wir untersuchen, ob und wie diese Vision bereits heute verwirklicht werden kann.“

Es bleibt die Frage, warum das Projekt in Griechenland und nicht auf einer deutschen Insel realisiert wird. Deutschland zählt immerhin 92 Inseln - davon sind 19 bewohnt. Die Sonne ist das Problem: Griechenland hat pro Tag durchschnittlich 7,4 Sonnenstunden, Deutschland nur 4,6. Und die Sonne soll dem Projekt ja auch als Energielieferant dienen.

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